Beethoven : Werk und Wirkung / Jost Hermand

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Rezension:

Ein Buch, das Beethovens Werke mit deren sozialen und politischen Intentionen zu verknüpfen versucht. (KM)

So neu ist die Idee nicht: Beethovens Musik als Politikum zu verstehen, das gab es schon in den Hörsälen der Freien Universität in den Siebzigern, das gab es auf der anderen Seite des eisernen Vorhangs ebenfalls in Form der Dauerberieselung der Beethovenschen langsamen Sinfoniesätze bei sozialistischen Gedenkfeiern. Jost Hermand, der in Wirklichkeit William F. Vilas heißt* und als Research Professor für deutsche Kulturgeschichte am Department of German der University of Wisconsin-Madison (USA) lehrt, fügt in seinem neuen Buch (ein früheres handelt von den deutschen Dichterbünden) solche Facetten zu einem Heros-Wunschbild zusammen, dem Beethoven sicher nie gerecht wurde.

Tatsache ist, dass politische Äußerungen von Beethoven spärlich überliefert sind. Sein soziales und politisches Empfinden war nie von seinen persönlichen Intentionen abgekoppelt. Der in der kurkölnischen Residenz Bonn herrschende Aufklärungskatholizismus hat Beethovens Ansichten stark mitbestimmt, soviel ist sicher. Und, klar, die neuen Ideen der Französischen Revolution beeindruckten den fortschrittlich gesinnten Jugendlichen derart, dass er zum überzeugten Republikaner wurde. Seine geistige Mitte aber fand der Komponist auf Dauer im Freiheits-Idealismus Schillers und in der Ethik Kants. Das beschreibt übrigens die jüngste Beethoven Biografie von Martin Geck sehr schön.

Hermand nährt seine These des Politischen in Beethovens Musik mit einem Bericht des Nachrichtenmagazins der Spiegel, führt dann einen - nach heutiger Sicht recht misslungenen - Film des Defa-Fernsehens der DDR an, der wohl mehr für den Schulfunk gedacht war, klopft genderspezifische Aspekte der neueren Beethoven-Forschung ab und zitiert am Ende Bert Brecht. - Das Politische in der Musik Beethovens? Mit seinen Rundumschlägen gegen die Konsumgesellschaft, gegen die böse Reklamewelt oder gegen die elektronischen Hörgewohnheiten der verdorbenen Jugend von heute kommt Hermand seinem Ziel nicht besonders nahe.

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