Bearbeitungszeiten, oder: Wo bleibt meine Ware??

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Liebe EBayer,

immer wieder erreichen mich Mails und Anrufe besorgter Käufer, die ihre gekaufte und bezahlte Ware vermissen, weil sie "noch immer nicht angekommen ist obwohl doch gleich bezahlt wurde".

EBay sieht für die Lieferung eines Artikels eine regelmäßige Versandzeit von 10 Tagen vor. Hier möchte ich einen Überblick über die verschiedensten und an sich harmlosen Gründe für Verzögerungen über diese 10 Tage hinaus geben:

1. Obwohl richterlich und gesetzlich verbraucherfreundlich anders entschieden gibt es tatsächlich immer noch eine Art "Banklaufzeit", also einen zeitlichen Verlust bei banklichen Überweisungen.

Einige Banken brauchen offenbar einen Tag bis zu drei Tage, um eine Überweisung überhaupt auszuführen. Dieses Problem tritt insbesondere bei beleghaften Überweisungen auf, die bei der Bank postalisch bzw schriftlich auf einem Überweisungsträger zur Bearbeitung eingereicht werden.

Andere Banken buchen insbesondere beim Onlinebanking zwar gleich vom Konto des Verfügenden ab und diese Zahlung kommt auch zeitnah beim Empfänger an. Erfolgt die Onlineüberweisung aber abends "nach Schalterschluss" oder in den frühen Morgenstunden des Tages, so ist diese Überweisung oftmals erst am Folgetag auf dem Kontoauszug des Empfängers zu sehen.

Zudem gibt es sogenannte "bankfreie Tage". Es sind dies insbesondere gesetzliche Feiertage, Samstage und Sonntage. Und wie der Name es schon vermuten läßt - an diesen Tagen hat die Bank frei. Buchungen an einem Samstag oder Sonntag werden also erst am folgenden Montag gebucht und tauchen dann auch erst am Dienstag auf dem Kontoauszug des Empfängers auf.

2. Der Empfänger des Geldes = Verkäufer ist aufgrund des Vertrauensvorschusses durch den Käufer in aller Regel sehr bemüht, den per Vorkasse bezahlten Artikel so schnell wie möglich zu versenden. Aber auch hier kann es unvorhergesehene zeitliche Reibungsverluste geben. 

Menschlich am verständlichsten ist die Verzögerung des Versandes durch eigene Krankheit oder Krankheit eines nahen Angehörigen. Gleiches gilt für diejenigen, die einen Angehörigen pflegen, weil hier ständig unvorhergesehene Ereignisse im Rahmen der Pflege auftreten können.

Auch kann es vorkommen, dass einem einfach das Versandmaterial ausgeht, weil beispielsweise der Vorrat falsch eingeschätzt wurde oder sich eine Lieferung von Luftpolstertaschen beim Öffnen des Kartons als ab Werk unbrauchbar erweist.

Manchmal ist einfach fehlerhaftes Zeitmanagement des Verkäufers schuld am verspäteten Versand, weil vielleicht "irgendwas dazwischen gekommen" ist oder ein Artikel erst aus dem Außenlager geholt werden muss.

Zudem kann es verkäuferseitig bei Onlinebanking-Zahlungen oder bei Paypal-Zahlungen Verzögerungen geben, weil technsiches Gerät bzw Software ihren Dienst verweigert. Und nicht jeder "user" kann seine eigene Software sofort "monitoren".

3. Ist der versandfertige Artikel endlich beim Transportunternehmen angekommen, können sich auch dort zeitliche Verzögerungen ergeben.

Der Klassiker unter den "verspätet" zugestellten Sendungen ist die Warensendung oder Büchersendung der Deustchen Post AG. So sind nach den AGB der Deustchen Post AG für diese Versandart Transportzeiten von bis zu 10 Tagen einzuplanen. Briefe, Päckchen und Pakete laufen deutlich schneller, können aber auch mal drei Tage unterwegs sein.

Zudem habe ich es im letzten Quartal gleich dreimal erlebt, dass die Postfiliale wegen Betriebsversammlung geschlossen war; die mE unauffäligen Hinweiszettel hatte ich an den Vortagen gar nicht zur Kenntnis genommen.

Auch bei großen Logistikunternehmen könnnen darüber hinaus unvorhergesehene Ereignisse eintreten. Schlagzeilen machten in der jüngeren Vergangenheit Einbrüche in Zentrallager eines großen privaten Versandunternehmens, verunfallte LKW einer Spedition (die auch für DHL und die Deutsche Post fuhr) und immer wieder mal wenn auch sehr selten "faule Postboten" (mit hunderten oder gar tausenden unzugestellter Sendungen zu Hause). Normal im Winter sind dagegen Verzögerungen durch Glatteis oder auch sonst widrige Witterungsumstände, bei denen LKW und Postboten einfach nicht vorwärts kommen.

In der Ferienzeit werden zudem Stammfahrer der Paketdienste von saisonalen Aushilfskräften vertreten. Diese sind oftmals nicht richtig mit dem Zustellgebiet vertraut und verlieren daher viel Zeit mit "verfahren" oder kommen einfach mit dem Arbeitspensum nicht klar, weil die einzelnen Abläufe vom sinnvollen Bepacken eines Transporters über das Tragen vieler schwerer Pakete bis zum Umgang mit technsichem Gerät nicht beherrscht werden.

4. Manche Transportunternehmen wie Hermes stellen zudem auch in der Nachbarschaft ersatzweise zu.

Diese Ersatzzustellung wird aber gelegentlich vom Empfänger nicht bemerkt, weil eine entsprechende Benachrichtigung schlichtweg unterblieb oder übersehen wurde, weil sie erst nach der "richtigen" Post im Briefkasten landete.

Auch habe ich schon erlebt, dass eine durch das Transportunternehmen belegte Ersatzzustellung  in der Nachbarschaft vom ersatzweisen Empfänger bestritten wurde. Erst nach Tagen stellte sich heraus, dass in diesem Fall der "zukünftige Schwiegersohn" die Sendung angenommen und auf einen Schrank gelegt hatte; der Bote erkannte in diesem an der Wohnungstür fälschlich den Wohnungsbesitzer, welcher tatsächlich von nichts wußte.

5. Schließlich ergeben sich auch immer je nach der kalendarischen Lage des Versandtages Verzögerungen.

Wird der Artikel beispielsweise kurz vor dem Wochenende aufgegeben, kann er über das Wochenende naturgemäß weder befördert noch am Sonntag zugestellt werden.

Gleiches gilt für gesetzliche Feiertage. Bundeslandtypische Feiertage wie Reformationstag oder Buß- und Bettag im Bundesland des Verkäufers sorgen dadurch für Unruhe, dass sie dem Empfänger in einem anderen Bundesland uU gar nicht bekannt sind. Weihnachtsfeiertage oder Ostermontag sind dagegen allgemein bekannt, weil sie bundeseinheitlich geregelt sind.

Ein Beispiel für einen ungünstigsten Fall soll vorgenanntes verdeutlichen, wobei ich im Szenario auf wirklich schwerwiegende Unfälle verzichte:

Überweisung beleghaft am Donnerstag, dem 01. abends > Buchung am Freitag dam 02. mittags > Gutschrift beim Empfänger am Montag dem 05. morgens > dort am Dienstag dem 06. auf dem Kontoauszug > Schwiegermutter kommt überraschend zum Cafe und bleibt bis zum Abend > dadurch Versand am Mittwoch dem 07. > aber: plötzlicher Hexenschuss > dadurch Versand am Donnerstag dem 08. per Warensendung > 10 Tage Beförderung der Warensendung (s. Post AGB) > Zustellversuch am Samstag dem 18. (!) beim Käufer, der aber übers Wochenende abwesend ist > der Käufer holt die Warensendung am Montag dem 20. auf der Post ab und ärgert sich maßlos über die "unverhältnismäßig lange Lieferzeit" und die "unglaubwürdige" Beteuerung des Verkäufers, nichts dafür zu können.

Fazit: In aller Regel gelingt es dem Verkäufer, den gekauften und bezahlten Artikel innerhalb der von eBay vorgegebenen zehn Tage zu liefern. Dennoch ist es leider so, dass eine recht große Anzahl von Artikeln aufgrund unglücklicher Umstände erst nach Ablauf dieser Zeitvorgabe beim Käufer ankommt. Höfliches Anfragen des zu Recht verunsicherten Käufers beim naturgemäß nichts ahnenden Verkäufer, miteinander mailen oder telefonieren, wird derartige Sachverhalte aber fast immer aufklären können, ohne dass es am Ende zu Unmut oder gar negativen Bewertungen kommen muss.

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