Basiswissen Musikinstrumente: Was es beim Kauf einer Bratsche zu beachten gilt

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Basiswissen Musikinstrumente: Was es beim Kauf einer Bratsche zu beachten gilt

Die Bratsche oder Viola ist das zweithöchste Streichinstrument und besitzt einen ähnlichen Aufbau und eine vergleichbare Spielweise wie die Geige. Auf den ersten Blick werden die beiden Instrumente von Laien oft verwechselt. Die Bratsche ist jedoch etwas größer und eine Quint tiefer. Bratschen können Sie von verschiedenen Herstellern erwerben.

Aufbau und Funktion einer Bratsche – die Altstimme bei den Streichinstrumenten

Der Aufbau der Viola entspricht im Wesentlichen dem einer Violine. So nimmt der Resonanzkörper den größten Teil des Instruments ein. Oben am Korpus ist der Hals mit dem Griffbrett und den Stimmwirbeln befestigt. Der Wirbelkasten endet schließlich in der sogenannten Schnecke, die unterschiedlich gestaltet ist und ein Erkennungsmerkmal des Geigenbauers ist. Die vier Saiten werden im Wirbelkasten eingespannt und sind fast über die komplette Länge des Instruments gespannt. Sie sind mit den Tönen g, d, a', e' gestimmt, somit ist die Bratsche genau eine Quint tiefer als die Geige. Die Tonhöhe der einzelnen Saiten können Sie verändern, indem Sie die Saiten am Griffbrett durch Herunterdrücken verkürzen.

Beim Spielen wird die Bratsche wie die Violine an den Hals geklemmt und im Stehen oder Sitzen gespielt. Wenn Sie nun mit dem Bogen über die Saiten streichen, werden diese durch die spezielle Struktur des Bogens und das klebrige Kolophoniumharz in Schwingung versetzt. Diese Schwingung wird über den Steg in den Korpus übertragen und darin vielfach verstärkt. Durch die F-Löcher tritt sie nun als deutlich hörbarer Ton aus.

Die Bratsche ist etwas größer als die Geige und eine Quint tiefer gestimmt. Die Noten werden dabei üblicherweise im Altschlüssel notiert, der auch oft Bratschenschlüssel genannt wird. Beim Violinschlüssel wären bei vielen Stücken recht viele Hilfslinien nötig. Wenn Sie also Bratsche lernen wollen, müssen Sie sich erst einmal an den anderen Notenschlüssel gewöhnen. Mit der Zeit und etwas Übung wird Ihnen der Bratschenschlüssel aber genauso leicht fallen wie der Violinschlüssel.

Geschichte und Entwicklung der Viola – meist im Schatten der Violine

Im 16. Jahrhundert wurde der Name Viola noch als Sammelname für verschiedene Streichinstrumente verwendet. Dabei gab es zwei Unterfamilien: die Viola da Gamba und die Viola da Braccio. Erstere wurde mit Kniehaltung gespielt, heute ist das Instrument unter dem Namen „Gambe" bekannt. Das Instrument, das heute als Viola bezeichnet wird, ist das Altinstrument aus der Viola da Braccio-Familie. Von der italienischen Bezeichnung Viola da Braccio kommt auch die deutsche Bezeichnung Bratsche. Die ältesten Bratschen, die den heutigen Instrumenten nahekommen, stammen vom Geigenbauer Gasparo da Salò. Im 17. Jahrhundert wurde die Viola in verschiedenen Größen gebaut, die größeren davon übernahmen die Tenorstimme. Im Laufe der Jahre gewann die Violine immer größere Bedeutung und die Bratsche wurde oftmals nur als Begleitinstrument verwendet.

Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wies man der Viola wieder anspruchsvollere Rollen zu. In der Wiener Klassik wurde sie besonders in der Kammermusik zu einem bedeutenden Instrument und es wurden auch vermehrt Solowerke für die Bratsche geschrieben. Besonders Joseph Haydn war hier der bahnbrechende Komponist. In der Romantik und der Moderne nahm die Anzahl der Solokompositionen wieder etwas ab. Aus Orchestern und Kammermusikensembles wie dem Streichquartett war die Bratsche jedoch nicht mehr wegzudenken. Meist stand die Bratsche jedoch im Schatten der Geige, was die solistische Verwendung und die Bedeutung in Orchestern und anderen Formationen betraf.

Verwendungsmöglichkeiten der Bratsche – Kammermusik, Orchester und solistisch

Die größte Bedeutung besitzt die Bratsche in der Kammermusik. So wurden zum einen zahlreiche Sonaten für die Viola allein und für Viola und Klavier komponiert. Außerdem gehört die Bratsche mit den zwei Violinen und dem Cello zur festen Besetzung des Streichquartetts. Dieses Ensemble stellt die Hauptzusammensetzung der Kammermusik dar. Wenn Sie also Viola spielen, können Sie in vielen verschiedenen kammermusikalischen Formationen spielen. In fast jeder denkbaren Kombination von Instrumenten gibt es Kammermusikwerke und oft gehört die Viola zur Besetzung.

Auch im Orchester hat die Bratsche ihren festen Platz gefunden. Sie bildet die klangliche Brücke zwischen den beiden Violinstimmen und der Bassgruppe, die sich aus den Violoncelli und den Kontrabässen zusammensetzt. In vielen Orchesterstücken gibt es auch solistische Stellen für die Bratsche, die in der Regel vom ersten Bratschisten gespielt werden.

Darüber hinaus wurden auch etliche Solostücke und Konzerte für die Viola komponiert. So können Sie mit der Bratsche Solowerke von Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Niccolo Paganini, Richard Strauss oder Max Reger erklingen lassen. 

Die wichtigsten Qualitätsmerkmale bei der Bratsche – Material, Klang und Verarbeitung

Beim Kauf einer Viola sind dem Preis nach oben hin fast keine Grenzen gesetzt. Auch die Qualität der einzelnen Instrumente schwankt stark. Prinzipiell können Sie handwerklich gefertigte Bratschen und industriell produzierte Instrumente erwerben. Die Violen aus Handarbeit werden von einem Geigenbauer gefertigt, der seine ganze Erfahrung und sein Know-how in die Produktion des Instruments steckt. Oft werden dadurch eine besonders gute Verarbeitung und ein schöner Klang erzielt, der Name des Geigenbauers bürgt oft für die Qualität der Instrumente. Das Preisniveau dieser Violen aus Handarbeit ist natürlich recht hoch. Eine Garantie für ein gutes Instrument ist das noch lange nicht, es gibt auch viele weniger gute handgefertigte Bratschen. Bei industrieller Produktion der Instrumente können durch die Massenherstellung die Kosten teilweise drastisch reduziert werden. Nicht immer sind die günstigeren Instrumente dann auch automatisch schlechter.

Beim Kauf sollten Sie jedoch einige Qualitätsmerkmale beachten. So unterscheiden sich die Materialien, aus denen das Instrument gefertigt ist. Für den Korpus wird meistens Fichten- und Ahornholz verwendet, während das Griffbrett oft aus stabilem Ebenholz besteht. Da Holz ein Naturprodukt ist, ist es naturbedingt Qualitätsschwankungen unterworfen. Ist der Korpus oder Teile davon aus Massivholz gefertigt, sind die Verarbeitung und der Klang meistens besser.

Wissenswertes über den Klang

Ein wichtiger Gesichtspunkt bei der Auswahl eines Instruments ist natürlich der Klang. Dieser sollte möglichst variabel sein, durch verschiedenen Bogendruck sollten sich unterschiedliche Klangfarben erzeugen lassen. Dabei können die Töne sehr dunkel oder auch recht hell klingen. Gute Instrumente sind in jeder Lautstärke ausdrucksstark. Sowohl im Pianissimo als auch im Fortissimo lässt sich der Ton im Optimalfall problemlos gestalten. Weiterhin sollte der Klang ausgeglichen sein, die Klangfarbe sollte auf allen vier Saiten ähnlich sein. Besonders wenn ein Stück häufigen Saitenwechsel erfordert, kann es ansonsten problematisch werden. Durch die Wahl der richtigen Saiten oder eines anderen Steges können Sie Einfluss auf diese Eigenschaften nehmen. Jede Bratsche besitzt ihren ganz eigenen Klangcharakter. Ob Ihnen ein bestimmter Klang gefällt oder nicht, ist auch immer ein Stück weit Geschmackssache. Auch die Tragfähigkeit der Bratschen unterscheidet sich. Manche Instrumente klingen scheinbar kräftig, in größeren Räumen verlieren sich die Töne aber zu sehr. Besonders wenn Sie häufiger mit dem Instrument auftreten wollen, sollten Sie eine möglichst tragfähige Viola ins Auge fassen. 

Die Bratsche sollte am besten eine leichte Ansprache besitzen. Besonders bei leisen Tönen sollten Sie auch ohne Bogendruck einen klaren Ton erzeugen können. Im Orchester macht sich eine schlechte Ansprache schnell bemerkbar, wenn in Pianissimopassagen kein klar definierbarer Ton erzeugt wird.

Zum Thema Verarbeitung

Auch der Verarbeitung des Instruments sollten Sie Beachtung schenken. Die Viola sollte frei von allzu großen äußerlichen Makeln wie Rissen oder Kratzern sein. Die Wirbel sollten richtig justiert sein und die Saiten sollten den richtigen Abstand zum Griffbrett besitzen. Eine zu niedrige Saitenlage kann zu schepperndem Klang führen, während ein zu hoher Abstand der Saiten zu erhöhtem Kraftaufwand führt. Weiterhin sollte der Kinnhalter bequem sein, damit auch längeres Spielen nicht zu unangenehm am Kinn wird.

Der Bogen – wichtig für die Tonerzeugung und den guten Klang der Bratsche

Da die Bratsche zu den Streichinstrumenten gehört, benötigen Sie zur Tonerzeugung einen geeigneten Bratschenbogen. Dieser ist etwas länger als ein Geigenbogen, besitzt aber sonst einen ähnlichen Aufbau.

Beim Bogen sollten Sie darauf achten, dass die Stange möglichst gerade ist. Gute Modelle sind aus Fernambukholz, allerdings durch die Seltenheit des Holzes auch recht teuer. Günstiger sind dagegen Modelle aus Brasilholz. Auch das Gewicht und die Handhabung des Bogens sollten Sie berücksichtigen, damit sich ein optimales Spielgefühl ergibt. Als Bogenhaare werden Haare vom Hengstschweif verwendet, da diese besonders rau sind. Die verwendete Rasse ist von Bogen zu Bogen unterschiedlich und die Qualität der Haare und der Klangcharakter schwanken. Bevor ein Ton erzeugt werden kann, müssen Sie die Haare mit einem speziellen Harz einreiben. Dieses wird Kolophonium genannt und findet auch bei anderen Streichinstrumenten seine Verwendung.

Noten, Koffer und weiteres Zubehör für das beliebte Streichinstrument

Neben einer Vielzahl an Instrumenten erhalten Sie auch jede Menge Zubehör für die Bratsche. Mit einem Bratschenkoffer können Sie das Instrument vor äußeren Einflüssen schützen und auch leichter transportieren. Je nach Ausführung können Sie auch den Bogen und Noten im Koffer unterbringen. Da die Bratsche verschiedene Größen besitzt, sollten Sie sich vergewissern, dass der Koffer auch für Ihr Instrument geeignet ist. Natürlich benötigen Sie zum Spielen auch Noten verschiedener Komponisten mit solistischen Werken, Kammermusik und Orchesterkompositionen. Mit einem Stimmgerät können Sie Ihr Instrument schnell richtig stimmen.

Die richtige Pflege und Wartung des Instruments für eine lange Lebensdauer

Auch wenn die Bratsche ein recht langlebiges Instrument ist, sollten Sie ein paar Dinge zur Pflege und Wartung beachten. Der Bogen sollte nach jeder Benutzung entspannt werden, sonst können sowohl die Haare als auch die Stange beschädigt werden. Beim Stimmen der Saiten entsteht ein leichter Zug am Steg, der sich dann oft etwas nach vorne neigt. Bei allzu großer Neigung kann die Bratsche beschädigt werden, deshalb sollten Sie den Steg notfalls wieder vorsichtig gerade rücken. Die Bogenstange und die Oberfläche des Instruments reinigen Sie am besten regelmäßig mit einem trockenen Tuch. Für die Saiten, den Kinnhalter und das Griffbrett können Sie ein spezielles Reinigungsmittel verwenden. Dieses darf aber nicht auf den Lack kommen, da sich dieser sonst auflösen kann.

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