Barkas – nostalgische Kleintransporter aus Sachsen

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Barkas - die Geschichte eines sächsischen Kleintransporters vom Anfang bis zum Ende

Das Unternehmen Barkas wurde am 28. April 1923 als „Metall-Werke Frankenberg GmbH Frankenberg-Sa." vom Dänen J.S. Rasmussen gegründet. Ziel der Firma war es, als Zulieferer für das Motorenwerk Zschopau zu fungieren, wodurch die Produktpalette zunächst vor allem aus Motorrad-Zubehör bestand. Ab 1926 stellte das Werk auch den TV 300, ein dreirädriges Fahrzeug für Kleingewerbe her, dessen große Nachfrage das Unternehmen die Weltwirtschaftskrise unbeschadet überstehen ließ.

Durch die Aufrüstungsmaßnahmen des Dritten Reiches wurde das Unternehmen Anfang der 1930er Jahre gezwungen, den bisherigen Standort aufzugeben. Es legte seinen Standort schrittweise nach Hainichen um und ändert seinen Namen ab 1934 in „FRAMO-Werke GmbH Hainichen" um. Außerdem begann das Unternehmen mit der Produktion eines Vierrad-Lieferwagens und eines Kleinpersonenwagens. In den Jahren danach folgten die Produktion von Liefer- und Geländewagen. Auch während des 2. Weltkrieges liefen die Geschäfte des Unternehmens gut, aber am Ende des Krieges wurde das Werk von der Sowjetischen Militär-Administration vollständig demontiert und die Einrichtungen in die Sowjetunion transportiert. Der Geschäftsführer wurde verhaftet und starb im sowjetischen Internierungslager.

Im Jahr 1946 begann der Wiederaufbau des Werkes, das sich aber zunächst auf die Produktion dringend benötigter Alltagsgegenstände konzentrierte, bis die Produktion von Fahrzeugen im Jahr 1949 erneut aufgenommen wurde. Über die nächsten Jahre hinweg, spezialisierte das Unternehmen sich vor allem auf die Produktion von Kastenwagen und kleinen LKWs, bis es im Jahr 1956 in „VEB Barkas-Werke Hainichen" umbenannt wurde. Diese wurden dann im Jahr 1957 mit dem Motorenwerk Karl-Marx-Stadt und dem Fahrzeugwerk Karl-Marx-Stadt zusammengelegt und der Standort nach Karl-Marx-Stadt verlegt. Das so entstandene neue Unternehmen wurde in VEB Barkas-Werke umbenannt. Als Barkas Fahrzeuge gelten heute alle jene Fahrzeuge, die das Unternehmen nach 1957 produzierte.

Nach der Wende wurde die Firma in „Barkas GmbH" umbenannt und von der Treuhandanstalt an Volkswagen verkauft. Da Volkswagen aber zu dieser Zeit ein ähnliches Fahrzeug herstellte, wurde die Produktion von Barkas im April 1991 eingestellt. Die Produktion sollte danach nach Russland verlagert werden, aber das Projekt scheiterte, nachdem mehrere Investoren absprangen und die Kosten für den Transport nach Russland nicht mehr aufgebracht werden konnten. Die bereits verpackten Produktionsteile wurden schließlich von der Treuhandanstalt verschrottet. So kam die lange Tradition des Unternehmens zu einem abrupten Ende. Das Barkas Werk wurde zum Motorenwerk Chemnitz, das jetzt zu Volkswagen gehört.

Der Barkas B 1000 - das erste in Serie produzierte Barkas-Modell

Der Barkas B 1000 wurde ab dem Jahr 1961 in Serie gefertigt und beruhte auf dem Framo V 901/2. Bei diesem Modell handelte es sich um einen sogenannten „Schnelltransporter", der von einem Wartburg Dreizylinder-Zweitaktmotor angetrieben wurde und über eine Leistung von 43 PS verfügte. Diese wurde später auf 46 PS erhöht. Bei dem Modell handelte es sich um einen sogenannten Fronttriebler, das heißt, der Motor war zwischen den beiden Vordersitzen eingebaut und konnte über einen kleinen Servicedeckel im Inneren des Fahrzeuges erreicht werden. Der Barkas B 1000 erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h.

Der Barkas wäre damals, abgesehen von dem lauten und abgaserzeugenden Motor, im Westen nicht einmal aufgefallen und konnte mit seinen westlichen Konkurrenten absolut mithalten. Durch seine fehlende Kardanwelle ist der Barkas B 1000 sehr niedrig, was auch bei Renault und Citroen Modellen der damaligen Zeit der Fall war. Auch seine Höchstgeschwindigkeit und Ausstattung waren mit der seiner Konkurrenten vergleichbar. Erst Anfang der 80er Jahre entstand die Kluft zu den westlichen Automobilen. Der Barkas war bis dahin veraltet und technische Neuerungen waren nur sehr selten und hatten keinen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit des Fahrzeugs. So wurde z.B. im Jahr 1984 eine LED Kraftstoffanzeige eingeführt. Wichtige technische Neuerungen wurden von der damaligen Regierung jedoch nicht gebilligt. Bis zum Einstellen der Produktion wurden über 175.000 Stück des Barkas 1000 gebaut.

Die Vielseitigkeit des Barkas B 1000 - ein Modell, viele Varianten

Da der Barkas der einzige Kleintransporter in der DDR war, warteten auf ihn viele Aufgabenbereiche. Ob ein Kasten- oder Pritschenwagen oder etwas Ausgefalleneres wie ein Krankentransporter oder einen Bestattungswagen benötigt wurde, der Barkas war in jeder erdenklichen Ausführung erhältlich. Das Fahrzeug wurde von beinahe in allen staatlichen Behörden verwendet. Im Vergleich zu den anderen bekannten DDR-Autos, Trabant und Wartburg, die für Privatpersonen gebaut wurden, blieben die Barkas B 1000 Fahrzeuge meistens in Staatsbesitz und wurden als Polizei-, Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge verwendet. Seine zahlreichen Aufbauvarianten ermöglichten die Vielfältigkeit dieses Kleintransporters. Da das Fahrzeug auch relativ einfach konstruiert war, konnte es auch schnell und problemlos umgebaut und so einem anderen Verwendungszweck zugeführt werden.

Der Pritschenwagen verleiht ein Fahrgefühl wie ein Nutzlastwagen, vor allem wenn man das Modell mit Plane und Spriegel fährt. Der Kleinbus hingegen erinnert an den alten VW-Bus und bietet sehr viel Platz.

Die Stärken und Schwächen des sächsischen Kleintransporters B 1000

Wenn man sich auf die Suche nach Oldtimern macht, findet man oft nur schlecht erhaltene, rostige Exemplare, die man erst restaurieren muss, bevor man sich mit ihnen auf die Straße wagen kann. Dies ist beim Barkas B1000 in der Regel nicht der Fall. Wenn Sie sich für den Barkas interessieren, werden sie beispielsweise bei eBay sehr gut erhaltene Transporter finden. Dies ist auf die einfache und robuste Bauweise zurückzuführen.

Falls Sie den Barkas nicht nur bei Oldtimer Veranstaltungen vorführen möchten, sondern ihn als Transporter verwenden wollen, zeichnet er sich vor allem dadurch aus, dass er mit einer Tonne zugeladen werden kann und eine niedrige Ladekante besitzt. In dieser Hinsicht konnte er mit seinen westlichen Konkurrenten sehr wohl mithalten und er erinnert im Aussehen auch ein wenig an die französischen Modelle. Sie können das Fahrzeug über die niedrige Ladekante durch einen seitliche Schiebetür oder eine große Heckklappe einfach und bequem be- und entladen. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass die früheren Baujahre über eine seitliche Klapptür verfügen. Auch wenn Sie den Transporter mit viel Gepäck beladen, findet sich noch immer genug Platz für die Familie. Wenn Sie nach dem optimalen Nutzfahrzeug suchen, dann sind bei eBay an der richtigen Stelle. Der halbverglaste Mehrzweckwagen KM und der Kleinbus KB stellen dabei die beliebtesten Modelle dar.

Beeindruckend ist auch die Anzahl an gut erhaltenen Exemplaren. Die Marktlage ist hier so gut, dass Sie Ihren Traum-Barkas, egal ob Sie einen Polizeiwagen oder ein Feuerwehrauto haben möchten, mit Sicherheit finden werden. Hauptgrund dafür, dass noch so viele intakte Autos zu finden sind, ist seine robuste Bauweise. Es kann vielleicht eine Zeit dauern, da nicht immer genau das Modell, nach dem Sie gerade Ausschau halten, zum Verkauf angeboten wird, aber mit ein wenig Geduld oder einigen kleineren Umbauten, können Sie den Barkas B 1000 finden, der Ihre Ansprüche zufrieden stellt.

Auch die Versorgung mit Auto-Ersatzteilen für den Barkas ist außergewöhnlich gut. Sie können sogar beinahe neuwertige Karosseriebleche finden. Viele Teile stammen noch aus der Originalproduktion. Die Autoteile, die Sie benötigen, können Sie mitunter besonders preiswert bei eBay finden. Auch die Motorenteile sind einfach zu beschaffen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass der Motor im Prinzip mit dem eines Wartburg 353 baugleich ist und Sie daher auch Teile eines Wartburg verwenden können. Diese sehr gute Versorgung mit Ersatzteilen ist bei Oldtimern äußerst selten und wenn Sie handwerklich ein wenig geschickt sind, können Sie sie auch selbst einbauen. Sollte dies nicht der Fall sein, gibt es eine große Anzahl an Clubs und Spezialisten, die Ihnen helfen können. Den Hauptnachteil stellt der Zweitaktmotor des Barkas dar. Er ist zwar verlässlich, aber seine Leistung lässt trotz seiner 43 bzw. 46 PS sehr zu wünschen übrig. Durch die einfache Bauweise des Fahrzeugs ist das Motorengeräusch auch sehr laut. Die letzten Barkas, die vom Band liefen, verfügten über einen VW-lizensierten Viertaktmotor. Diese Modelle sind heute besonders beliebt, aber auch sehr selten.

Auch die Ausstattung lässt ein wenig zu wünschen übrig. Dies kommt aber auf das Baujahr des Fahrzeugs an. Die ersten Barkas waren vergleichbar mit Konkurrenten wie VW, Renault und Citroen. Da jedoch bis in die 80er Jahre nur minimale Änderungen vorgenommen wurden, überholten seine Konkurrenten den B 1000 im Laufe der Zeit und ein Barkas aus dem Jahr 1975 entspricht nicht den gängigen Vorstellungen in Bezug auf Komfort.

Der Barkas B 1100 und das Ende des Transporters

Zwischen 1969 und 1972 wurden zwar noch einige Nachfolgemodelle des B 1000 entwickelt, aber die Entwicklung erreichte nur den Prototypen Status. Das Resultat war der B 1100, der aufgrund von Einwänden der DDR Regierung jedoch nie in Serienproduktion ging. Sie können einen dieser Prototypen heute im Fahrzeugmuseum in Frankenberg bewundern.

Da keine Nachfolgemodelle entwickelt wurden, war der B 1000 Anfang der 80er Jahre mit westeuropäischen Transportern nicht mehr konkurrenzfähig. Nach der Wiedervereinigung gab es mit Hilfe von VW einen letzten Versuch den nostalgischen Transporter wiederzubeleben, was im Herbst 1989 zur Vorstellung der ersten Barkas B 1000-1 führte. Dieser war mit einem 58 PS starken Viertaktmotor, der unter VW-Lizenz für den Barkas sowie den Wartburg 1.3 produziert wurde, ausgerüstet. Diese Modelle sind heute aufgrund des besseren Motors sehr beliebt, jedoch auch sehr selten. Insgesamt wurden bis 1991 nur noch 1900 Stück dieses Kleintransporters produziert. Zu dieser Zeit war der Barkas jedoch so veraltet, dass er der Konkurrenz nichts mehr entgegenzusetzen hatte und die Währungsunion bedeutete das Ende des Barkas.

Wie der Wartburg und der Trabant auch, lebt der Barkas als Nostalgiefahrzeug weiter und viele Clubs setzen sich stark für die Instandsetzung von heruntergekommenen Transportern ein. Im Vergleich zu seinen westdeutschen Kollegen ist er jedoch praktikabler und wird daher auch heute noch seinem ursprünglichen Zweck nach als Kleintransporter verwendet. Auch lebt der Barkas heute als Spielzeug und Modellauto weiter. Diese Modellautos sind teilweise Sammlerstücke und können ein wenig Ost-Nostalgie in Ihr Wohnzimmer bringen. Egal ob Modellauto oder echter Barkas – beide können Sie problemlos bei eBay erwerben.

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