BUDDHA STATUEN - RATGEBER & TIPS ZUM KAUF

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Buddha-Statuen erfreuen zu zunehmender Nachfrage, dadurch wird das Angebot für Laien unüberschaubar. Dieser Ratgeber soll als erste Orientierung VOR dem Kauf dienen. Da Gussverfahren gerne mystefiziert werden können leicht falsche Schlüsse aus den Artikelbeschreibungen gezogen werden, so dass ein Fehlkauf vorprogrammiert ist!

Der Ratgeber bezieht sich nicht nur auf Buddha- und Mönchs-Statuen, sondern auf alle Guss-Waren im allgemeinen und schließt damit auch moderne Skulpturen, Gefässe, Ritualgegenstände und sonstige Statuen aus Asien ein. Wir haben jedoch als exemplarisches Beispiel Buddha-Statuen gewählt.

Da das Thema Gussverfahren sehr Umfangreich ist, beschränken wir uns auf die Kaufrelevanten Kriterien,vertiefendes Fachwissen vermitteln Fachbücher.

Bronze - Messing - Rotguss

Zunächst ein Blick auf die am häufigsten verwendeten Angebotsbezeichnungen und den tatsächlich zur Anwendung kommenden Legierungen.

Bronze (CuSn) besteht aus Kupfer und Zinn, Messing (CuZn) aus Kupfer und Zink und Neusilber (CuNi) - das fälschlicherweise auch Weißkupfer genannt wird - besteht aus Kupfer und Nickel, als Grundmetall findet immer Kupfer Anwendung. Die híer aufgeführten Legierungen erfüllen Standards und sind in Europa i.d.R. nach DIN genormt, weshalb man alle asiatischen Eigenlegierungen auf Kupferbasis unter dem Sammelbegriff Rotguss vereinigen müsste. Demnach dürften Statuen aus Thailand, China und Nepal auch nicht als Bronze-Statuen, sondern als Rotguss-Statuen bezeichnet werden, doch damit kann der Durchschnittskäufer nichts anfangen. Es gibt jedoch Angebote, die den Rotguss als etwas Besonderes und seltenes hervorheben!

Auch die Bezeichnung Kupferguss ist i.d.R. irreführend, da reines Kupfer ein schlechtes Flussverhalten besitzt, also zu zäh ist, weshalb verschiedene Legierungen Anwendung finden, um es Guss-flussfähig zu machen. Bei allen Legierungen liegt die Schmelztemperatur be. ca. 1.200 Grad Celsius und erst bei ca. 1.400 Grad Celsius ist das Material optimal Flussfähig.

Wir wollen uns jetzt den drei häufigsten Gussverfahren zuwenden, die in Angeboten teilweise so mystifiziert werden, dass der Käufer den Eindruck gewinnen muß, dass er eine seltene Antiquität oder gar ein Unikat erwirbt!

Die verlorene Form!

Am häufigsten ließt man in Artikelbeschreibungen den Satz "...verlorene Form" der je nach Satzstellung und Formulierung den Käufer zu dem Fehlschluss kommen lässt, dass es sich dabei um etwas außergewöhnliches und um ein Unikat handelt. Mystifizierende Formulierungen, sollen genau das suggerieren! Wir möchten im folgenden dies entmystifizieren, da die verlorene Form in den meisten Fällen eine Serienproduktion zur Folge hat.

Die drei häufigsten Gussverfahren sind: Sandguss, Wachsausschmelzverfahren und Kokillenguss (Stahl/Eisenform - dazu zählen im weitesten Sinne auch Prägungen, da auch diese mit einer starren Form erzeugt werden, auch wenn sie im engeren Sinne nichts mit Gießen zu tun haben.).

Zunächst zum Thema Sand, der heute ausschließlich synthetisch und wiederver-wendbar ist. Seine Körnung ist maßgeblich für die Oberflächenstruktur (Gusshaut) der fertigen Statue. In den Anfängen der Gießerei wurde dazu Natursand und für eine sehr feine Oberflächenstruktur, speziell aufbereitete Löserde verwendet.

Beim Sandguss wird ein Modell aus beliebigem Material in Sand abgeformt. Soll das Gussteil hohl sein, so benötigt man dazu einen Sandkern, der die Füllung darstellt. Für dreidimensionale Modelle, z.B. eine Statue, wird ein Abdruck der Vorder- und Rückseite benötigt.

Erwähnenswert ist die daraus entstehende Qualität und ihre Merkmale. Ein Sandguss hat auf Grund der Formteilung auf dem Gussteil immer eine oder mehrere Nahtstellen, die verschliffen und/oder verputzt werden muss. Dies ist ein prägnantes Zeichen für den Sandguss.

Fehlerhafte Gussstücke werden i.d.R. geschweißt oder gelötet, was an den daraus resultierenden Metallverfärbungen ersichtlich wird. Die meisten Statuen werden patiniert um die fehlerhaften Gussstellen zu überdecken und um ihnen ein Antik-Finish zu geben. Die Patina spielt eine wesentliche Rolle beim auf Antik trimmen und ist eine wirklich hohe Kunst. Hierzu werden Säuren und diverse geheime selbst gemischte Rezepturen verwendet, die meist hoch giftig sind. In Asien reicht es jedoch oft schon aus, dass betreffende Gussstück eine gewisse Zeit der Witterung auszusetzen, um daraus ein teures "antikes" Kunstwerk werden zu lassen. Sicherlich eine natürliche Patina, aber durch eine beschleunigte "Alterung" erzeugt.

Vergoldungen können zwar religösen Prinzipien und den ästhetischen Ansprüchen dse Betrachters genügen, verteuern dieses aber auch erheblich und überdecken den wahren Zustand des Gussstückes.

Einen guten Sandguss erkennt man an seiner GUSSHAUT (die unbehandelte und unbearbeitete Oberfläche), die bei 90 % aller Statuen nicht mehr vorhanden ist. Statuen aus Nepal z.B. sind zu 100% Ziseliert (obwohl sie meist im Wachsausschmelzverfahren hergestellt wurden,) das bedeutet, der komplette Rohguss wurde nachträglich mit Werkzeugen (Feilen, Sticheln, Meissel u.ä.) überarbeitet. Der Arbeitsaufwand für diese "Verschönerung" beträgt je nach Größe der Statue zwischen mehreren Wochen und Monaten, in Ausnahmefällen bei großen Tempel-Statuen auch bis zu mehreren Jahren! In Nepal und Tibet repräsentiert die "Verschönerung" eine Jahrhunderte altes Kunsthandwerk.

Das Wachsausschmelzverfahren, was auch oft mystisch und etwas spezielles vortäuschend als VERLORENE FORM angepriesen wird (auch der Sandguss ist eine verlorene Form), ist eine der perfektesten Giessmethoden. Heute, im Zeitalter sythetischer Arbeitsstoffe, eine Serienproduktionsmethode! Ursprünglich wurde der gewünschte Gegenstand aus Wachs modelliert, das Modell wird von einem Formstoff oder einer Einbettmasse ummantelt und das eingebettete Wachs ausgeschmolzen (daher der Name!), die Einbettmasse wird evtl. gehärtet oder gebrannt und an Stelle des Wachses wird aufgeschmolzenes Metall gegossen. Nach dem erkalten wird die Form zerschlagen und fertig ist der Rohguss. Bei diesem Verfahren müssen lediglich Einguss- und Entlüftungskanäle verschliffen werden.

Früher war nach dem ausschmelzen des Wachsmodells und dem zerschlagen der Form kein Modell mehr vorhanden und somit war das Gussstück ein Unikat. Heutzutage kann man Wachs- und Kunststoffmodelle in synthetischen Stoffen abformen und beliebig oft reproduzieren!

Die Buddha-Statue, die nur einmal gegossen wurde, finden Sie im Tempel, Museum oder bei renommierten Auktionshäusern, aber nicht bei ebay!!! Eines dieser Auktionshäuser mit Sitz in Köln, dass für seine Asiatika Auktionen bekannt ist, versteigert mehr oder weniger regelmäßig antike Buddha-Statuen, nur wenige Startpreise befinden sich noch im mittleren 4-stelligen Euro-Bereich, die meisten sind 5-stellig!!!

Der Kokillenguss oder Guss in einer Stahlform, kommt dem Sandgussprinzip nahe. Anstelle des Sandes rückt die Stahlform.

Auch Prägungen (Amulette) können diesem Bereich zugeordnet werden, jedoch wird hier das Material - Rohlinge in Münzform - lediglich erwärmt, da sie in einer 2-teiligen Form geprägt oder gestanzt werden.

Die herstellung der Form ist der aufwendigste Teil, der große künstlerische und handwerkliche Können verlangt, da diese einer großen Abnutzung unterliegt, so dass sie nur für die Herstellung einer begrenzten Anzahl geeignet ist.

Für den Kokillenguss, sowie für das Prägen und Stanzen von Münzen und Amuletten usw. bedarf es eines Maschinenparks, der in einem Tempel nicht unter zubringen ist, allein der entstehende Geräuschpegel bei der Nachbearbeitung macht dies unmöglich!!!

Prägungen wie z.B. Amulette und Münzen werden seit Ende der 1970er Jahre (bis auf nicht erwähnenswerte Ausnahmen) maschinell hergestellt. Äbte in kleinen Dorf-Tempeln die noch kleine Serien von Hand herstellen gibt es so gut wie nicht mehr! Prägeanstalten, die zum Teil unter staatlicher Aufsischt stehen, übernehmen heute, preiswert, schnell und professionell die Herstellung s.g. "Phra Rian" (Metall-Amulette in runder oder ovaler Form). Die ästethischen Ansprüche, die sowohl Mönche als auch Besucher eines Tempels heute an ein Amulett stellen, schließt die Eigenproduktion aus. U.a. auch deswegen sind Fälschungen in immenser Menge von exzellenter Qualität im Umlauf.

Meist können nur noch Fachleute, die sich auf ein bestimmtes Gebiet wie z.B. Mönchsamulette, spezialisiert haben, Original und Kopie anhand von marginalen Kleinigkeiten auseinander halten!!!

Die meisten Gussartikel (Statuen und Figuren) werden in China, Taiwan, Thailand, Nepal und Indien hergestellt. Diejenigen aus China, Taiwan und Thailand werden meist im Wachsausschmelzverfahren (oft) in sensationeller Qualität hergestellt. Gleiche Qualität aus europäischer Produktion wäre unbezahlbar!!!

Solche Krönungen handwerklichen Schaffens als "Antik" anzupreisen, ist völlig unnötig, da die Schönheit im Auge des Betrachters liegt und Schönheit keine Frage des Alters ist. Buddhisten sehen eine Buddha-Statue zudem mit ganz anderen Augen, so dass es für diese keine Rolle spielt, ob die Statue gerade aus der Fabrik kommt oder Antik ist!

99% der angebotenen Gusswaren sind NEU, wobei unter "NEU", Statuen bis zu einem Alter von 30 Jahren zu betrachten sind. Das Schnäppchen ist und bleibt ein Schnäppchen!

Statuen Epochen, wie z.B. der thailändischen Sukhothai oder Ayutthaya zuzuordnen sind zu 99% unseriös, da diese Originale zu immensen Preisen gehandelt werden. Wird ein Angebot "im Stil Sukhothai" formuliert, ist das hingegen korrekt und bedeutet nicht, dass solche Stücke in jener Zeit gefertigt wurden.

Manchen Artikelbeschreibungen kann man jedoch entnehmen, dass der Verfasser zu tief in einen Auktionskatalog von Christie´s o.ä. Auktionshäusern geguckt hat. Viel Geschreibsel, dass mit der faktischen Beschreibung der Statue wenig zu tun hat, ist nur dazu geeignet den Leser (Käufer) zu verwirren und einen Rückzugsweg für den Verkäufer offen zu halten, falls es zur Reklamation kommt.Diese Texte sind häufig so schwammig abgefasst, dass man dem Verkäufer, der häufig gewerblich handelt, juristisch nicht fassen kann, da der Text von jedem Leser anders interpretiert wird. Deshalb fragen Sie, VOR der Abgabe Ihres Gebots, ganz konkret nach herkunft und Alter der Statue.

"Antike" Artikel aus China werden oft der Ming oder gar der Han Dynastie zugeordnet, was absolut unseriös ist! Original Objekte aus diesen Dynastien sind unbezahlbar! Natürlich darf man nicht über die Tatsache hinweg sehen, dass es zu jeder Zeit und in jeder Kultur auch "Gebrauchswaren" oder 2. bzw. 3.Wahl und Ausschussware gab, die an arme Leute der damaligen Zeit verkauft wurde. Diese ist zwar nicht schön aber echt Antik und somit noch erschwinglich.

Indien produziert sehr viel im Sandgussverfahren, leider meist in mangelhafter Qualität, obwohl sie das besser könnten. Ausnahmen bestätigen die Regel!

Ware aus Nepal wird auch im Wachsausschmelzverfahren produziert, nur ist der Rohguss meist katatrophal, was aber durch das ziselieren korrigiert wird.

Antike Waren aus Nepal oder Tibet (der nepalesische Volksstamm der Newari produziert schon seit Jahrhunderten für Tibet) sind in Museen zu betrachten und äußerst kostspielig. So habe ich kürzlich bei einem Asiatika-Händler eine Wunderschöne original tibetanische Buddha-Statue gesehen, ca. 100 cm hoch und 70 cm breit, Verkaufspreis 11.000 Euro!!! Eine 25 cm hohe Statue kostet immerhin noch stolze 1.800 Euro und eine ca. 50 Jahre alte und 50 cm hohe thailändische Buddha-Statue ca. 980,00 Euro! Führen Sie sich diese Preise vor Augen, wenn Sie eine Artikelbeschreibung lesen und man Ihnen für 99,00 Euro ein Original Unikat andrehen möchte!

Noch ein Wort zum Thema "Tempelarbeit", dass gerne in Angeboten verwendet wird. Tempelarbeit bedeutet nicht, dass der Gegenstand IN einem Tempel, sondern dass er FÜR einen Tempel hergestellt wurde!!! Das ist ein großer und wesentlicher Unterschied, denn schließlich würde auch niemand ernsthaft behaupten, der Kardinal von Köln habe die Glocken für den Kölner Dom selbst gegossen!

Die Zeiten der "Goldgräber" sind schon lange vorbei, spätestens seit dem Vietnam Krieg, während dem tausende von US-Soldaten nach Thailand auf Front-Urlaub geschickt wurden und dort stationiert waren, ist Thailand an Original Antiquitäten zum Billigpreis ausverkauft!!! Nicht Umsonst hat die thailändische Regierung ein strenges Ausfuhrverbot für Antiquitäten und schwere Haftstrafen für Vesrstöße, verhängt!

Heutzutage weiß selbst ein durchschnittlicher chinesischer Bauer, thailändischer Händler oder kambodschanischer Straßenverkäufer über den Wert ECHTER Antiquitäten recht gut Bescheid. Chinesen, Japaner und zunehmend auch reiche Thais kaufen mittlerweile Antiquitäten ihrer Heimat zu Höchstpreisen in Europa und den USA auf, da sie dort immer noch preiswerter als im Heimatland sind, sofern es diese dort überhaupt noch gibt.

Wenn Sie den Wunsch und die nötigen finanziellen Mittel haben, ein Unikat, eine Limited Edition oder eine Jahrhunderte alte Antiquität zu erwerben, dann wenden Sie sich am besten an ein renommiertes Auktionshaus oder entsprechende Händler, die Ihnen eine Expertise zu erworbenen Stück geben, die etwas Wert ist!!!

Danksagung:

Besonderen Dank gebührt meinem Co-Autor, rinchen-me, der den Gussfachlichen Teil quasi in fluss brachte.

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