BMW K1200LT

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Erfahrungen mit der K1200LT Bj. 99

Bei der K1200LT handelt es sich ohne Zweifel um den deutschen Luxustourer überhaupt. Die Preislage ist schon fast unverschämt dafür ist die Ausstattung nahezu vollkommen. Da hat man schon so seine Erwartungen.

In Sachen Bequemlichkeit werden diese voll erfüllt. Die Sitzbank sucht ihresgleichen, dies gilt sowohl für den Fahrer als auch für den Sozius. Die Radioanlage lässt kaum Wünsche offen, ggf. kann man noch Kassette oder CD hören. Auf langen Strecken und Autobahnen möchte man den Verkehrsfunk nicht mehr missen. Ebenso findet man irgendwann den Tempomat wirklich hilfreich. Das gilt sowohl dann , wenn man die rechte Hand gerade mal zum Brille freimachen benötigt, als auch für lange Geraden auf Autobahnen und Landstraße. Hier wird das Fahren derartig stressfrei, dass man während der Fahrt Überlegungen anstellt sein Auto evtl. doch ersatzlos zu verkaufen.

Fahrwerk: Der eine oder Andere bemängelt beim Fahrwerk den mangelnden Fahrbahnkontakt. Dieser Effekt rührt zum einen  vom Telelever Fahrwerk als auch zum anderen vom gummigelagerten Schubkarrenlenker her. Der Gummilagereffekt wurde schon immer bei der K1100LT bemängelt. Ich muss dazu sagen: Reine Gewöhnungssache. Nach kurzer Zeit spürt man die Fahrbahn auch mit dieser Fahrwerkskombination exakt, man ertastet sauber die Straße und die Fahrbahn. Niemand trauert heute noch dem direkten Fahrbahnfeeling eines VW Käfers hinterher, wenn er in einem modernen A6 sitzt. Die Fahrwerke werden immer besser und auch komfortabler, ich merke immer extrem den Unterschied wenn ich mit einer meiner Yamaha XS 650 fahre. Was hier noch Kult ist ( Vibrations und Urmoppedfeeling) nervt spätestens nach 100 Km wenn man eigentlich doch auf der K sitzen könnte. Dämpfung vorne ist optimal, hinten in 40 Stufen verstellbar. Wenn es hinten nicht optimal ist, so ist man selber schuld.

Schräglagenfreiheit: Man möchte meinen das man so was bei einem solchen Schiff nicht braucht. Falsch, nach einer gewissen Gewöhnungsphase kann man auch mit 385 Kg recht sportlich fahren. Tut man dies alleine reicht in der Regel die Schräglagenfreiheit aus. Ist ein Soziusfahrer an Bord, wird es fürchterlich. Der Hauptständer setzt derart frühzeitig auf, dass einem der Spaß am Kurvenfahren vergeht. Selbst leichte Kurven werden zur Schleiforgie. BMW hat ganz klar Mist gebaut. Schaut man sich den Hauptständer näher an, so stellt man fest, dass hier bis zu ca. 4cm Platz verschenkt wurden. Das muss doch nicht sein!

Bremsen: Hier hat BMW kein Tor gelandet. Der Druckpunkt ist schlecht und wandert. Der Kraftaufwand für eine Vollbremsung ist enorm. ( Dann gehts aber ). Die Bremsen sind bei normaler Dosierung irgendwie zu schwach, bei voller Beladung und einer abschüssigen Passstrecke kann man schon mal ins Schwitzen kommen. Nach einer Einfahrzeit von ca. 6000 KM packten die Bremsen etwas besser, bei Neufahrzeugen kann man von einer Katastrophe sprechen. Hinzu kommt: Bereits bei KM 7100 quietschte die Hinterradbremse auf unmögliche Weise. Bei der 10.000er Durchsicht wurde die inzwischen fürchterlich quietschende Bremse bemängelt. Die Beläge wurden ausgetauscht, jetzt ist Ruhe. Der Kulanzantrag wurde abgelehnt !!!!!!!! Eine Frechheit bei einem Motorrad dieser Preisklasse erwarte ich einfach geräuschloses Bremsen wie bei jedem anderen Fahrzeug auch.. Das ABS ist serienmäßig on Board, hierauf möchte ich auch nie mehr verzichten. Gerade beim Motorrad bringt es wesentliche Vorteile. Das K1200 LT ABS arbeitet zuverlässig und fein regulierend. Hier hat BMW genug Erfahrung.

Motor: Ein Wunder. Bei diesem Gewicht und Katalysatortechnik kann man bei normaler Fahrweise auf eine Benzinverbrauch von ca. 4,8 Litern kommen. Ich finde das sensationell. Der Antritt des Aggregates ist toll und souverän in der Elaszität. Überholen ist eine lässige Übung, ähnlich wie mit einem Oberklasse-Wagen mir reichlich PS. Der Sound ist eher unauffällig, wenngleich etwas besser als bei den alten K-Reihen. Der Waschmaschinensound ist etwas gemindert.

Getriebe: Ganz klar BMW. Viel zu lange Schaltwege, ständiges Gänge knallen. Das bekommen die nie in den Griff. Für ein Motorrad in dieser Preislage und mit diesem Anspruch ist das einfach nur peinlich. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Ganganzeige häufig einen eingelegten 1. oder 2. Gang anzeigt, obwohl selbiger nicht eingelegt ist. Der erste Gang lässt sich im Stand häufig nur mit Zwischengas einlegen und anschließend knallt es ganz fürchterlich. Antwort der Werkstatt: Fehler bei Probefahrt nicht aufgetreten. Komischerweise kennt diesen Fehler jeder K1200LT Fahrer.

Antrieb: Kardan ist durch nichts zu ersetzen. Die Lastwecheselreakionen gehen gegen Null. Der Antrieb heult nicht mehr so und ist wartungsarm. Sollte man meinen. Ich hatte nach 9000KM Gesamtfahrleistung den Kardanantrieb undicht. BMW knüpfte mir zunächst die Reparaturkosten ab. Inzwischen ist der Antrieb nach weiteren 1000 Kilometern wieder ( oder immer noch ?) undicht. Ein neuer Werkstattermin steht also ins Haus. Die Kulanzabwicklung ist inzwischen auch eingetroffen die Kosten für die erfolglose Kardanabdichtung wurden übernommen.

Verkleidung: Besser geht's nimmer mehr. Verarbeitung sehr gut. Die Sicherheitsspiegel neigen zum klappern, wenn diese mehrfach abgenommen wurden. Hier müssen die Haltespangen einfach nur nachgebogen werden. Bislang habe ich eine Verkleidungsschraube verloren. Der Wetterschutz ist super, ich hätte nur gerne die höhere Scheibe. Die Koffer sind mit dem Schließmechanismus ohne Beispiel. Jeder Koffer fasst einen Helm. Das Topcase fasst 2 Helme. Integriert in das Topcase sind Schminkspiegel und Beleuchtung. Letztere erweist sich beim Campen abends immer als recht hilfreich. Der Knieschluss des Tankes kann nicht als solcher bezeichnet werden. Es gibt einfach keinen Knieschluss , fertig. Tankrucksack kann man vergessen, da keine Befestigungsmöglichkeiten und keine Radiobedienung mehr möglich. Es gibt von BMW eine Kartentasche in die aber keine Karte passt ( sehr witzig). Stauraum gibt's aber eh genug. Nachteilig ist die Verstauung des Bordwerkzeuges im linken Koffer. 1. Der Halter hierfür fällt nach kurzer Zeit ab ( ist geklebt ) 2. Eine Unterbringung unter der Sitzbank wäre schöner gewesen. Das elektrische Windshild ist ohne Tadel. Der beste Effekt sind die pfiffigen Plexiglasfinnen unter den Spiegeln. Ausgeklappt halten sie den Wind fern und vermitteln das Gefühle einer optimalen Vollverkleidung. Eingeklappt wird der Luftstrom exakt auf die Arme und Beine gelenkt. Der Effekt geht Richtung unverkleidetes Motorrad. Selten ein so einfaches und doch so effektives System gesehen, den Designern und Windkanaltechnikern hier ein großes Lob. Weiteres Highlight: Es steigt keine Motorwärme hoch, sodass eine Fahrt bei großer Hitze erträglich wird. Hier kann kaum ein anderes Motorrad mithalten. Noch ein Highlight: Die Sturzbügel. Ich habe es ( wen  auch nicht freiwillig ) ausprobiert. Legt man das Moped versehentlich sachte hin, bleibt es auf dem Motorrammschutz und dem Kofferrammschutz liegen. Ist kein Stein oder ähnliches im Wege hat man gute Chancen ohne große Blessuren am Moped wegzukommen. Die schwarzen Rammschoner sind dann natürlich verkratz können aber für einen Gesamtpreis von ca. 36,- DM in 5 Minuten ausgetauscht werden. Ich war begeistert. ( Hat BMW hinzugelernt?) Leute mit Chrompaket werden sich natürlich weniger freuen. Hier sind mir die Preise aber nicht bekannt. Reinigung: Klasse Sache, Schwamm drüber abledern und fertig.

Räder/Reifen: Die Räder sind O.K und einigermaßen gut Sauberzuhalten. Leider ergaben sich bei mir Probleme mit der Felgenlackierung der Hinterradfelge. Die Reifen ( bei mir sind Bridgestone drauf) sind dem Maschinengewicht durchaus gewachsen. Ich jedenfalls komme damit gut zurecht. Eine Hinterradreifen hält bei mir ca. 6000 Km und ein Vorderrad ca. 7000-8000 KM.

Auszug aus dem BMW Gästebuch:

K 1200 LT
Ich habe bislang auf meiner K 1200 LT Bridgestonereifen gefahren. Mit den Bridgestones ist die K 1200 LT ein super handliches Motorrad mit enormer Straßenhaftung. Das Handling lässt keine Wünsche offen und der Geradeauslauf ist soweit o.k. Leider halten diese gut haftenden Reifen nicht so besonders lange. Besonders bei Alpenpasstouren ist der vordere Reifen bereits nach 4.000 km verschlissen. Ich habe nun erstmalig die Metzlerbereifung aufziehen lassen. Als Ergebnis dachte ich ich hätte ein anderes Motorrad. Mit den Metzlern büßt man wesentlich an Handling ein! Dafür ist der Geradeauslauf wie auf Schienen. Das Fahrzeug liegt stabiler (anscheinend walkt der Reifen weniger). Kurven muss man allerdings nun etwas intensiver einleiten. Den Hauptänder bekommt man aber immer noch leicht auf die Erde :-) Die K wird jedoch etwas anfälliger für Längsrillen auf der Fahrbahn, so dass sie eher anfängt zu Pendeln als mit den Bridgestone. Ebenso ist die Aufstellneigung beim Bremsen in Kurven höher. Mein persönliches Fazit: Wer viel kurvige Strecken fährt und eine agile K 1200 LT möchte, sollte Bridgestone fahren (macht einfach mehr Spaß). Wer absolute Fahrwerksruhe im normalen Betrieb und stoischen Geradeauslauf möchte nimmt die Metzler (Für die lange Autobahnstrecke oder den Highway). Ich habe den Versuch mit den Metzlern wegen der Fahrleistung gemacht. Nun meine Frage an BMW: Welche Erfahrungswerte können Sie mir bezüglich der zu erwartenden Laufleistung der Bridgestone und der Metzler Reifen mitteilen? Halten die Metzler länger? Warum werden Sie neuerdings als Erstausstattung verwendet obwohl das Fahrzeug dadurch etwas schwerfälliger wird.
BMW: Die Metzeler-Bereifung hat auf der K 1200 LT tendenziell eine längere Standzeit als die Bridgestone-Bereifung. Aussagen in Kilometern sind uns allerdings nicht möglich, da die Laufleistung immer von den individuellen Fahr- und Einsatzbedingungen abhängig ist. Ihren Aussagen bezüglich der Auslegung der beiden Reifen (Bridgestone eher "sportlich" orientiert, Metzeler eher für "kilometerfressen" auf der Autobahn) können wir von dieser Stelle aus nur zustimmen. In der Serienproduktion wird inzwischen überwiegend die Metzeler-Reifenpaarung verbaut, da der überwiegende Teil der Kunden einen Reifen wünscht, der sich durch möglichst hohe Laufleistung auszeichnet

 

Schnickschnack: Die Heizgriffe sind BMW gewohnt in 2 Stufen justierbar und machen ihren Job gut. Der Bordcomputer lügt beim Spritverbrauch und bei den Restkilometern. Tatsächliche kommt man mit weniger Sprit weiter als das Gerät anzeigt. Der Bedienknopf für den Computer kann man während der Fahrt nicht erreichen ohne den Gasgriff loszulassen. Hier hätte der Einbauplatz mit dem Anlasserknopf getauscht werden müssen. Der Tempomat ist eine Supersache. Da das eh keiner glaubt empfehle ich das einmal selber zu testen ! Leider gibts hier neuerdings bei meinem Motorrad Probleme: Nach einem kräftigen Regenschauer schaltet sich der Tempomat selstätig ein. Dies kann innerhalb von Ortschaften recht kritisch sein, wenn man in einer Fahrzeugkolonne fährt. Auf einmal gibt das Moped selber Gas, ob es nun  ein Wasserschaden im Schalter ist oder der Tempomat tatsächlich kaputt ist muss sich noch zeigen. Die Gegensprechanlage ist sündhaft teuer. Da sie nun bei meinem Moped drin war habe ich mir für lächerliche 250 DM den Helmsatz hinzugekauft. Dann waren noch mal 100 Mark fürs Kabel zu berappen. Die Anlage selber kostet ja schon 900 DM. Wenn man nun noch den Sozius ausstattet wirds langsam unerträglich. Vorteil der Sache: Man kann über die Anlage auch das Radio hören. Nachteil: mangels Einstellungsmöglichkeit schaltet sich bei hohen Windgeräuschen das Mikro ein, und die Windgeräusche werden über das Headset wieder zum Ohr übertragen. Hörschäden und Stress sind die Folge ( aber was will man bei der Preislage auch erwarten ?). Bei der Version 2 der Sprechanlage soll das besser sein. Es ist übrigens möglich die Kenwood Funkey Funkgeräte anzuschließen um mit anderen Motorrädern zu kommunizieren. Leider taugen diese Sprechgurken nicht das meiste ! Außerdem muss man sich dann noch einen Schalter an den Lenker legen, hierfür baut man dann aber die komplette Frontverkleidung ab. Ächtz.

Elektrik: An diesem Gerät ist ja nun alles dran was irgendwie vorstellbar ist. Leider stellen sich dadurch auch eher Defekte ein. Allerdings hatte ich bislang Defekte, welche einem langjährigen Fahrzeughersteller eigentlich nicht passieren sollten. Zunächst Feuchtigkeitsdefekte in der Schaltereinheit des Tempomat. Dann nacheinander je ein defektes Relais beim Bremslicht und Tankwarnleuchte. Alles was auf dem Markt an Relais billig war wurde anscheinend eingekauft. Zum Tausch muss jeweils die Verkleidung ab, da diese unter dem Tank sitzen ( Das Topcase wurde mit einem Mikroschalter nachgerüstet, damit man nicht vergisst das Licht auszuschalten, viele haben da wohl ihre Batterie ruiniert. Da haben die Konstrukteure wohl noch nie in einen Kühlschrank geschaut, da geht doch das Licht auch aus wenn man die Tür zumacht oder? Na ja das Teil war zumindestens kostenlos erhältlich.

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