Ave imperator - Münzen aus der römischen Kaiserzeit richtig bestimmen

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Ave imperator - Münzen aus der römischen Kaiserzeit richtig bestimmen

Das Münzsystem zur Zeit der römischen Kaiser

Als die römische Kaiserzeit wird ein Abschnitt in der Geschichte des Römischen Reiches bezeichnet, der sich von 27 vor Christus bis ins Jahr 285 nach Christus erstreckt. Der Beginn dieser Epoche fällt mit der Machtübernahme Octavians zusammen, die zugleich auch das Ende der Römischen Republik einläutete. Gegen Ende der Kaiserzeit kam es von 235 bis 285 zur Staatskrise, die in der Machtübernahme des Offiziers Diocles mündete. Dieser ließ sich fortan Diokletian nennen und führte tiefgreifende Reformen durch, die auch das Münzwesen betrafen. In der römischen Kaiserzeit existierten viele Münzen, die bereits in früheren, aber auch noch in späteren Epochen des Römischen Reiches verbreitet waren. Wie Sie die Münzen aus der Zeit von 27 vor Christus bis 285 nach Christus von Münzen aus den Epochen vor und nach dieser Zeit unterscheiden können und worauf Sie beim Kauf von Münzen aus der römischen Kaiserzeit achten müssen, wird in diesem Ratgeber erläutert.

Goldmünzen aus der Epoche der römischen Kaiser

Goldmünzen waren zur Zeit der römischen Kaiser relativ selten. Die wichtigste Goldmünze zu dieser Zeit war der Aureus, der im Jahre 82 vor Christus eingeführt wurde. Bis zur Zeit von Julius Caesar, also 44 vor Christus, wurde der Aureus jedoch sehr selten geprägt. Münzen aus der Zeit vor Caesar wogen zwischen 9,1 und 10,92 Gramm, was sie von Aurei aus der Kaiserzeit unterscheidet. Zu Beginn der Kaiserzeit lag das Gewicht der Aurei bei 8,19 Gramm und sank aufgrund der Inflation beständig. Unter Kaiser Gallienus, zum Ende der Kaiserzeit im Jahre 268, wog ein Aureus nur noch 6,12 Gramm. Bereits im Jahre 309 wurde der Aureus abgeschafft.

Eine weitere Goldmünze, die Sie nur sehr selten finden, ist der Multipla. Kaiser Augustus führte diese Münze im Jahre 27 vor Christus ein und sie diente vor allem als Geschenk für Würdenträger. Sie war bedeutend größer und schwerer als der Aureus und konnte bis zu 327,5 Gramm wiegen.

Der Goldquinar, oder auch Quinarius Aureus, war eine Goldmünze aus der Kaiserzeit, die zwischen 45 vor Christus bis 324 nach Christus existierte. Sie wurde jedoch nur selten geprägt und wog rund 4 Gramm. Im Gegensatz zu anderen Münzen, die von jedem Kaiser herausgegeben wurden, existieren vom Goldquinar nur sporadische Ausgaben. Sie haben bei eBay die Möglichkeit verschiedene Variationen der Goldmünzen zu kaufen und damit Ihre Sammlung zu vervollständigen.

Silbermünzen aus der römischen Kaiserzeit

Im Gegensatz zur Zeit der Römischen Republik waren viele der Silbermünzen, die ihre Ursprünge teilweise in Griechenland hatten, in der Kaiserzeit bereits abgeschafft worden. Vorherrschend in der römischen Kaiserzeit waren vor allem der Denarius und der Silberquinar. Beide Münzen wurden 211 vor Christus im Zuge der ersten Währungsreform eingeführt und überdauerten die römische Kaiserzeit. Der Denarius existierte im Umlauf noch bis in das 6. Jahrhundert, der Silberquinar wurde um das Jahr 500 abgeschafft.

Der Antoninian

Für Numismatiker, die Silbermünzen aus der römischen Kaiserzeit sammeln, ist die dritte Silbermünze im Bunde leicht zu identifizieren. Der Antoninian wurde im Jahre 214 von Kaiser Caracalla eingeführt und wurde im 3. Jahrhundert zu einer der häufigsten Münzen. Mit dem Ende des römischen Kaiserreiches verschwand der Antoninian wieder aus der Welt der Römer, denn der neue Herrscher Diokletian schaffte die Münze mit seiner Währungsreform wieder ab. Der Antoninian besaß den Wert von zwei Denarii.

Der Denarius

Der Denarius hingegen befand sich deutlich länger im Zahlungsverkehr. Er war von seiner Einführung im Jahre 211 vor Christus bis ins 3. Jahrhundert hinein die Hauptsilbermünze im Römischen Reich und existierte noch bis ins 6. Jahrhundert. Jedoch war die Münze im Verlauf ihrer Geschichte alles andere als stabil in Größe und Gewicht, was es Ihnen wiederum leicht macht, Münzen aus der römischen Kaiserzeit zu identifizieren. Das Gewicht des Denarius betrug anfangs 4,55 Gramm und sank beständig im Verlauf der Jahrhunderte. In der Kaiserzeit lag das Gewicht der Denarii immer unter vier Gramm. Münzen, die unter Kaiser Nero zwischen 54 und 68 nach Christus geprägt wurden, wiegen zum Beispiel 3,4 Gramm. Der Silbergehalt reduzierte sich ebenfalls analog. Der Denarius war zu Beginn seiner Geschichte eine fast reine Silbermünze und blieb dies auch bis zur Kaiserzeit. Jedoch fand gerade in der Epoche der römischen Kaiser eine stete Verminderung des Feingewichtes statt. 200 nach Christus betrug der Silbergehalt einer Denarius-Münze zwischen 40 und 50 Prozent.

Auch der Wertaufdruck hilft Ihnen dabei, die Prägezeit eines Denars zu bestimmen. In der Einführungszeit um 211 vor Christus findet sich ein X auf den Münzen, was den Wert von zehn As anzeigt. Ab 130 vor Christus änderte sich der Wert auf 16 Asse, was durch die Prägung XVI ausgedrückt wird. In der römischen Kaiserzeit hingegen finden sich diese Prägungen nicht mehr, sodass Denarii, die über Wertprägungen verfügen, nicht aus der Kaiserzeit stammen können.

Der Silberquinar

Der Silberquinar, auch Quinarius Nummus genannt, war nach dem Denarius die nächst kleinere Silbermünze. Sie hatte den Wert von einem halben Denarius, existierte seit 211 vor Christus, wurde aber zu dieser Zeit sehr selten geprägt. Erst 100 vor Christus verbreitete sich diese Münze stärker im Römischen Reich. Im Verlauf der römischen Kaiserzeit unterlag der Silberquinar stark der Inflation, was dazu führte, dass ab 250 nach Christus die Münze nicht mehr aus Edelmetall geprägt wurde. Das Gewicht, das vor der römischen Kaiserzeit bei rund 2,2 Gramm lag, wurde unter Kaiser Trajan um 115 nach Christus auf 1,7 Gramm gesenkt.

Römische Bronze-, Kupfer- und Messingmünzen – das Geld der Mittelschicht

Zur Zeit der römischen Kaiser waren fünf Münzen aus Nichtedelmetallen im Umlauf, von denen einige im Verlauf der Kaiserzeit der Inflation zum Opfer fielen und verschwanden. In ihrer Wertigkeit sortiert waren dies der Sesterz, der Dupondius, das As, der Semis und der Quadrans. Alle diese Münzen existierten bereits seit dem 3. Jahrhundert vor Christus, sodass Sie bei der Suche nach Münzen aus der Kaiserzeit auf einige Merkmale achten müssen, um diese Münzen zu identifizieren.

Der Sesterz

Bei der Sesterz als eine der wertvollsten unter diesen Kleinmünzen gelingt diese Unterscheidung anhand des verwendeten Materials sehr einfach. Bis zur Regentschaft von Julius Caesar, dem letzten Herrscher der Römischen Republik im Jahre 44 vor Christus, wurden die Sesterze aus Silber gefertigt und wogen rund ein Gramm. Kaiser Augustus, der als erster Kaiser über das Römische Reich regierte, ordnete die Prägung der Sesterze aus einer Kupfer-Zink-Legierung an und änderte Gewicht und Größe der Münze. Ein Sesterz wog ab 27 vor Christus 27,3 Gramm und hatte einen Durchmesser von 27 bis 35 Millimetern. So können Sie Sesterze aus der Kaiserzeit sehr leicht von älteren Sesterzen unterscheiden. Mit dem Ende der Kaiserzeit im Jahre 284 wurde die Prägung der Sesterze eingestellt. Auch bei den Dupondien gelingt die Unterscheidung anhand von Material und Gewicht. Als der Dupondius um 300 vor Christus eingeführt wurde, handelte es sich um eine große und massive Bronzemünze mit einem Gewicht von 655 Gramm. Ab der Kaiserzeit wurden die Dupondien aus Messing gefertigt und wogen nur noch 17 Gramm. Zu Beginn des 3. Jahrhunderts wurde die Prägung der Münzen eingestellt.

Der As

Der As war eine der wichtigsten Münzen und das Grundnominal sowohl in der Römischen Republik als auch zur Kaiserzeit. Asse aus der Kaiserzeit unterscheiden sich jedoch in Größe und Gewicht von früheren Münzen. Kaiser Augustus setzte ab 27 vor Christus das Gewicht auf zehn bis zwölf Gramm und seinen Durchmesser auf 23 bis 27 Millimeter fest. Frühere Asse wogen zwischen 273 und 327 Gramm. Zum Ende der Kaiserzeit um 275 nach Christus wurde die Prägung von Assen eingestellt.

Der Quadrans

Der Quadrans war das kleinste Nominal zur Zeit der römischen Kaiser. Die Unterscheidung dieser Münzen fällt ungleich schwerer als bei den meisten anderen Münzen. Ausnahmen bilden die Quadrans, die zwischen 54 und 68 nach Christus unter Kaiser Nero geprägt wurden. Diese wurden aus Messing anstatt der sonst üblichen Kupfer-Bronze-Legierung gefertigt. Jedoch finden Sie auf dem Revers des Quadrans immer das Profil des Kaisers, der zur Zeit der Prägung dieser Münze regierte. So lassen sich die Quadrans zeitlich leicht einordnen.

Der Semis

Der Semis, was im Lateinischen „ein halber“ bedeutet, war eine seltene Münze im römischen Kaiserreich. Er erhielt seinen Namen durch den Wert, der bei einem halben As lag. Ähnlich wie bei den Quadrans gelingt die Bestimmung der Prägezeit über das Bild des Kaisers auf dem Revers der Münze.

Die Abbildungen auf Münzen aus der römischen Kaiserzeit

Eine gute Orientierungshilfe, um die Münzen aus dem Römischen Reich zeitlich einzuordnen, sind die Abbildungen auf dem Revers der Münze. So war es vor der Zeit der römischen Kaiser nicht üblich, lebende Persönlichkeiten oder Herrscher auf den Münzen abzubilden, sondern Götter aus der römischen Mythologie. Erst unter Gaius Julius Caesar, einem der letzten Regenten der Römischen Republik, wurde es Usus, lebende Persönlichkeiten auf Münzen darzustellen. Dies betrifft Münzen ab 44 vor Christus. Als eine der ersten Münzen, auf denen Caesar abgebildet wurde, ging der Denarius in die Geschichte ein.

Darüber hinaus können Sie so den Zeitraum der Prägung einer Münze eingrenzen. In der römischen Kaiserzeit wurden nur aktuell regierende Herrscher auf den Münzen abgebildet. Anhand der Denarii lässt sich die Zeittafel der römischen Kaiser gut ablesen. Denarii aus der Anfangszeit der Kaiserzeit werden vom ersten Kaiser, Augustus, geziert. Diese wurden zwischen 30 und 14 vor Christus geprägt. Ebenfalls einer der frühen Kaiser des Römischen Reiches war Vespasian, er regierte von Juli 69 bis Juni 73 nach Christus das Römische Reich. Denarii mit dem Bild von Vespasian auf dem Revers wurden folglich nur zu dieser Zeit geprägt. Zwischen 98 und 117 nach Christus war Trajan römischer Kaiser und somit stammen Denarii mit Trajan auf dem Revers aus diesem Zeitfenster. Nach Trajan folgte Hadrian. Dieser war bereits der 14. Kaiser des Römischen Reiches und regierte bis zu seinem Tode im Jahre 138. Denarii mit Hadrian als Münzbild stammen somit aus der Zeit zwischen 117 bis 138 nach Christus. Anhand einer Liste mit Kaisern des Römischen Reiches können Sie also die etwaige Prägezeit einer Münze erkennen.

 

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