Ausstattung für Kinder bei LARP und Mittelalter

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Hallo!

LARP, Reenactment und der Besuch von Mittelaltermärkten und Heerlagern ist ein Hobby für die ganze Familie.
Kinder lieben es, sich zu verkleiden und manchmal schon mit Hilfe eines Kleidungsstückes in eine andere Rolle zu schlüpfen. Erzieher schätzen die positiven Auswirkungen, die Verkleidungsspiele auf Kinder haben können.

Was ist sinnvoll, wenn man nicht nur sich, sondern auch seinen Nachwuchs stilecht, praktisch, preiswert und sicher gewanden möchte?
Dieser Ratgeber befasst sich mit den Fragen zur Gewandung für Kinder ab dem Kleinkindalter.

Wie immer, möchte ich eine Bitte voranstellen:
Die Gesundheit und Sicherheit Eurer Kinder geht vor!

Auch wenn es billig ist, vermeidet bitte Kunstfasern. Es lohnt sich, in Naturfasern wie Wolle, Leinen oder Baumwolle als Kompromiss zu investieren. Es ist nicht nur brandsicherer und angenehmer in den Trageeigenschaften, sondern auch unempfindlicher gegen den üblichen Dreck, den sich ein Kind beim Toben einfängt.

Wählt die richtige Kleidung zum Wetter.
Wenn Ihr mit Euren Kindern zu so einer Veranstaltung geht, dann denkt bitte daran, dass die Temperaturregelung bei Kindern nicht so gut funktioniert wie bei uns.
Kinder haben im Verhältnis zu ihrem Körpervolumen eine wesentlich größere Oberfläche. Das bedeutet, dass die bei Sonnenschein schneller aufheizen und bei Kälte schneller auskühlen. Ihr Organismus ist nicht in der Lage, Schwankungen so gut zu kompensieren, wie es bei uns Erwachsenen der Fall ist. Gerade der Kopf und der Nacken sind stark bedroht von Auskühlung bzw. Sonnenstich. Die passende Mütze oder eine Gugel hilft

Also zieht die Kinder in mehreren Schichten an. So wurde das früher auch gehandhabt. Außerdem sieht der Lagenlook richtig urig aus. So könnt Ihr die Temperaturen regeln. Und niemand hat ein Recht, zu meckern, wenn ein Kind unter dem Gewand warme moderne Kleidung trägt. Was man nicht sieht, sollte auch kein Problem sein.

Wechselkleidung ist auch so ein Thema. Nehmt bitte welche mit. Damit schont Ihr Eure Nerven und seid gelassener, wenn der Nachwuchs sich mal wieder in kleine Erdferkel verwandelt.

Noch etwas Wichtiges: Sonnenschutz nicht vergessen! Ausreichend für Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sorgen. Kinder brauchen häufigere kleine Mahlzeiten als Erwachsene und oft vergessen sie vor lauter Abenteuerlust ihre Bedürfnisse.

Ausstattung:

Modisches/Stilkunde:
Im Groben unterschied sich Kinderkleidung nicht von der, die Erwachsene trugen. Das war bis zu Beginn des 19. Jh. fast überall so.
Je nach Stand konnte die Kinderkleidung schlichter sein oder auch prunkvoll ausfallen. Orientiert Euch also an Eurer eigenen Gewandung, dann seid Ihr auf der sicheren Seite.

Interessant ist, dass die Häubchen für Babys anhand der Schnittform verrieten, ob es ein Junge oder Mädchen ist. Mädchenhäubchen waren geschnitten wie die modernen Fliegerhäubchen, die wir auch heute noch unseren Säuglingen aufsetzen. Zwei Seitenteile und ein breites Mittelteil.
Jungshäubchen bestanden aus zusammengesetzten Keilen. So konnte man auch ohne die Frage "himmelblau oder rosa" erkennen, welches Geschlecht das Kind hatte.
Übrigens trugen im Mittelalter auch Erwachsene gern so eine Bundhaube, um sich in ungeheizten zugigen Gebäuden gegen Zugluft zu schützen.

Gugel:
Das Grundausstattungsteil schlechthin. Es lohnt sich, eine gute Gugel zu kaufen, da sie ein Kind ab Vorschulalter bis weit übers Teeniealter hinaus begleiten wird. Der Kopf eines Kindes ist zur Einschulung schon fast so groß wie beim Erwachsenen. Da der Rest des Körpers langsamer wächst, wird der Schulterkragen der Gugel die ersten Jahre noch wie ein Kurzumhang wirken, bis dann irgendwann Hals und Schultern des Kindes hineinwachsen werden.
Die Gugel war im Mittelalter sehr lange in Gebrauch und ist recht einfach herzustellen für ungeübte Näher.
Tipp: Hier lohnt sich aufgrund der langen Tragezeit die Investition in Wollstoff mit einem nicht-kratzigen Futterstoff.

Für Selbernäher: Man braucht rund 1 m Wollstoff für außen und 1 m Baumwoll- oder Leinenstoff für innen.

Hemd und Hose:
Ein einfaches Hemd und eine Hose aus robustem Stoff sind für die meisten Jungs vollkommen ausreichend, um sich wie ein mittelalterlicher Knappe zu fühlen. Vielleicht sollte man noch eine warme Tunika darüberziehen. Wichtig sind kräftige Stoffe, die maschinenwaschbar sind, und am besten Farben, auf denen man nicht sofort jedes bisschen Schmutz sieht. Stabilität ist gerade für Kinder ein wichtiges Thema. Also achtet darauf, dass es stabile Stoffe sind, die tobesicher sind. Wer macht schon gerne Flickarbeit...das gilt auch für die Mädchensachen.

Kleid und Unterkleid:
Ein Unterkleid aus Baumwollstoff ist eine sinnvolle Investition. Für kühle Märkte empfehle ich Baumwollflanell, der ist zwar absolut nicht authentisch, aber warm, weich und billig. Und außerdem ist es ein Unterkleid, das keiner sieht.
Das Oberkleid sollte aus einem robusten Leinenstoff sein. Bei eBay bekommt man wunderschöne, kräftig gefärbte Stoffe.
Beliebte Verzierung sind Borten. Leider gibt es viele stark glitzernde und glänzende Borten, die ein Kleid schnell billig aussehen lassen. Wem Brettchenborte für ein Kindergewand zu teuer ist, der kann mit Stickereien im Hexenstich (schon in Haithabu belegt) für eine günstige und hübsche Verzierung sorgen. Zwei übereinanderliegende, leicht versetzte Reihen Hexenstich in zwei kontrastierenden Farben sind auch für Anfänger schnell und leicht gestickt und machen aus jedem Kleid etwas Besonderes.

Umhang:
Nehmt einen warmen Wollstoff, der gewalkt ist und mindestens 500g/m Gewicht hat. Ein Halbkreismantel ist schnell selbst angefertigt.
Messt vom Nacken des Kindes bis runter zu den Fersen. Addiert rund 10 cm dazu. Diese Länge rechnet mal zwei.

Beispiel: Ein Kind ist 1,45m groß. Vom Nacken bis knapp über dem Boden sind es 1,20m. 10 cm dazuaddieren und dann verdoppeln.
Macht 2,60 Stoffverbrauch für einen Halbkreismantel. Bei eBay-Preisen ab 10,-- Euro pro Meter kommt Ihr auf Gesamtkosten für Stoff, Versand und zwei hübsche Knöpfe für den Verschluss auf maximal 30,-- Euro.
Der Stoff reicht aus, um aus den Resten noch eine Kapuze zu schneidern, die man oben am Mantel ansetzen kann.

Und dieser Mantel wird, genau wie die Gugel, Euer Kind auf Jahre begleiten. Zuerst als fast bodenlanges Modell, später wadenlang oder kniekurz. Hauptsache, der Rücken und der Nacken sind warm eingepackt.
Es ist also eine lohnende Investition, hier auf Qualität zu achten.

Außerdem besteht Wolle zum Großteil aus Stickstoff. Wenn ein Funken des Lagerfeuers darauffällt, dann geht ein Wollmantel nicht in Flammen auf, wie es ein Mantel aus Fleece täte. Und Fleece schützt einen nicht so gut vor Wetter, Wind und Feuchtigkeit wie ein Wollstoff.

Schuhwerk:
Achtet bei Mittelalterschuhen darauf, dass die Sohlen dick genug sind, um die weichen Füße zu schützen. Auch die Mittelalterschuhe müssen immer richtig passen. Schuhwerk muss wettertechnisch angepasst sein.
Die meisten Eltern behelfen sich mit Bundschuhen, die sich übrigens auch hervorragend als Lauflernschuhe oder Hausschuhe eignen. Wer es stilecht mag und es sich leisten kann, kann natürlich auch Wendeschuhe nehmen.

Wichtig ist immer, dass das Kind darauf gut laufen kann. Die lieben Kleinen machen pro Tag wesentlich mehr Schritte als wir Erwachsenen! Bitte macht also keine faulen Kompromisse, die womöglich zu Lasten der Gesundheit Eurer Kinder gehen können.
Bei schlechtem Wetter ist es sowieso besser, normales Schuhwerk zu verwenden.

Ich hoffe, ich konnte Euch ein paar wertvolle Tipps geben, damit Ihr gemeinsam mit Euren Kindern Spaß an der Ausübung Eures Hobbys habt.
Falls Ihr noch Fragen habt, könnt Ihr mich gern kontaktieren.

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