Augen auf beim Fahrradkauf!

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Bei ebay werden täglich viele Fahrräder versteigert. Viele Angebote, auch direkt von Fachhändlern, sind wirklich gut und günstig. Aber, besonders bei gebrauchten Fahrrädern, aufgepasst:

Endmontage

Bei Neurädern sollte man unbedingt darauf achten, ob die Fahrräder Endmontiert verschickt werden. Fehlt die Angabe sollte man nachfragen! Manche Händler verlangen für die Endmontage extra Geld (was gegen die ebay Grundsätze verstößt, wenn diese Endmontage nicht extra als zubuchbarer Artikel angeboten wird).

Was bedeutet das für den Käufer?

Sind die Fahrräder nicht Endmontiert sind die Fahrräder auch nicht fahrbereit. Die Endmontage umfasst eben nicht nur das geradestellen des Lenkers, der Einbau eines Laufrades und das einstecken der Sattelstütze, sondern:

  • einstellen der Schaltung

  • einstellen der Bremsen und Bremsbeläge

  • einstellen des Steuerlagers

  • überprüfen der Anzugsdrehmomente vieler Schrauben, wie Vorbau, Lenker, Dämpfer und Laufräder

  • nachzentrieren der Laufräder

  • und vieles mehr

Trauen Sie sich selbst diese arbeiten nicht zu (insbesondere bei Scheibenbremsen und Luftfederelementen) müssen Sie das Rad nach dem Kauf erst zu einem Händler bringen der die Endmontage durchführt. Manche Händler machen dies ungern, andere auch gerne um sie in Zukunft als Kunden zu gewinnen. Die Preise für eine Endmontage sollten in Deutschland je nach Region zwischen 10,- und 40,- € liegen.


Meines Erachtens sollte aber der Verkäfer grundsätzlich die Endmontage vornehmen. Dann müssen Sie selbst nur noch kleine Montagearbeiten vornehmen wenn Sie das Rad aus dem Karton holen. Noch besser: wohnt der Händler nicht zu weit, ist es sinnvoll das Rad im endmontierter Zustand direkt bei Käufer abzuholen, dann kann man Zuhause gleich losstarten.

Mehrere Rahmengrößen und/oder Fahrräder in einer Auktion

Einen vermeintlich besonderen Service bieten einige Verkäufer an, indem sie in einer Auktion ein Modell in mehreren Rahmengrößen anbieten. Die Käufer haben dann nach der Auktion die Möglichkeit die gewünschte Rahmengröße auszusuchen. Ich habe auch schon entdeckt, dass Verkäufer ganz verschiedene Fahrräder von unterschiedlichen Herstellern, nur gleich teure, in einer Auktion angeboten haben.

Das Klingt in erster Linie nach besonders guter Auswahl, auf dem zweiten Blick muss man aber wissen, dass auf eine solche Auktion deutlich mehr Käufer mitbieten, denn es bieten ja nicht nur die mit, die das Rad in der Rahmengröße oder Ausstattung haben möchten wie man selbst, sondern auch noch die, die sich eben für die anderen Größen und Ausstattungen interessieren. Da der Verkäufer also ein vielfaches mehr an Käufern anspricht, erreicht er auch mehr Gebote und oft auch einen höheren Preis. Hier gilt es also einmal mehr, sich vor dem bieten ein eigenes Limit zu setzen.

Gebrauchte Fahrräder

Bei gebrauchten Fahrrädern gibt es noch mehr Stolpersteine:
  1. Oft haben gebrauchte Räder nur noch einen geringen Wert. Achten Sie also vorab darauf, ob Sie das Rad selbst abholen können, da die Versandkosten von Rädern in der Regel relativ hoch sind (siehe auch meinen Ratgeber zum Fahrradversand ).

  2. Fahrräder haben keinen fest eingebauten km Zähler. Daher auch keine Möglichkeit den Verschleiß eines Rades vom reinen anschauen festzustellen.
    Folgende besonders verschleißanfälligen Bauteiele sollte daher ein fairer Verkäufer besonders genau beschreiben:

    Antrieb:

    D
    azu gehören die Kette, die Kassette oder das hintere Ritzel und vom vorderen Kurbelsatz die Kettenblätter. Mit einer Kettenmesslehre kann man den Verschleiß von Ketten nachmessen: Geht die Lehre in die Kette ist die Kette verschlissen, geht die Lehre rein und hat dann auch noch Spiel nach vorn und hinten ... ist der Antrieb hin! Fällt die Lehre noch nicht in die Kette ist die Kette noch gut. Das Wechseln eines verschlissenen Antriebs ist teuer und lohnt oft nur bei sonst gut erhaltenen oder wertvollen Rädern!

    Federgabel und Federelement hinte (meist Dämpfer genannt) bei vollgefederten Rädern

    F
    edergabeln und Dämpfer bei Fahrrädern benötigen regelmäßige Wartung wie die Reinigung und das nachölen (nur mit geeignetem Öl!) der Tachrohre. Haben die Tauchrohre zu den Standrohren Spiel oder sind die Flächen der Tauchrohre beschädigt oder extrem stark verschmutzt sind meist teure Instandsetzungsmassnahmen notwendig. Das gleiche gilt, wenn Federgabeln Luft oder Öl verlieren. Diese Arbeiten sond oft nur beim Herstellerservice durchzuführen. Kosten von 90 bis 120 € sind da keine Seltenheit. Weisen also Verkäufer auf defekte Federelemente hin, lieber die Finger vom Rad lassen oder gleich den Neukauf der defekten Elemente mit einplanen, da neue Federgabeln und Dämpfer oft deutlich besser sind wie die alten und somit eine Reparatur oft nicht wirtschaftlich erscheint.

    Felgen

    B
    ei Rädern mit Felgenbremsen wird bei jedem Bremsen die Felge etwas dünner. Dies führt dazu, dass irgendwann die Felge brechen kann - mit entsprechend unangenehmen Folgen! Moderne Felgen haben meistens einen Verschleißindikator. Verschiedene Systeme sind auf dem Markt, hier die gängigsten:
    - Safety Line (z. B. bei den Rigida Felgen) ist eine Art Luftkammer im Profil der Felge. Ist die Felge verschlissen erscheint ein Riss in der Mitte der Bremsflanke.
    - Eine von außen bei der neuen Felge eingefräste oder eingedrehte Nut in der Bremsflanke ist die einfachste Art des Verschleißindikators. Ist die Nut nicht mehr Sichtbar soll die Felge ausgetauscht werden. Diese Methode hat aber zwei Nachteile, zum einen verschleißt die Felge schneller, da ja bereits Material abgetragen ist, zum zweiten weis man ja gar nicht mehr, wenn die Nut weg ist, ob da mal eine war.
    - Mavic und andere hochwertige Felgenhersteller haben Stahlstifte im innern der Felge Ist die Felge verschlissen rattern die Bremsbeläge über diese Stifte.

    Ein untrügliches Zeichen auch ohne Indikatoren ist, wenn sich die Oberkante der Felge nach außen wölbt.

    Verschlissene Felgen müssen aufwändig umgespeicht werden oder man nimmt gleich ein neues Laufrad (ist manchmal billiger wie das Umspeichen).

    Lager


    S
    teuerlager, Radlager, Innenlager sollten kein Spiel aufweisen. Dies testet man, indem man bei den Radlager die Räder an den Reifen packt und versucht in die Querrichtung hin und her zu wackeln. Die Räder sollten fest sitzten. Wackeln die Räder in Querrichtung ist meistens das Radlager nicht mehr in Ordnung. Radlager können meist einfach eingestellt werden, oft sind aber dann die Konen des Lagers oder (schlimmer) die Kugellaufbahn in der Nabe beschädigt.
    Um das Innenlager (Tretlager) zu prüfen wackelt man in Querrichtung an den Kurbelarmen. Die meisten aktuell verbauten Innenlager können nicht mehr eingestellt werden sondern müssen getauscht werden. Dazu ist Spezialwerkzeug erforderlich!
    Um das Steuerlager (Lenklager) zu prüfen zieht man die Vorderradbremse an und schiebt das Rad leicht vor und zurück. Wackelt dabe die Gabel hin und her, was man besonder fühlt wenn man einen Finger auf das Steuerlager legt, muss das Steuerlager mindestens eingestellt werden. Wenn man nun noch das Vorderrad angebt und den Lenker leicht bewegt, kann man spüren ob das Lager event. rauh läuft. Einige Lager sind auch eingelaufen und rasten in gerader Stellung fühlbar ein. Auch diese Lager müssen getauscht werden.
    Die Lager in den Pedalen sind für die Bewertung eines Rades nicht so wichtig, da die Pedalen mit geringem Kostenaufwand getauscht werden können

Dies sind so die wichtigsten Teile, die oft viel Geld kosten, wenn sie defekt sind. Über den Zustand dieser Bauteile sollte der Verkäufer, zumindest auf Anfrage Auskunft geben. Ohne diese Informationen sollte man lieber die Finger von dem einen oder anderen Schnäppchen lassen, das sich sonst bei ersten Probefahrten als Schrotthaufen herausstellen könnte.

Gemischte Gruppen auf fast allen Fahrrädern!

(für Räder mit Kettenschaltung)


Beim Kauf eines Rades sollten alle Komponenten des Rades aufgeführt sein. Bei den wichtigen Schaltkomponenten sind dies:
  • Kette
  • Kassette
  • Kurbelsatz
  • Innenlager
  • Schaltwerk
  • Umwerfer
  • Schalthebel
Die Angabe Shimano XT Schaltwerk sagt gar nichts über die Qualität des Schaltung aus. Erst wenn alle oben genannten Teile aus einer hochwertigen Gruppe sind kann man davon ausgehen, dass das Rad auch insgesamt eine hohe Qualität hat. Aber auch Rahmen, Federgabel, Dämpfer und andere Bauteile sollten ein einheitliches Gesamtbild abgeben. Auch das Gesamtgewicht eines Rades kann ein Indikator sein.

Bei minderwertigen Teilen geben die Hersteller gerne statt dem Shimano Gruppennamen die Shimano-Artikel-Nr an. Zum Beispiel heisst es dann: Schaltwerk, Umwerfer und Schalthebel Shimano XT, Kette Shimano CN-HG53, Kassette Shimano CS-HG50-9. Wenn man sich informiert, weis man, dass damit die Kette und Kassette eben zwei Qualitätsstufen unter den anderen Komponenten ist. Informieren kann man sich über die Shimano-Gruppen auf der Homepage des deutschen Generalimporteurs Paul Lange auf der gleichlautenden Homepage.
Die Rahmengröße und Geometrie

Der größte Unsicherheitsfaktor bei Kauf über das Internet ist natürlich das Problem, dass man nicht Probefahren kann (außer der Verkäufer wohnt in der Nähe, dann sollte man die Möglichkeit auch nutzen!). Wie kann man also das Risiko minimieren?

Dazu sollte man erst einmal wissen, dass nicht die Rahmenhöhe das eigentliche Entscheidungsmerkmal für den Kauf eines Rades sein sollte, sondern die Oberrohrlänge, also der Abstand zwischen Sattel und Lenker. Messen Sie also am besten bei Rädern bei denen Sie augenblicklich gut fahren, oder auf denen Sie schon einmal gut Probe gefahren sind diesen Abstand und vergleichen Sie diesen mit dem Rad, dass Sie kaufen wollen. Messen Sie dabe nicht den Abstand zwischen Lenker und Sattel, sondern den Abstand zwischen Sattelrohr und Steuerrohr (Lenklager), da man den Vorbau in der Länge relativ leicht verändern kann. Lassen Sie sich vom Verkäufen dann diesen Wert nennen oder recherchieren Sie bei Neurädern die Geometrie des Rades im Internet auf der Herstellerhomepage.

Nennen Sie dem Verkäufer Ihr Geschlecht, Körpergewicht, Fahrgewohnheiten (z. B. Sitzposition, eher sportlich, eher bequem, nur in der Stadt, etc.), Körpergröße und Schrittlänge und fragen, ob das Rad für Ihre Körpermaßen und Fahrgewohnheiten passt. Gute Verkäufer können Ihnen da gute Hinweise geben. Bei gewerblichen Verkäufern kann man ja von seinem Rückgaberecht gebrauch machen, wenn das Rad nicht passt, hier hat also auch der Verkäufer ein starkes Interesse, dass das Rad richtig passt und wird fair beraten. Bei privaten Verkäufern sollte man wachsamer sein, da erstens meist die Möglichkeit der Rückgabe fehlt und private Verkäufer oft nicht das Fachwissen haben um Sie so umfassend zu beraten ob die Geometrie und Fahreigenschaften zu Ihnen passen.

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Patrik Schneider-Ludorff
taunus-bike
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