Augen auf beim Briefmarkenkauf! - Tipps und Tricks

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Welcher Sammler stöbert nicht gern in den unendlichen Weiten von eBay auf der Suche nach Gelegenheiten, Raritäten, Schnäppchen oder Wundertüten? Doch die uns innewohnende Jagd- und Sammelleidenschaft kann auch leicht zum teuren Spaß werden, wenn man auf die Tricks von Neppern, Schleppern oder Bauernfängern hereinfällt. Daher möchte ich hier einige Erfahrungen wiedergeben und Tipps für Käufer, wie man sich vor unschönen Überraschungen schützen kann:

  • Vorsicht vor reißerischen Artikelüberschriften und bunten Blickfängern

"Dachbodenfund", "Fundgrube", "Nachlass" und ähnliche Schlüsselreize - oftmals noch mit raffinierten Abbildungen vor Marken überquellender alter Koffer und ähnlichem - sollen potenzielle Schatzsucher anlocken. Hier steckt wohl kaum die gute, alte Witwe Bolte dahinter, die Opas urige Markensammlung mal eben im Internet versilbert, sondern eher ein haupt- oder nebenberuflicher Aufkäufer, Resteverwerter oder Trödelhändler. Jahrzehntelang gepflegte, werthaltige Ländersammlungen werden genauso wenig im Internet verramscht wie erstklassige und auf Echtheit geprüfte Luxus-, Pracht- oder Kabinettstücke gesuchter Ausgaben.

               Scanlot                                         Steckkarte

Sogenannte "Scanlots", also mit der Bildseite lose auf einen Flachbettscanner geschüttete Marken, sollen den Ordnungssinn vieler Briefmarkensammler wecken. Bei fein säuberlich in Steckkarten oder Albumseiten einsortierten Marken scheint nicht viel zu holen zu sein, denn gewiss hat der Verkäufer schon alle mittleren und besseren Einzelwerte sowie Komplettsätze herausgefischt oder preist sie mit genauem Katalogwert an. Die Wahrscheinlichkeit, dass in einem Scanlot noch verborgene Katalogschlager schlummern, ist denkbar gering. Zudem täuscht so ein Scan eine Unmenge an Marken vor, aber wenn dann nur ein klägliches Häuflein billigster Massenware in drittklassiger Erhaltung aus dem Briefumschlag rieselt, ist die Enttäuschung oft vorprogrammiert.

  • Artikeltext und Bewertungen des Verkäufers verraten Einiges

Genau anschauen, was abgebildet und beschrieben ist, denn nur das wird auch geliefert, während schöngefärbten Versprechungen wie "hoher Katalogwert" oder "tolle Funde möglich" mit Skepsis zu begegnen ist. Verlockende Leckerbissen liegen immer oben auf oder werden besonders herausgestellt, aber was kommt dann noch? Im Zweifel dürfte es sich eher um Füllmaterial aus gezähntem Altpapier der Post als um übersehene Bayern-Einser, Sachsen-Dreier oder Blaue Mauritius handeln. Die in letzter Zeit aufgetauchten seltenen "Hepburn"-Marken wurden übrigens gleich von jemandem gefunden, der die Kiloware als erster unmittelbar aus einer Firmenkorrespondenz erhielt, und nicht etwa in einem Wühlposten aufgespürt, der schon durch viele Hände ging und entsprechend ausgeschlachtet ist.

  Wühlposten                         

Mitunter gibt auch das Verkäuferprofil wertvolle Informationen: Ist der Verkäufer ein ahnungsloser Erbe, der nur eine Handvoll Bewertungen in seinem Profil hat (mal ein Handy gekauft oder ein Spielzeug verkauft), oder vielleicht doch ein Berufsphilatelist mit hunderten oder tausenden einschlägigen Transaktionen? Werden ganz einfach die üblichen eBay-Standardregeln unter der Beschreibung angewandt oder gelten ellenlange "Allgemeine Geschäftsbedingungen" mit komplizierten Bezahlungs- und Versandmodalitäten, Rechtsfolgenbelehrungen sowie Bewertungsrichtlinien?

Hände weg von "Privatauktionen", bei denen die Bieternamen nicht in der Gebotsliste veröffentlicht werden! Briefmarkensammler haben nichts zu verbergen, aber manche Verkäufer wollen gern unerkannt auf eigene Artikel mitbieten, um den Preis in die Höhe zu treiben. Aber auch bei öffentlichen Auktionen hilft der Verkäufer seinem Artikel gelegentlich auf die Sprünge: Indizien für Zweit-Anmeldungen sind Mitglieder mit nur sehr wenigen Bewertungen, die zuweilen sogar von dem fraglichen Verkäufer selbst stammen und beide noch dazu im gleichen Ort wohnen (Beispiel: Auf einen Artikel von Verkäufer "ehrlicherBetrueger" steigert laufend ein Bieter namens "Trick17" mit, der erst zweimal etwas gekauft hat, und zwar rein zufällig auch von "ehrlicherBetrueger", der wie "Trick17" in Hintertupfigen wohnt.).

  • Strategisches Bieten heißt Beobachten, Limit kalkulieren und im richtigen Moment zuschlagen

Erweist sich der Artikel als lohnenswert, gilt es zunächst einmal die Ruhe zu bewahren (In den allerletzten Minuten oder Sekunden vor Auktionsende besser die Finger von Artikeln lassen, für die nicht genug Zeit zum Beurteilen blieb.). Wer hingegen lange vor Auktionsende bietet, um sich die Sache auf jeden Fall zu sichern, lockt mit vorschnellen Aktivitäten nur andere an, die gezielt nach Artikeln mit Gebotsabgaben suchen (Denn Artikel, auf die schon geboten wurde, sind allemal interessanter als unbeachtete "Ladenhüter".). Oder aber er fordert vorherige Bieter heraus, schnell wieder zu überbieten. Denn viele eBay-Mitglieder lassen sich automatisch per E-Mail benachrichtigen, wenn sie überboten wurden. Ein Bieterwettkampf freut allerdings nur den Verkäufer, doch aus einem vermeintlichen Schnäppchen ist dann schnell die Luft raus. Daher besser den Artikel als Beobachtungsobjekt abspeichern und die Gebotsliste verfolgen.

   Unentbehrlich: Erfahrungswissen und Briefmarkenkataloge

Wichtig für alle, die mit ihrem Geld rechnen müssen, weil sie leider nicht genug davon haben: Nicht "Auf Teufel komm' raus" losbieten, sondern besser ein persönliches Limit kalkulieren. Mit Hilfe von (aktuellen!) Katalogen den ungefähren Wert des Artikels überschlagen und dabei vorsichtig schätzen, denn die objektive Beschaffenheit und Qualität des Artikels ist entscheidend für den Preis. Spekulationen und Wunschdenken sind ein schlechter Ratgeber. Nicht selten sind teuere Stücke des begehrten Artikels beschädigt oder gefälscht, ohne dass dies auf dem Foto oder Scan zu sehen wäre (zum Beispiel nur rückseitig). Hinterher zu reklamieren kann hingegen problematisch werden.

Rückt das Auktionsende näher, kommt die Stunde der Wahrheit. Wenn möglich - und wenn es den Aufwand überhaupt lohnt - das Auktionsgeschehen in den letzten Minuten live verfolgen. Gewiefte Verkäufer stellen ihre Angebote so ein, dass sie nicht irgendwann werktags, sondern sonntags abends enden, wenn sich sehr viele bei eBay tummeln. Das Live-Mitbieten kann spannender als so manches Spiel sein, wenn urplötzlich ein Gebot das andere jagt, weil der Endkampf ausgefochten wird. Ist das eigene Limit vom Betrag her noch nicht in Gefahr (also beispielsweise fünf Minuten vor Schluss das aktuelle Gebot bei 50 Euro und das persönliche Limit erst bei 100), getrost großzügig bieten, damit sich andere bei ihren Versuchen zu überbieten die Zähne ausbeißen. Wird es knapp, empfiehlt es sich schrittweise mitzugehen (also beispielsweise bei aktuellem Gebot von 75 Euro auf 85,01 zu erhöhen und möglicherweise noch einmal auf 95,02 - die 1 oder 2 Cent darüber können bei glatten Vorgänger-Geboten ausschlaggebend sein). Aus Spaß an der Freude kann man dem erbitterten Gegner bei 102,37 Euro 20 Sekunden vor Schluss auch noch den Todesstoß versetzen, indem man bei schneller Internetverbindung in den wirklich allerletzten Sekunden noch einmal mit 120 Euro draufhaut und mit etwas Glück als beneideter Sieger vom Platz geht.

  • Versandbedingungen beachten und Versandkosten-Abzocker meiden

Im "Kleingedruckten" unter der Artikelbeschreibung verstecken sich mitunter unliebsame Klauseln, die entweder teuer zu stehen kommen oder sogar das ganze Geschäft zunichte machen können. Abhängig vom Kaufpreis und Risiko von Beschädigung, Verlust usw., sollte eine zweckmäßige Versandart gewählt werden. Auf "Nummer sicher" zu gehen, sollte aber nicht bedeuten "Koste es, was es wolle". Eine Steckkarte mit Briefmarken für 5 Euro kann als Standardbrief 0,55 Euro Porto kosten, manche Verkäufer bestehen aber auch auf Übergabe-Einschreiben im Luftpolster-Umschlag als Kompaktbrief zuzüglich Verpackungspauschale und berechnen dafür noch einmal 3 Euro und mehr. Damit versuchen sie den Erlös aufzubessern, denn "Kleinvieh macht auch Mist". Bei höherwertigen Artikeln mag ein versicherter Versand hingegen angemessen sein. Auf jeden Fall sollte man im Vorfeld über die zusätzlich entstehenden Kosten informiert werden und nicht erst nach Abschluss einer Auktion mit Verweis auf "schlechte Erfahrungen" usw. zur Übernahme fragwürdiger Kosten verpflichtet werden. Wahre Sammler frankieren übrigens philatelistisch, also mit Sondermarken oder selteneren Freimarken statt mit Computer-Label oder StampIt.

    

Sammler schätzen eine schöne Frankatur mehr als langweilige "Gebühr bezahlt"-Aufkleber (oben links), auch wenn der Massenversender daran nichts verdient (Ausschnitt einer Bewertung).

Auch wenn jeder Verkäufer rasch sein Geld bekommen möchte und jeder Käufer sehnlich auf das Eintreffen der Ware wartet: Bitte Geduld haben. Nicht jeder, der über eBay kauft oder verkauft, ist 24 Stunden online und reagiert innerhalb von Sekundenbruchteilen nach Auktionsende mit einer Online-Überweisung oder verschickt den Artikel noch am Tag des Zahlungseingangs. Zudem können die Bank- und Postlaufzeiten sehr unterschiedlich sein und teilweise mehrere Tage dauern. 48 Stunden nach Auktionsende gleich zu mahnen, mit Weiterverkauf an einen unterlegenen Bieter und/oder negativer Bewertung zu drohen ist genauso unfair wie umgekehrt unverzügliche Nachfragen, ob oder wann denn nun der Artikel abgeschickt wurde.

Alles in allem haben Briefmarken-Auktionen im Internet gegenüber anderen Kaufalternativen viele Vorzüge: ständige Verfügbarkeit zu jeder Zeit an jedem Ort, fortwährend neue Angebote auch für den kleinen Geldbeutel und im Vergleich zu klassischen Auktionen viel geringere Nebenkosten (keine 15 % Aufgeld, Bearbeitungsgebühren etc. pp. zuzüglich Mehrwertsteuer).

Leider bietet die Anonymität des Internet aber auch Tricksern, Falschspielern und Betrügern ein ideales Betätigungsfeld, um arglose Mitmenschen zu übervorteilen. Auf einer Briefmarkenmesse, im Laden- oder Versandgeschäft würde sich hingegen niemand trauen, minderwertige oder sogar gefälschte Marken meistbietend an den Mann bringen zu wollen, es sei denn, er ist wirklich dreist. Hier aber ist die Verlockung groß, gerade solches Material abzusetzen, das unter anderen Umständen wegen offensichtlicher Mängel unverkäuflich wäre. Ist man sich dessen bewusst und entsprechend wachsam, kann man hier aber durchaus fündig für sein Hobby werden und das ein oder andere gute Stück erwerben.

P.S. Auf diesen Ratgeber bekomme ich leider eher "Nicht hilfreich"-Bewertungen. Raten Sie doch mal, von was für Leuten? :-(

Mehr nützliche (und für eBay-Trickser unliebsame) Ratgeber von mir gibt es hier.

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