Auftauen, garen, backen und grillen - Mikrowelle als Alleskönner

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Mikrowellen oder Mikrowellenherde sind aus den meisten Haushalten nicht mehr wegzudenken. Dabei können diese „Schnellkocher“ weitaus mehr als nur Lebensmittel aufwärmen oder Gefrorenes auftauen. Auch existieren über die Mikrowelle viele Gerüchte, die kaum der Realität entsprechen. Doch wie kam es, dass Sie im Handel ein Gerät erstehen können, das innerhalb weniger Sekunden Speisen wärmt, kocht oder auftaut?



Entdeckung der Mikrowellen

Die Entdeckung der Mikrowelle geht auf eine kleine Unachtsamkeit und die Radartechnologie zurück. Der US-Amerikaner Percy Spencer arbeitete nach dem Zweiten Weltkrieg an Magnetronen. Diese dienen in Radargeräten der Erzeugung der Radarwellen. Doch nach dem Krieg wurden viele Radargeräte nicht mehr benötigt und man suchte alternative Einsatzmöglichkeiten. Bekannt war, dass Magnetrone Radarwellen erzeugen und auch Wärme, aber niemand hatte eine Idee, wie man diese Eigenschaften nutzen könnte. Als der Ingenieur Percy mit einem Magnetron arbeitete, bemerkte er ein seltsames Gefühl und stellte fest, dass der Schokoriegel, den er in seiner Tasche vergessen hatte, schmolz. Percy hatte genug Erfahrung mit Patenten, so dass er sofort wusste, dass er mit diesem Phänomen einer wichtigen Entdeckung auf der Spur war.
Seine ersten gezielten Experimente führte er mit Mais durch, den er durch Mikrowellen zum Platzen brachte. Vielleicht ist das der Grund, weshalb in den USA Popcorn eines der meist zubereiteten Nahrungsmittel in der Mikrowelle ist, und im privaten Haushalt kaum andere Methoden zur Zubereitung genutzt werden. Im Jahr 1947 baute Percy schließlich den ersten Mikrowellenherd. Er hatte eine beachtliche Höhe von fast 1,8 m und brachte ein Gewicht von 340 kg auf die Waage. Seine Leistung betrug 3000 Watt und er wurde mittels Wasser gekühlt. Die ersten kommerziell nutzbaren Mikrowellengeräte kamen im Jahr 1954 auf den Markt. Sie hatten eine beachtliche Leistung von 1600 Watt und ihr Preis lag bei zwei bis dreitausend Dollar. Wirklich populär wurden in den USA die Mikrowellen in den 1970er Jahren, da hier die Preise extrem fielen. Heute besitzen in den Vereinigten Staaten von Amerika 95 Prozent aller Haushalte eine Mikrowelle. In Deutschland lag diese Prozentzahl im Jahr 2011 bei 72.

Funktion des Mikrowellenherdes

Wasser kommt in allen Lebensmitteln in größerer oder kleinerer Konzentration vor und Wasser bildet die Basis für die Funktion der Mikrowelle. Wassermoleküle sind elektrisch gesehen Dipolmoleküle. Auch andere Moleküle in Lebensmitteln sind dipolar. Das bedeutet, dass sie einen positiv und einen negativ geladenen Pol besitzen. Kommen diese Moleküle in ein elektrisches Feld, richten sie sich entsprechend dessen Ladung aus, d. h., der positive Pol bewegt sich zur negativen Seite des Feldes und der negative zur positiven Seite. Wechselt die Polarität, wie etwa bei Mikrowellenstrahlung, so ändern die Wassermoleküle ihre Richtung. Dabei reiben sie sich an anderen Molekülen und dadurch entsteht Wärme. Damit dieser Effekt möglichst gut funktioniert, sollten die Wassermoleküle eng beieinanderliegen und sich bewegen können. Das Wasser sollte also flüssig sein. Sind die Moleküle im gasförmigen Zustand, sind ihre Abstände zueinander zu groß und nur wenig Reibungswärme entsteht. Sind sie im festen Zustand – wie etwa in Eis – so können sie sich nicht bewegen, da sie in einem Gitter angeordnet sind.

Natürlich stellt sich dabei sofort die Frage, weshalb eine Mikrowelle zum Auftauen von Nahrung genutzt werden kann. Das Gefrorene bildet innerhalb kurzer Zeit Wasser auf der Oberfläche. Dieses Wasser nutzt die Mikrowelle zum Auftauen. Deshalb geben Mikrowellenherde in der Auftaustufe auch nur kurze Mikrowellenimpulse ab. Der Impuls erwärmt das Wasser, das erwärmte Wasser taut das umgebende Wasser auf und dann kann dieses wieder durch einen neuen Impuls erhitzt werden. In der Praxis bedeutet dies, dass eine höhere Leistungsstufe beim Auftauen nicht zu einem schnelleren Ergebnis führt. Mehr Leistung führt nur dazu, dass manche Teile des Nahrungsmittels bereits gar sind, während andere Teile noch gefroren sind.

Sind Mikrowellen gefährlich?

Ab und zu werden Stimmen laut, die Mikrowellenherde als gefährlich bezeichnen. Sicher ist, dass Mikrowellen Gewebe erwärmen, gerade wenn dieses schwach durchblutet ist und nicht schnell die Wärme mittels Blutkreislauf abtransportieren kann. Mikrowellenherde sind allerdings so konstruiert, dass kaum Strahlung austritt. Außerdem besitzen sie diverse Sicherheitsmechanismen, die verhindern, dass bei geöffneter Tür das Gerät in Betrieb gehen kann. Falls Ihr Gerät Beulen, Risse oder andere Schäden am Gehäuse oder der Tür hat, sollten Sie es entsorgen bzw. reparieren lassen, denn es kann sein, dass Mikrowellen aus beschädigten Herden austreten. Eine Überprüfung, ob Strahlung austritt ist nur mit einem entsprechenden Messgerät möglich. Tests mit Eiweiß in Wassergläsern oder Leuchtstofflampen und Ähnlichem funktionieren nur bei großen Lecks und sind deshalb zu unzuverlässig.

Ein Mythos ist es, dass Essen aus der Mikrowelle strahlt. Es ist genauso gefährlich bzw. ungefährlich wie konventionell zubereitete Nahrung. Auch stimmt es nicht, dass Nahrungsmittel aus der Mikrowelle weniger Nährstoffe enthalten würden. Da die Mikrowelle das Essen schneller erwärmt, werden sogar weniger hitzeempfindliche Vitamine zerstört. Gefährlich ist Nahrung aus der Mikrowelle, wenn sie zu stark erhitzt wird, sprich verbrennt. Aber auch beim konventionellen Erhitzen kann dies passieren. Generell sollten Sie keine verbrannten Lebensmittel konsumieren, da hier viele gefährliche – meist krebserregende – Stoffe entstehen.

Sicherheit der Mikrowelle

Weit verbreitet ist die Meinung, dass Metall nicht in die Mikrowelle darf. Das ist nicht korrekt, da die Mikrowelle an sich auch aus Metall ist – die Abschirmung der Mikrowellen macht das erforderlich. Wahr ist, dass dünne Metalle wie Aluminiumfolie oder Goldränder auf Tassen nicht in das Gerät gehören. In ihnen erzeugt die Strahlung einen Strom, der dafür sorgt, dass sie so heiß werden, dass sie schmelzen. Außerdem kann es zum Funkenüberschlag kommen. Dickeres Metall wie etwa Besteck wird in der Mikrowelle lediglich warm. Sie sollten darauf achten lediglich Geschirr zu verwenden, welches für die Mikrowelle geeignet ist. Hierfür eignen sich beispielsweise eine Vielzahl der Artikel von Tupperware. Für den Fall einer Überhitzung der Mikrowelle, besitzen alle Geräte einen automatischen Thermoschalter, der sie deaktiviert. Da das Gehäuse doppelwandig ist, besteht nicht die Gefahr, dass ein Brand in der Mikrowelle nach außen gelangt. Auch wenn Mikrowellen sicherer gegen Brände abgeschirmt sind als Elektro- und Gasherde, sollten Sie sich immer bei der Zubereitung von Speisen an die Informationen des Geräteherstellers bzw. bei Fertignahrung an die Zubereitungsanleitung halten.

Mikrowellen und ihre Leistung

Mikrowellen, wie sie im Handel erhältlich sind, haben unterschiedlich hohe Leistungen. Als Faustregel gilt, je höher die Leistung, desto schneller erwärmt die Mikrowelle. Das gilt allerdings nicht für Gefrorenes. Wieso dies so ist, erfahren Sie im Abschnitt „Funktion des Mikrowellenherdes“. Für den Ein- bis 3-Personen-Haushalt sind Mikrowellen mit einer Leistung von 600 bis 899 Watt oder mit 900 bis 1199 Watt üblich. Mit ihnen lassen sich Speisen ausreichend schnell erwärmen, garen und das Essen kommt für alle zügig auf den Tisch. Geräte mit Leistungen zwischen 1200 und 1499 Watt sind für größere Familien gut geeignet, da hier mehr Nahrung innerhalb kurzer Zeit zubereitet werden muss. Mikrowellen mit mehr Leistung, etwa zwischen 1500 bis 1799 oder 1800 und 2099 Watt finden in der Regel im Gastronomiebereich Anwendung, da hier die Zubereitungszeiten noch geringer ausfallen müssen als im privaten Haushalt.

Mikrowellen - Kombigeräte

Viele Mikrowellenherde sind keine reinen Mikrowellen mehr, sondern kombinieren unterschiedliche Geräte miteinander. Gängig ist etwa die Kombination mit einem Grill. Da eine Mikrowelle nicht rösten kann, kann der Grill diese Funktion übernehmen. So ist es Ihnen beispielsweise möglich, eine Pizza in der Mikrowelle zuzubereiten. Die Mikrowellen übernehmen das Erhitzen der Pizza und der Grill sorgt dafür, dass der Belag braun wird. Auch Aufläufe und Ähnliches können in Mikrowellen mit Grill gekocht werden. Neben dem Grill – der bei fast allen Mikrowellen Standard ist – gibt es auch viele Geräte, die über einen Dampfgarer verfügen. Mittels Dampfgarer lassen sich etwa Eier bequem kochen oder Gemüse und Kartoffeln sehr geschmacks- und vitaminschonend zubereiten. In Kombination mit der Mikrowelle gelingt dies dabei sehr schnell. Eine Kombination, die den Herd in der heimischen Küche ersetzen kann, ist die Mikrowelle mit Heißluft. Hierbei stellt das Gerät auch eine echte Backfunktion zur Verfügung, die durch heiße Luft realisiert wird. Eine Heißluftmikrowelle ist deshalb ideal für den kleinen Haushalt bzw. die kleine Küche, denn sie ersetzt Herd und Mikrowelle.

Aufstellung der Mikrowelle

Haben Sie eine Mikrowelle erstanden, dann heißt es, sich zu überlegen, wo das Gerät stehen soll. Die überwiegende Anzahl der Mikrowellenherde ist frei stehend und kann im Regal, auf der Arbeitsplatte oder wo auch immer aufgestellt werden. Einbaufähige Mikrowellen haben ein reduziertes Gehäuse, was es erlaubt, sie in entsprechenden Küchenschränken unterzubringen. Als besonders praktisch haben sich unterbaufähige Mikrowellen herausgestellt. Sie erlauben es Ihnen, das Gerät an einen Hängeschrank oder -regal zu montieren und sparen damit auf der Arbeitsplatte oder im Regal viel Platz.

Kochtipps für die Mikrowelle

Zum Aufwärmen von Fertiggerichten oder des Essens vom Vortag wird die Mikrowelle oft und gern genutzt, aber Sie können mit dem Gerät auch viele Gerichte schnell und einfach zubereiten. Etwa hilft die Mikrowelle dabei, Hefeteig gehen zu lassen. Bei einem Teig aus 500 g Mehl benötigen Sie nur 5 bis 6 Minuten bei 100 Watt. Auch Schokolade erwärmen – etwa als Guss für Kuchen – geht mit einer Mikrowelle sehr schnell. 100 g benötigen circa 440 Watt bei 2 bis 3 Minuten. Um 250 g harte Butter aus dem Kühlschrank schnell streichfähig zu machen, genügt es, wenn Sie diese für 30 Sekunden bei 250 Watt erwärmen.
Selbst gebrannte Mandeln lassen sich in der Mikrowelle zubereiten. Dazu geben Sie ein Päckchen Mandeln mit Haut, jeweils 4 Esslöffel Wasser und Zucker in ein Schälchen, verrühren es und stellen es für 3 mal 2 Minuten in das Gerät bei 600 Watt Leistung. Zwischendurch sollten Sie alles gut umrühren. Anschließend geben Sie die Mandeln auf ein Backpapier und lassen sie abkühlen. Für Puddingfreunde ist es sicherlich interessant zu erfahren, dass auch dieser in der Mikrowelle zubereitet werden kann. Dazu werden das Puddingpulver und der Zucker, wie auf der Packungsbeilage beschrieben, mit einem kleinen Teil der kalten Milch verrührt und anschließend in die restliche Milch in eine Schüssel gegeben. Die Schüssel kommt bei 600 Watt eine Minute in den Mikrowellenherd. Nehmen Sie dann die Schüssel heraus, rühren alles um und stellen die Schüssel wieder für eine Minute in das Gerät. Im Schnitt müssen Sie diesen Vorgang dreimal wiederholen und fertig ist der Pudding.

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