Auf die Leistung kommt es an – Netzteile richtig auswählen und installieren

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Auf die Leistung kommt es an – Netzteile richtig auswählen und installieren

Das Netzteil mag ein kaum aufsehenerregendes Bauteil eines Computers sein – seine Bedeutung ist jedoch immens. Das Netzteil versorgt nicht nur alle internen Komponenten, sondern auch die Peripheriegeräte mit Strom, bei der Auswahl eines Netzteils sollten Sie daher besonders sorgfältig vorgehen. Nicht jedes Netzteil lässt sich dabei in jedem Computer verwenden.

Bedeutung und Funktion des Netzeils

Beim Netzteil handelt es sich um eine eher unscheinbare Komponente des Computers, ihre Bedeutung ist jedoch nicht zu unterschätzen. Das Netzteil versorgt sämtliche Hardware mit Strom, ein Hochfahren des Systems ohne Netzteil ist nicht möglich. Sollte sich an diesem Bauteil ein Defekt ergeben, ist das praktisch immer damit gleichbedeutend, dass das System ausfällt. Aus diesem Grund sollten Sie bei der Auswahl dieser Komponente über das notwendige Hintergrundwissen verfügen, damit Sie eine verlässliche Entscheidung treffen können.

Eine ausreichende Stromversorgung ist jedoch nicht nur zwingende Voraussetzung für den Betrieb eines Computers, sie trägt auch zur Stabilität des Systems bei. Häufig kommt es bei Computer-Systemen zu unerklärlichen Abstürzen, zu Bluescreens und ähnlichen Ausfällen, die nur in den seltensten Fällen dem Netzteil zugerechnet werden. Tatsächlich kann eine schwankende oder in anderer Hinsicht unzureichende Stromversorgung jedoch dazu führen, dass das System nicht mehr zuverlässig funktioniert. In einem solchen Fall sollten Sie unbedingt das Netzteil prüfen und gegebenenfalls einen Austausch vornehmen.

Neben der Stromversorgung kann das Netzteil weitere wichtige Aufgaben übernehmen. Dazu gehört etwa die Steuerung der Gehäuselüftung, was auch als PWM bzw. Powermanagement bezeichnet wird. Das Netzteil reguliert selbstständig, wie schnell die Lüfter arbeiten sollen, damit sich eine angemessene Systemtemperatur ergibt. Zudem verfügen fast alle Netzteile über einen eigenen Lüfter, der zumeist in der Größe von 120 mm ausgeführt ist. Wird das Netzteil direkt über dem Mainboard und damit über dem CPU-Sockel verbaut, kann das Netzteil zu einer schnellen Abführung der heißen Luft beitragen. Ein ATX-PC-Netzteil hat hierfür auf seiner Rückseite ein Lüftergitter, durch welches die Luft sofort aus dem Gehäuse geleitet wird.

Das passende Netzteil für Ihren PC

Für jedes Computer-System benötigen Sie ein passendes Netzteil. Der Formfaktor des Netzteils folgt dabei dem Formfaktor des Gehäuses, in dem Sie das Netzteil verbauen möchten. Sollte es sich bei Ihrem Computer um ein großes Gehäuse im ATX-Faktor handeln, werden Sie auch ein entsprechendes ATX-Netzteil verbauen wollen. Entsprechend stehen für die kleineren Formfaktoren auch Micro-ATX-Netzteile und Mini-ATX-Netzteile zur Verfügung. Grundsätzlich können jedoch alle Netzteile in Ihrem Computer eingesetzt werden, sofern sie sich einbauen lassen. Die Unterscheidung in verschiedene Formfaktoren bedeutet bei Netzteilen zumeist lediglich, dass die Netzteil-Gehäuse eine anderen Form haben und zum Beispiel im Falle der Micro-ATX-Versionen kompakter gebaut sind. Hinsichtlich der Anschlüsse bestehen keine Unterschiede, so dass die verschiedenen Netzteile durchaus untereinander austauschbar sind.

Wichtiger sind die ATX-Spezifikationen, die bestimmen, welche Anschlüsse Ihnen zur Verfügung stehen. Hier sind Spezifikationen wie ATX 2.0, ATX 2.4 oder EPS12V zu unterscheiden. EPS12V zum Beispiel bietet Ihnen einen zusätzlichen 12-Volt-Anschluss, der bei einigen Mainboard-Varianten benötigt wird. Neuere Spezifikationen mit einer höheren Versionsnummer sind in Hinblick auf die Kompatibilität grundsätzlich vorzuziehen, sie werden jedoch nicht in jedem Fall zwingend benötigt. Suchen Sie zum Beispiel einen Ersatz für ein altes Netzteil, kann auch eine ältere Spezifikation ausreichend sein.

Leistung von Netzteilen

Eines der wichtigsten Kriterien beim Kauf von Netzteilen ist sicherlich die Leistung. Diese wird in Watt angegeben und kann von 400 Watt und weniger bis hin zu 1.000 Watt und mehr reichen. ATX-Netzteile mit 500 Watt oder 750 Watt sind hingegen eher im mittleren Bereich angesiedelt. Welches Netzteil mit welcher Leistung dabei für Sie das Richtige ist, hängt vor allem von der CPU und der Gesamtheit der Erweiterungskarten und Laufwerke ab. Die Leistungsstärke der CPU gibt einen ersten Hinweis, wie viel Watt das Netzteil aufweisen sollte. Ein Dual-Core-Prozessor kann bereits mit einem 400-Watt-Netzteil stabil betrieben werden, während eine übertaktete Quad-Core-CPU deutlich leistungshungriger sein wird.

Ebenso wichtig ist jedoch auch der Strombedarf der übrigen Komponenten. Gerade HDD-Festplatten können sehr stromhungrig sein, wenn Sie eine große Anzahl dieser Laufwerke in Ihrem Computer verbaut haben. Besonders stromintensiv können auch Grafikkarten sein, andere Erweiterungskarten wie Soundkarten oder Netzwerkkarten haben hingegen in der Regel kaum einen Einfluss auf den Strombedarf.

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Einbau eines Netzteils

Der Einbau eines ATX-SATA-PC-Netzteils erfolgt in zwei Schritten. Zuerst muss das Netzteil in den dafür im Gehäuse vorgesehenen Bereich verschraubt und danach mit dem Mainboard verbunden werden. Die Schrauben hierfür liegen zumeist dem Netzteil selbst bei, sollten jedoch auch bei der Ausstattung des Mainboards vorhanden sein. Die Verschraubung muss sehr gründlich vorgenommen werden, da das Netzteil in vielen Gehäusen frei hängt und sich direkt über dem Mainboard mit seinen empfindlichen Bauteilen befindet.

Der schwierigere Teil des Einbaus beginnt jedoch bei der Verkabelung mit dem Mainboard. Zuerst sollte der große 20- bzw. 24-Pin-Konnektor mit dem Mainboard verbunden werden. Erst danach sollten Sie Kabel wie den 4-Pin-ATX12V-Stecker oder den 8-Pin-EPS12V-Stecker anschließen. Nicht bei jedem Mainboard ist jeder Stromanschluss vorhanden, alle vorhandenen Anschlüsse sollten jedoch nach Möglichkeit belegt werden.

Weitere Stromanschlüsse stehen für die Laufwerke wie die Festplatten und DVD-Laufwerke und -Brenner zur Verfügung sowie für die Grafikkarte. Leistungshungrige Grafikkarten können in einigen Fällen mehrere Stromanschlüsse aufweisen, die alle belegt sein müssen. Die Laufwerke wie Festplatten haben stets nur einen Stromanschluss für einen SATA- bzw. IDE-Stromstecker.

Netzteile mit Kabelmanagement

Aufgrund der Vielzahl an Stromverbindungen im Tower kann es leicht zu einem Durcheinander von Kabeln kommen. Das größte Problem stellen hier aber häufig gerade nicht jene Kabel dar, die mit den Komponenten verbunden wurden, sondern die nicht genutzten Kabel. Für Letztere muss ein Platz im Gehäuse gefunden werden, wo diese abgelegt werden können – was in der Praxis bei den beengten Platzverhältnissen im Inneren des Computers häufig schwierig ist. Hier ist ein Kabelmanagement von großem Vorteil, bei dem die nicht benutzten Stromkabel einfach vom Netzteil getrennt und beiseitegelegt werden können. Nicht alle Netzteile bieten diese Möglichkeit, dabei handelt es sich hierbei um ein besonders wertvolles Ausstattungsmerkmal. Je nach Hersteller sind diese abnehmbaren Anschlüsse technisch anders ausgeführt, funktionieren aber grundsätzlich ähnlich und sind sehr einfach zu verwenden.

Zertifikate bei Netzteilen

Bei der Auswahl eines geeigneten PC-Netzteils spielen auch die verschiedenen Zertifikate eine wichtige Rolle. Die Zertifikate geben Ihnen als Käufer Hinweise darüber, wie energieeffizient die Komponenten arbeiten und welche Leistung Sie von ihnen erwarten können. Zu unterscheiden sind hier die sechs 80-PLUS-Zertifikate, die unterschiedliche Mindestwirkungsgrade für die Eingangsspannung mit 115 Volt und 230 Volt angeben.

Der Standard 80 PLUS Bronze bspw. sieht einen Wirkungsgrad von 81 Prozent vor bei einer Eingangsspannung von 230 Volt unter Volllast. Der Standard 80 PLUS Titanium hingegen erreicht hier bereits einen Wirkungsgrad von 91 Prozent. Der Wirkungsgrad gibt an, wie viel Leistung bei der jeweils aufgenommenen Strommenge tatsächlich für die Komponenten im Computer verwertet werden kann. Die Zertifikate zeigen also an, wie stromsparend ein Netzteil arbeiten kann: Bei einem höheren Wirkungsgrad wird ein Netzteil bei gleicher erforderlicher Leistung weniger Strom aufnehmen müssen.

Aus diesem Grund sollten Sie sich nach Möglichkeit für ein möglichst hochwertiges Zertifikat bei Ihrem Netzteil entscheiden. Das kleinste Zertifikat ist 80 PLUS gefolgt von 80 PLUS mit den Zusätzen Bronze, Silver, Gold und Platinum sowie Titanium. Neben diesen Zertifikaten wird bei Netzteilen häufig auch die durchschnittliche Effizienz angegeben. Gute Werte beginnen hier bei 80 Prozent, bei Spitzenprodukten kann eine Effizienz von 90 Prozent oder mehr erreicht werden.

Lautstärke und Größe der Netzteile

Beim Einbau eines neuen Netzteils sollten Sie nicht unterschätzen, dass auch diese Komponente durchaus eine hohe Geräuschentwicklung mit sich bringen kann. Das ist gerade dann ein Problem, wenn es sich um einen Bürorechner handelt, an dem ein ungestörtes Arbeiten möglich sein soll. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Netzteile aufgrund der elektrischen Komponenten ein Summen von sich geben, und zum anderen ein Lüfter verbaut wird, der die Temperatur des Netzteils regulieren muss. Aus diesem Grund lässt es sich kaum vermeiden, dass mit dem Betrieb eines Netzteils eine gewisse Geräuschemission verbunden ist. In Silent-Netzteilen finden Sie jedoch auch Alternativen.

Silent-Netzteile besitzen einen anderen Aufbau als konventionelle Netzteile und verfügen über keine aktive Kühlung. Stattdessen werden passive Kühlkörper verbaut, die die entstehende Hitze direkt ableiten. Ein solches Netzteil ist häufig aus einem geschlossenen Gehäuse nicht mehr herauszuhören und kann in einigen Fällen vollkommen lautlos arbeiten. Damit sind diese Netzteile sehr gut geeignet für alle Silent-Computer und eine sinnvolle Ergänzung zu leisen Wasserkühlungen.

Beachten sollten Sie jedoch, dass diese Netzteile häufig eine etwas geringere Leistung aufweisen als aktiv gekühlte Komponenten. Ohne eine aktive Kühlung ist es schwierig, das Hitzeproblem unter Kontrolle zu bekommen, so dass der Einsatzbereich dieser Netzteile nicht so groß ist wie bei konventionellen Komponenten. Zudem sollten Sie bedenken, dass diese Netzteile komplexer aufgebaut und damit in der Anschaffung teurer sind.

Falls Sie auf ein aktiv gekühltes Netzteil aus Leistungsgründen nicht verzichten möchten, sollten Sie darauf achten, dass der Lüfter einen nicht zu kleinen Durchmesser hat. Bei gleicher Leistung sind kleinere Lüfter deutlich lauter als größere Lüfter, weshalb Sie Letzteren stets den Vorzug geben sollten. Wenn es die räumlichen Gegebenheiten in Ihrem Computer zulassen, sollten Sie daher möglichst einen Lüfter mit 120 oder 140 mm verbauen. Kleinere Lüfter mit 80 mm oder weniger sind hingegen in der Regel deutlich lauter.

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