Antiquarische Bücher

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Es werden einige praktisch verwertbare Regeln zum Verkaufen von antiquarischen Büchern bei ebay gegeben - in Thesenform, es darf darüber gestritten werden.

1.
Beginnen wir gleich mit einem heißen Eisen: Ist es sinnvoll für den Verkäufer alter Bücher, seine Ware zum legendären 1 Euro bei ebay einzustellen? Klare Antwort - immer dort, wo wir erwarten dürfen, daß der Käufer den Wert des Buches ungefähr  k e n n t  und ihn einzuschätzen weiß, dort mag man getrost die 1 Euro-Regel anwenden. Dies gilt einmal für alle  S a m m e l -Gebiete, von Baedekern über Militaria bis zu Modeheften mit Strickmusterbögen, Mathematik, Jugendbewegung oder Philosophie. Wo aber ein Gebiet sehr groß ist, etwa bei der Theologie, oder ein notorischer Mangel an Sammlern zu beobachten ist - Stichworte Goetheana, klassische Dichter überhaupt, Volkswirtschaft, Jura - , dort sollte der kluge Verkäufer einen Richtpreis festsetzen.

Was ist nun ein beliebtes, gefragtes Sammelgebiet? Am besten weiß das der Buchantiquar, der einen Laden geführt hat oder noch führt, denn die Kunden suchen "immer dasselbe" und ihre beständigen Fragen "haben Sie nichts neues in Philosophie hereinbekommen" prägen sich ein. Die Verkaufs- bzw. Angebotszahlen bei ebay, auf die Rubriken bezogen, sind keine guten Anhaltspunkte. Weitaus informativer ist die Zahl der Kunden, die einen Titel vor der Versteigerung "beobachten".

2.
Gibt es keine Hinweise darauf, daß die gierigen Käufer schon selber unter sich den richtigen Preis aushandeln werden, stellt man im ZVAB den ungefähren Verkaufswert im Antiquariat fest. Es gibt zu dieser Bücherdatenbank keine wirkliche Alternative, allenfalls Eurobuch kann ergänzend hinzugezogen werden. Nun gilt es, dort aus den in der Regel recht zahlreichen Exemplaren, die von den Antiquaren zum Festpreis angeboten werden, einen  M i t t e l p r e i s  zu bilden. Erhaltung und Einbandart sind zu berücksichtigen - seit einiger Zeit findet sich dort auch unglaublicher Schrott, der den Versand nicht wert ist.

Es hat sich mir bewährt - aber ich will das keinem als Patentrezept aufschwatzen -, Titel außerhalb der beliebten Sammelgebiete zur  H ä l f t e  des mittleren ZVAB-Preises als Startpreis bei ebay einzustellen. Dabei sollten Erhaltungsmängel aller Art beim eigenen Exemplar grundsätzlich zu radikalen Preisermäßigungen führen. Bei diesem Preisansatz ist die Rückgangsquote 40-60 % und man erreicht 50-65 % des mittleren ZVAB-Preisansatzes.

3.
Das Einstellen von Bildern wird viel zu sparsam gehandhabt. Das ist nicht recht einzusehen, denn die Mühe der Titelaufnahme, die schauerlichen Eingabe- und Hochladeprozeduren bei ebay sind so zeitaufwendig, daß man das Fotografieren auch noch in den Griff bekommen sollte. Ich rate grundsätzlich zu  S c a n s, wobei man sich um einen sehr schnellen Scanner bemühen sollte. Das kann auch ein antiquarisches Modell sein, ich arbeite mit einem 7 Jahre alten Epson, für den ich eine eigene große Karte in meinen Computer einbauen mußte, wie im Mittelalter, und erreiche unter Windows ME Scanzeiten, die absolut traumhaft sind. Das kann sich jeder leisten! Neben dem Einband sollten 2-3 aussagekräftige Inhaltsseiten gezeigt werden, mit Abbildungen, Plänen, Tabellen, nicht unbedingt das Titelblatt (ein verbreiteter Fehler bei der Bildauswahl - Titelblätter sagen meist nicht viel aus).

Höherwertige Bücher ab etwa 20 Eur Startpreis haben in der Regel das Bilderpaket mit XXL-Funktion verdient, es zahlt sich aus, da der Käufer nun einmal gern "Bilder gucken" möchte. - Die latente, stets ärgerliche Unschärfe der Digitalkamera im Gegensatz zur unerbittlichen Beweiskraft des Scanners machen den Wechsel hin zum Scanner leicht.

4.
Wer beim Text noch Zeit und Lust hat, zu plaudern, der mag das tun, es liest sich immer nett. Mir ist inzwischen im unerbittlichen Zeitstreß die anfängliche Munterkeit etwas verlorengegangen, ich bin kurz und knapp geworden und denke, daß das auch in Ordnung ist. Die üblichen ebay-Phrasen übrigens gehen einem nach kürzester Zeit auch sprachlich so auf den Wecker, daß man "bestens" , "top" oder andere Schrecklichkeiten für immer aus dem Wörterbuch streicht.

Die Titelaufnahme sollte schlicht und ergreifend das beinhalten, was auf dem Titelblatt steht. Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich sage - und ausdrücklich dazu rate -, daß ich/man die reine Titelei aus dem ZVAB- oder irgendwelchen Bibliothekseinträgen einkopiert. Es gibt ehrpusselige Kollegen, die mich für derlei Ratschläge als verkommenen Auswurf unseres Büchergewerbes tituliert haben, seis drum, ich bleibe dabei. Es ist in Ordnung, bereits von anderen geleistete Titelaufnahmen einzukopieren. Man nimmt ihnen damit nichts, eine schöpferische Leistung ist das Titelschreiben auch nicht. Nur was im ZVAB fehlt, was auch die Deutsche Staatsbibliothek Berlin und die Deutsche Bücherei Leipzig nicht im OPAC-Katalog haben, das schreibt man in Gottes Namen geduldig selber ab.

5.
Den meisten Ärger beim Verkauf gibt es in der Frage der Erhaltungszustände. Auch für das sehr alte Buch ist der Maßstab zunächst das ladenfrische neue Buch. Ist es nicht mehr ladenfrisch, dann hilft kein Herumschwadronieren von "Patina", "antik" und was dergleichen Lügerei mehr sein mögen - dann muß mans schreiben. Sehr oft ist der Rücken berieben, das Buchinnere nicht ganz fleckenfrei, der Buchschnitt etwas angestaubt - - schreiben! Daß man die Tafeln auf Entnahme hin nachzählt, Einrisse erwähnt, das ist klar. Von Erhaltungsnoten 1-6, einst mein Steckenpferd, bin ich ganz abgekommen, seit ich erfahren habe, welcher Schindluder inzwischen mit "meinem" Schulnotensystem betrieben wird.

6.
Bei alten Büchern vermag ich nicht recht einzusehen, was es bringen soll, sie längere Zeit einzustellen - 3 Tage sind, wie Strafrichter zu formulieren pflegen, "erforderlich, aber auch ausreichend". Nur nie die ebay-Grundregel vergessen, daß immer ein Sonntag mit dabei sein sollte und die Verkaufszeit zwischen 15 und 20 Uhr liegen muß.

7.
Zur Frage der ebay-Kategorien im Bereich der antiquarischen wie auch der neuen Bücher kann ich mich hier nicht äußern, um meiner Gesundheit willen - der Arzt hat mir Aufregungen verboten. Machen Sie es wie ich - nehmen Sie das unglaubliche Flickwerk der Kategorien als das hin, was es ist, eine peinliche Fehlleistung voller Überraschungen, und denken Sie daran, Ihre Titel wo immer sinnvoll auch außerhalb der reinen Buchkategorien anzubieten, bei "Sammeln", bei der "Wirtschaft" usw.  - Doppeleinstellungen in zwei Kategorien haben sich mir  immer  s e h r  bewährt. Es ist ein teurer Spaß, aber fast immer lohnt es sich.

Zum Kennenlernen der ebay-Kategorien müssen Sie sehr viel Zeit mitbringen. Das wäre übrigens nicht viel anders dann, wenn wir die braven Kategorien etwa der Öffentlichen Bibliotheken (Stadtbüchereien) hätten, die ich von Anfang an hier gefordert habe. Zum schnellen Arbeiten muß man Kategorien in jedem Fall einüben wie Klavierspielen oder Autofahren.

8.
Im Versand sehe ich recht oft wunderschöne Spezialpappen, die ein Buch angeblich perfekt schützen (sollen). Mag sein - aber jede Lust daran vergeht dem ebay-Verkäufer dann, wenn er erfährt, daß die Transportpappe dergestalt das Dreifache der braven Luftpostertüte kostet. Das ist nicht sinnvoll! Man sorge dafür, daß die Luftpolstertüte im Format halbwegs zum Buch paßt, es sollte locker hineingleiten, aber nicht viel Spielraum drin haben, dann kommt das Buch schon auch gut an. Im großen Schreibwaren-Versandhandel, wo alle Firmen kaufen - aber nur dort - sind gute Polstertaschen sagenhaft billig.

In einem zweiten Teil gehe ich auf weitere Fragen ein.




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Buch

Antiquitäten

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