Antiquariat und Antiquitätenhandel---neue Nachbarschaft

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Werter Bucherfreund, werter Antiquitätensammler,

dieser neue Pansgarten-Ratgeber handelt vom Verhältnis zwischen dem klassischen Antiquariat und dem allgemeinen Kunst- und Antiquitätenhandel.

Seit geraumer Zeit wird der Typus des klassischen antiquarischen Fachsammlers immer mehr von einem Sammlertypus abgelöst, den ich als Einrichtungssammler oder Spitzenlossammler bezeichnen würde.

Der Apotheker, der eine pharmazeutische Bibliothek aufbauen möchte, oder der praktizierende Arzt mit medizinhistorischer Privatbibliothek gehören einer schönen, aber fremden Vergangenheit an. Auch keinem Gymnasiallehrer oder Pfarrherren und selbst kaum mehr einem Professor würde es heute noch einfallen, eine humanistische Büchersammlung oder eine botanische oder entomologische Sammlerbibliothek zu begründen. Alle diese traditionellen Berufsstände haben einen enormen sozialen Ansehensverlust erfahren, und haben in ein hektisches Tagesgeschäft ausweichen müssen, in dem die Ruhe der alten Bücher keinen Platz mehr findet.

Hingegen finden wir eine immer stärker werdende Interessentenschar bei den Einrichtungskäufern, also jener Käufer, die antiquarische Bücher als Teil des allgemeinen Handels mit alter Kunst erleben. Dieser Sammlertypus erwirbt ein antiquarisches Buch ebenso wie ein Gemälde, ein Kabinettschränkchen, eine Elfenbeinarbeit usf. Eine im grunde genommen, sehr schöne und ausgewogene Art zu sammeln, da sie sich selbst nicht künstlich auf ein vordefiniertes Gebiet beschränkt, sondern aus den unterschiedlichsten Realisationsformen der Kunst auswählt.

Diese Verschiebung in der Sammelstruktur hat jedoch zur Folge, dass die Ansprüche an das antiquarische Buch immer höher werden, da ja keine kompletten Fachgebiete mehr abdeckt werden, sondern höchst ekklektizistisch ausgewählt wird:

z. B. das schönste illuminierte Tafelwerk des Rokoko, aber nur wenn in einem prachtvollen originalen Meistereinband und im Vorzugskolorit der Originalzeit vorliegend...usf...

Solche Verschiebungen in der Struktur des Sammelns bedingen auch eine neue Psychologie des antiquarischen Büchersammeln. War dieses früher meist auf die Vollständigkeit eines besammelten Gebietes ausgelegt, verstärkt sich heute der Focus immer mehr auf die Erlesenheit des individuellen Exemplares.

Die Zukunft gehört also einer engen Verzahnung und Nachbarschaft zwischen Alter Kunst und Antiquariat, da das alte, kostbare und erlesene Buch immer mehr zu einem Gesamtkunstwerk an sich aufsteigt, eine Sichtweise, die sich in naher Zukunft immer mehr verstärken und verbreiten wird, und sicher auch organisatorisch erhebliche Auswirkungen auf den Handel haben wird.

Bitte beachten Sie auch meine anderen Pansgarten-Ratgeber für das Antiquariatswesen!

Mit bibliophilem Grusse aus Pansgarten!

 

 

 

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