Antike Projektoren und passende Leinwände – so wird Großvaters Filmsammlung lebendig

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Antike Projektoren und passende Leinwände – so wird Großvaters Filmsammlung lebendig

Heutzutage bedeutet es keinen großen Aufwand mehr, im privaten Rahmen Filme vorzuführen. Es dauert nicht lange, bis eine Leinwand installiert, der Computer eingeschaltet und ein entsprechender Beamer in Gang gesetzt ist. Und kurz darauf flimmern die bewegten Bilder auf der weißen Fläche.
Wie so vieles ist auch die private Filmvorführung heute anders als die, die unsere Großeltern noch zelebrierten. Wenn allerdings ein Filmvorführgerät zum Vorführen der alten Schmalfilme vom Speicher geholt wird, ist sofort eine andere Atmosphäre im Raum. Die Zeitmaschine ist bereit, alle Anwesenden befinden sich auf dem Weg in die 60er- oder 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Die historische Entwicklung des Schmalfilms

Das bevorzugte filmische Medium für die Vorführung in den eigenen vier Wänden war der Schmalfilm. Mit dem 1889 von der Firma Kodak hergestellten transparenten Film auf der Grundlage von Nitrozellulose begann seine Entwicklung. Dieser Film war der Vorläufer des in den folgenden Jahren erschienen Schmalfilms. Kodak stellte 1908 den ersten Sicherheitsfilm auf Azetatzellulose-Basis vor. Mit dieser Entwicklung schuf der amerikanische Konzern die Voraussetzung zur sukzessiven Abschaffung der feuergefährlichen Träger aus Nitro-Film.
Kodak präsentierte 1923 den 16-Millimeter-Umkehrfilm auf Sicherheitsunterlage und stellte 1932 den Doppelachtfilm vor, der durch Teilung des 16-Millimeter-Films entstanden war und durch diese Voraussetzung erheblich wirtschaftlicher und für den Markt der Hobbyfilmer interessanter wurde. Auf diese Weise verbreitete sich das Filmen auch im Amateurbereich. Kodak stellte der Öffentlichkeit 1935 den ersten 16-Millimeter-Umkehrfarbfilm vor, der ein Jahr später auch in der 8-Millimeter-Ausgabe und als Kleinbildfilm dem Publikum präsentiert wurde. Darüber hinaus startete Kodak 1964 das damals neuartige Super-8-Programm und begann 1965 mit der Auslieferung an den Handel. In den darauf folgenden 70er-Jahren, also vor dem eigentlichen Beginn der Videotechnik im Amateurbereich, war der Schmalfilm vor allem bei Hobbyfilmern das beliebteste Medium für bewegte Bilder. Abseits des Freizeitbereichs wurden auch sogenannte B-Movies mit Schmalfilm hergestellt.

Formate des Schmalfilms, die auch heute noch verwendet werden

Single-8: Dieses Format befindet sich seit 1965 auf dem Markt. Es hat die gleichen Maße wie das Super-8-Format und ist, nachdem die Entwicklung des Films stattgefunden hat, ohne Einschränkung auf Super-8-Projektoren zum Vorführen bereit. Allerdings werden andersartige Kassetten für die speziellen Kameras und eine andere Filmunterlage benötigt. Bei diesem Format sind im Gegensatz zur Super-8-Kassette der Filmrücklauf und auch das Rückspulen erlaubt. Darüber hinaus ist die Filmandruckplatte ein Bestandteil der Kamera. Auch ist es möglich, zwei unterschiedlich breite Magnettonpisten aufzubringen.

Doppel-8: Dieses Format wird international als „Double 8" bezeichnet, die Abkürzung lautet „D-8". Das Doppel-8-Format darf nicht verwechselt werden mit dem Consumer-Videoformat „Digital8" und wird nach der Entwicklung zu einem Normal-8-Film. Das Doppel-8-Format weist eine Breite von 16 Millimeter auf, wobei beide Ränder des Films perforiert sind. Anfangs wird die eine Hälfte des Filmes belichtet, danach im Rücklauf die andere Hälfte. Der Bildstrich entspricht einem Loch der Perforation. Nachdem der Film entwickelt ist, wird der Film längs in zwei 8 Millimeter breite Streifen zerteilt. 1932 wurde das Format auf dem Markt eingeführt und ist nicht kompatibel mit Doppel-Super-8, genauso wenig wie Normal-8 mit Super-8. Bei diesem Format können ebenfalls zwei unterschiedlich breite Magnettonpisten aufgebracht werden.

Super-8: Dieses Format wird unter der internationalen Abkürzung S-8 vertrieben. Es weist eine Breite von 8 Millimetern auf, wobei lediglich ein Rand des Films perforiert ist. Verglichen mit dem Normal-8-Format ist das Loch für die Perforation deutlich kleiner. Der Bildstrich liegt genau zwischen zwei Löchern der Perforation. Die Maße des Bildfeldes betragen 5,46 × 4,01 Millimeter. Auf dem Film können wiederum zwei Magnettonpisten von unterschiedlicher Breite aufgebracht werden. Kopien können gegebenenfalls auch mit Licht-Ton hergestellt werden. 1964 wurde das Format erstmals auf der Photokina und 1965 auf der IPEX präsentiert.

Doppel-Super-8: Dieses Format gibt es seit 1966 zu kaufen. International wird es auch als „Double-Super-8" oder „DS-8" bezeichnet. Seine Breite beträgt 16 Millimeter, wobei beide Ränder des Films perforiert sind. Das Format wird wie der herkömmliche Doppel-8-Film eingesetzt und weist eine Super-8-Perforation auf. Wie der Single-8 stellt der Doppel-Super-8 eine interessante Alternative dar, um die technischen Nachteile der Super-8-Kassette zu vermeiden.

16 mm: Das Format wurde 1923 eingeführt. Die Breite beträgt 5/8 Zoll, entsprechend 15,875 Millimeter, die Basisdaten des Einzelbildes sind 0,3 x 0,4 Zoll. Zu Beginn war der Film bei diesem Format auf beiden Seiten perforiert, allerdings ist der 16-Millimeter-Film auch nur mit einer Lochreihe erhältlich. Der 16-Millimeter-Film ist weltweit das am weitesten verbreitete halbprofessionelle Filmformat mit erheblichen Möglichkeiten. Fernsehsendungen wurden beispielsweise vor dem Aufkommen der Videorecorder in diesem Format aufgezeichnet. In diesem Format wurden bis zur Einführung der professionellen Camcorder in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts alle Fernsehreportagen hergestellt.

9,5 mm: Dieses Format wurde auch „Pathé-Baby-Film" bezeichnet. Seine Breite beläuft sich auf 9,525 Millimeter, wobei die Perforation in der Mitte des Films liegt. Der 9,5-Millimeter-Film hat mit 72 Prozent die größte Ausnutzung des Materials aller Filmformate. Ein weiterer Vorteil ist darin zu sehen, dass durch den breiten Bildstrich unsichtbare Klebestellen angebracht werden können. Die Größe des Bildes und damit auch die Auflösung sind ähnlich dem 16-Millimeter-Film. Allerdings sind die Kameras zum Teil wesentlich handlicher als 16-Millimeter-Geräte. Zwei Magnet-Tonspuren sind möglich. Kopien konnten teilweise auch mit Licht-Ton produziert werden. Der 9,5-Millimeter-Film wurde von den sich in den folgenden Jahren etablierenden Formaten 8 und 16 Millimeter verdrängt und besitzt heute lediglich noch in Frankreich und England eine gewisse Verbreitung. Das ursprüngliche 9,5-Millimeter-Format wurde nach der französischen Firma Pathé benannt. Es befindet sich seit Dezember 1921 in Form von käuflichen Kopien zum Pathé-Baby-Projektor im Handel. 1922 konnte die erste Pathé-Baby-Kamera zusammen mit Roh-Film käuflich erworben werden.

Die Leinwand, unentbehrliches Utensil für die Filmvorführung

Eine Projektionswand, Bildwand oder auch kurz Leinwand dient der Betrachtung des bewegten Bildes und ist eine flach geformte oder gekrümmte Auffangfläche. So genannte Auflicht-Bildwände weisen eine diffus streuende Reflexion auf, sogenannte Durchlicht-Bildwände, für die Rückprojektion eingesetzt werden, eine diffus streuende Transmission. Für den Betrachter wird die Leuchtdichteverteilung einerseits von der Bildwand bestimmt, andererseits wird sie jedoch auch vom Projektor beeinflusst. Eine Projektion mit einem größeren Projektionsabstand und einer längeren Brennweite trifft die Seiten der Bildwand senkrechter. Durch diesen Umstand ist der Abschwächung der Leuchtdichte für den seitlichen Betrachter geringer. Die Bildwand wird durch den Lichtstrom des Projektors erhellt. Um eine zufriedenstellende Erkennbarkeit des Bildes zu gewährleisten, muss die Beleuchtungsstärke des projizierten Bildes mindestens fünfmal höher sein als die Beleuchtungsstärke des Nebenlichtes auf der Bildwand. Um Verzerrungen des Bildes zu vermeiden, sollte der Bildprojektor, egal ob es sich um einen Dia-, Video- oder Kinoprojektor handelt, mittig zur Projektionsfläche ausgerichtet sein. Einige Projektoren sind mit Korrekturmöglichkeiten für diese Verzerrungen ausgestattet.

Die optimale Größe der Leinwand für das jeweilige Zimmer

Die Größe der Bildwand sollte auf die jeweilige Raumgröße ausgerichtet werden, genauer gesagt geht es um den optimalen Abstand des Betrachters. Der Zuschauer sollte auch aus einer größeren Entfernung alle Details noch gut erkennen können. Demgegenüber sollte ein Betrachter in den vorderen Sitzreihen aus einem kurzen Abstand das Geschehen noch als Ganzes erfassen können. Aus diesem Grunde wird die Größe der Leinwand vom größten Abstand des Betrachters bestimmt, dagegen sollte der kürzeste Betrachtungsabstand durch die Anordnung der Plätze der Zuschauer berücksichtigt werden. Als Faustregel gilt hierbei: Der größte Abstand des Betrachters entspricht der sechsfachen Bildwandbreite, der kleinste Abstand der Zuschauer entspricht der eineinhalbfachen Breite der Projektionsfläche. Diese Angaben zum kleinsten und größten Abstand des Betrachters gelten für das sogenannte Normalformat von etwa 2:3 oder 3:4. Für das Breitwandformat raten Experten zu einer normierten Breite von b = 1,33 h. Eine sichere Erkennbarkeit der kleinsten Details ist in dem Falle gegeben, wenn auf der Projektionsvorlage die Bedingungen nach DIN 19045 eingehalten sind.

Ist vorgesehen, eine Leinwand für unterschiedliche Projektionsarten zu verwenden, ist eine quadratische Wand zweckmäßig. Auf eine solche Fläche können sämtliche Formate, verschiedene Film- und TV-Formate, vom Dia, hoch und quer sowie Overhead-Formate projiziert werden. Es besteht die Möglichkeit, eine Rollwand für die Projektion von rechteckigen Formaten nicht ganz auszufahren. Zum einen soll eine Auflicht-Bildwand ein hohes Reflexionsvermögen aufweisen, zum anderen das Licht gleichmäßig auch an die seitlichen Plätze für die Betrachter verteilen. Gefordert sind eine gute Leuchtdichteverteilung sowie eine ausreichende Leuchtdichte. Ferner müssen die Reflexionen diffus sein, um Hotspots zu vermeiden. Die Bildwand ist nur ein Bestandteil aus dem Bereich der Projektion. Beginnend beim menschlichen Auge mit seiner geringsten Auflösung über die Gestaltung der zu projizierenden Filme über den Projektor mit einem zur Raumgröße passenden Lichtstrom und der Gestaltung des Betrachter-Raumes ist ein optimaler Erfolg nur durch ein aufeinander abgestimmtes System zu erreichen. Nostalgische Filmvorführungen entfalten ihren Reiz erst dann, wenn auch Großvaters Projektor und Leinwand verwendet werden.

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