Antike Bücher bei Ebay

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Kaum eine Kategorie Antiquitäten ist für Fachleute schon allein anhand von Bildern so sicher zu beurteilen wie antike Bücher. Ein komplettes Buch zu fälschen wäre viel zu aufwändig, viel zu komliziert und viel zu teuer, teurer als ein gedrucktes Original es wohl wäre. Mittelalterliche Handschriften wollen wir hier einmal vorne vor lassen, gebundene Exemplare dieser raren Gattung werden wohl nur höchst selten ihren Weg zu Ebay finden.  

Jeder Liebhaber alter Schriften kann auf anhand von Bildern erkennen, ob das Papier alt, das Druckbild zur angegebenen Entstehungszeit passt und überhaupt das Buch in sich stimmig ist. Fachleute haben auch einen sehr guten Überblick über die aktuellen Marktpreise und können sehr leicht abschätzen, welches Buch man hier gut kaufen und noch am selben Tag mit hohem Gewinn weiterverkaufen kann.

Wertbildend bei antiken Büchern ist insbesondere die Vollständigkeit, bei der man sich auf die Angaben des Verkäufers verlassen muss und die, wenn nicht gegeben aber im Verkaufstext zugesagt, einen eindeutigen Mangel und Berechtigung zur Rückabwicklung eines Kaufs darstellt. Zur Vollständigkeit gehört unbedingt das Titelblatt und, wenn es einmal vorhanden war, das Frontispiz, also die erste Zierseite mit Autorenportrait ec, die aber längst nicht bei allen Büchern üblich war und auch nicht immer allen Ausgaben ein und desselben Werkes beigebunden wurde. Viele Bücher erschienen auch in abgespeckten, sprich billigeren Ausgaben. Ursprünglich hatte der Verleger nämlich einen sehr gefährlichen und riskanten Beruf: Er druckte Bücher im Voraus, ließ sie binden und versuchte dann, sie auf Messen wie Frankfurt und Leipzig zu verkaufen. Er musste also ganze Wagenladungen möglicherweise nicht den Geschmack des Publikums treffender Bücher durch die Gegend fahren. Einzelne Auflagen, die zu teuer ausgestattet waren, konnten manchmal nur langsam über Jahrzehnte verhökert werden, Restbestände wurden an Buchbinder weiterverkauft, die das saugfähige Papier als Leimuntergrund neuer Buchdeckel verwendeten.

Seit Ende des 18. Jh. änderte sich das. Jetzt begann man, Subscribenten zu sammeln, das heißt, man veröffentlichte in Zeitungen den Plan, dieses oder jenes Buch von dem und dem Autor drucken zu wollen und begann erst dann mit dem Druck, wenn genügend Interessenten im Vorhinein unterschrieben (subscibiert) hatten, dass sie das Buch auch abnehmen würden. Solche Bücher enthalten auf dem Deckblatt oft den Hinweis, in wie vielen Lieferungen per Post sie den Käufer erreichten. Waren alle Lagen (Seiten) beim Käufer eingegangen, ging er damit zum Buchbinder und ließ sie sich binden. Solche Bücher hatten also alle sehr individuelle Aufmachungen. War ein Buch z.B. illustriert gedacht, konnte der ärmere Subscribent auch nur für die Textseiten zeichnen, womit unterschiedlich ausgestattete Exemplare ein und derselben Auflage entstanden.

All das sollte man wissen, wenn man ein altes Buch zum Kauf anbieten will. Wie immer gilt: Wer sich schlau macht, verschenkt kein Geld. Wer also z.B. bei zvab den Titel nachschlägt, der sollte beachten, was das ganze Kleingedruckte am Anfang heißt: Anzahl der Lagen im Buch, bei wirklich alten Büchern (ein Buch von 1920 ist kein uralter Schatz, sondern oft nur noch für die Mülltonne gut, das kommt sehr auf das Thema an, wertvolle ALTE Bücher haben in der Regel ein Druckjahr möglichst lange vor 1900, ANTIKE vor 1800) die genaue Zusammensetzung der Lagen, Angabe ob Frontispiz, Titelblatt und Illustrationen vorhanden und ob die Illustrationen vollständig sind. Die Unsitte, Bücher wegen ihrer Illustrationen zu zerschneiden, den historisch viel wertvolleren Textblock wegzuwerfen und die Einzelbilder einzeln zu verschleudern, kennzeichnet zwar den dümmsten Barbaren und Kulturschänder überhaupt, ist aber leider nicht auszurotten.

Machen Sie sich also kundig und schätzen Sie Ihre Bücher selbst erst realistisch ein, wenn Sie an einen Verkauf denken. Bei Ebay suchen oft die absoluten Spezialisten nach Schnäppchen und sind nicht dazu zu bewegen, realistische Preise für wirklich gute Bücher zu zahlen. Bieten Sie also wirklich gute und wertvolle Bücher auch niedergelasssenen Auktionshäusern an oder lassen Sie sie dort schätzen. Nutzen Sie bei Ebay alle Möglichkeiten, die dieser Marktplatz bietet.  Hier können Sie sehr günstig Bücher zum Sofortkaufen zum realistischen Preis anbieten und trotzdem ganz offiziell und abgesichert Preisverhandlungen über "Preis vorschlagen" anbieten. Nutzen Sie also Ihre Möglichkeiten und verschleudern Sie nicht Ihr Eigentum.

Wundern Sie sich bitte nicht über die wahrscheinlich schnell sehr schlechte Bewertung dieses Ratgebers. Vielen Buchprofis wird er als Netzbeschmutzung vorkommen. Aber ob Ebay zum Abzockplatz und Goldgräbernest verkommt, liegt auch an der Fairness der Fachleute den Laien gegenüber. Ehrliche und reele Geschäfte müssen immer beiden Seiten ihren Vorteil gewähren. Machen Sie sich also schlau, es ist Ihr Geld!

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