Antike Brillen – damit hatten schon unsere Vorfahren einen guten Durchblick

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Antike Brillen – damit hatten schon unsere Vorfahren einen guten Durchblick

Der Vorgänger der heutigen Brille

Wer weiß heute noch, dass der Vater der Sehhilfen ein Lesestein war? Das trifft für moderne Sehgläser ebenso zu, wie für antike Brillen, die es, zugegebenermaßen, im eigentlichen Sinn gar nicht gibt. Die ersten Produkte mit dieser Bezeichnung, die sich übrigens von einem Kristall herleitet, wurden erst im Mittelalter angefertigt. Aber auch wenn sie im Vergleich zum „wahren Altertum“ relativ jung sind, wohnt den Brillen von damals eine dauerhafte Faszination inne. Sie scheinen die Geschichte derer zu erzählen, die sie angefertigt haben, ebenso wie die von denen, die sie trugen. Zuerst waren es noch kunstvolle Einzelanfertigungen, die meist allein dem Zweck dienten, die Sehkraft zu unterstützen. Heute wird zumindest ein Teil jeder Brille industriell vorgefertigt, dafür sind sie nicht mehr nur allein zum Sehen da, sondern auch zum - Gesehenwerden.

Kleine Historie antiker Brillen

Sehhilfen sind gar nicht so alt, wie allgemein angenommen wird. In der Antike konnte sich das Konzept nicht durchsetzen. Sei es, weil die Möglichkeiten noch nicht bekannt waren, da viele Erkenntnisse und Gesetze der Optik erst später entdeckt wurden. Vielleicht war auch die Sehkraft des Menschen dauerhaft stabiler. Allerdings spricht die Wahrscheinlichkeit eher gegen Letzteres. Wie der Körper im Allgemeinen an Leistungsfähigkeit verliert, schwindet auch das Sehvermögen mit zunehmendem Alter. Der Legende nach soll Archimedes einen Vorläufer der Brille benutzt haben. Um besser sehen zu können, trug er einen am Kopf befestigten, geschliffenen Kristall. Leider ist nichts Genaueres darüber bekannt. Der antike Zeitgenosse Seneca machte die Erfahrung, dass kleine oder unleserliche Buchstaben besser zu betrachten seien, wenn zwischen Auge und Lesestoff eine mit Wasser gefüllte Kugel platziert wird. Ein mühseliges Verfahren, das sich ganz sicher zurecht nicht etabliert hat.

Die ersten alten Brillen datieren also wesentlich später als in der Antike, verdienen aber aus heutiger Sicht durchaus diese Bezeichnung. Das gilt auch für antike Sonnenbrillen, deren Vorläufer sicherlich die Edelsteine waren, die Kaiser Nero sich vor das Auge hielt. Laut Überlieferung wollte der Despot damit nämlich nicht seine Fehlsichtigkeit ausgleichen, da die Steine nicht geschliffen waren. Ihm dienten sie zum Schutz gegen die Sonne, wenn er die Gladiatorenkämpfe in der Arena beobachtete.

Was einer Brille näher kam, stammt aus dem Mittelalter. Im 11. Jahrhundert beschrieb ein Araber grundlegende Gesetzmäßigkeiten der Optik und zeigte Möglichkeiten von Sehhilfen auf. Die Brille für beide Augen, die mit einem Bügel über der Nase zusammengefasst und getragen wurde, erfand man wohl in der Toscana. Weiterentwickelt wurde das Lesegerät durch Mönche und war seit dem 14. Jahrhundert relativ gut bekannt. Aus dieser Zeit stammt auch die erste erhalten gebliebene Abbildung einer Brille.

Antike Brillen - Der Name stammt von einem Kristall

Die Erfindung der Brille als Sehgerät für beide Augen, so wie sie bis heute bekannt ist und verwendet wird, war ein herausragender Meilenstein nicht nur in der Geschichte der Optik, sondern für die Menschheit insgesamt. Bedenkt man, dass heute 64 % der deutschen Bevölkerung auf eine Sehhilfe angewiesen sind, ist der Wert für vergangene Generationen gar nicht hoch genug einzuschätzen. Damals wusste man noch nichts von Lichtverhältnissen, die das Lesen und Arbeiten erleichtern konnten. Bedauerlicherweise muss sogar gesagt werden, dass es an vielen Stellen einfach egal war.

Um so interessanter ist es, wie sich die Brille aus ihren Vorläufern entwickelte, und auch, wie es zu ihrem bis heute gebräuchlichen Namen kam. Die ersten als Sehhilfen geschliffenen Gläser wurden aus einem bestimmten Kristall geschliffen. Der Beryll war es deshalb auch, der bereits den antiken und alten Brillen ihren Namen gab. Bis heute ist das so geblieben.

Monokel als antike Brille für nur ein Auge

Obwohl Brillen bereits um das 13. Jahrhundert herum erfunden wurden, waren es zunächst die Ein-Okulare, die in der Entwicklung der Brillen den Lesesteinen folgten. Während die ersten Lesesteine tatsächlich nur das Lesen unterstützten, indem man sie über dem Schriftstück platzierte und durch den besonderen Schliff Schrift und Abbildungen besser erkennen konnte, wechselten die ersten brillenähnlichen Geräte ihren Platz. Sie wurden direkt vor dem Auge platziert, was die Handhabung komfortabler machte und den Nutzen über das Lesen von Schriftstücken hinaus erweiterte. Monokel wurden entweder als reine optische Linsen vor das Auge geklemmt oder in einen Rahmen eingefasst. Diese Fassung wird in der Fachsprache als Galerie bezeichnet, die dafür sorgte, dass das geschliffene Glas aus Gründen der Brennweitenoptimierung weiter vor dem Auge platziert wird. Außerdem wurden so Verschmutzungen durch die Wimpern vermieden. Oft wurden sie an einem Band befestigt, um Verlust zu vermeiden und sie schnell bei der Hand zu haben. Bilder aus der Zeit der Anfänge der Fotografie zeigen oft Herren in Westen, die auf der einen Seite eine Uhrkette tragen, auf der anderen das Band, an dem das Monokel hängt. Monokel haben etwas an sich, das mit dem funkelnden, misstrauischen Blick von Herrscherpersönlichkeiten und Macht in Verbindung gebracht wird. Auf Gemälden und Fotografien funkeln sie im Gesicht von uniformierten oder anderweitig ausstaffierten Adligen, Geldbaronen und anderen Machthabern. Das verleiht ihnen einen stechenden, bedrohlichen Blick.

Die Weiterentwicklung des Monokels

Nachteil des Monokels war seine Einseitigkeit. Es unterstützte immer nur ein Auge, was zu ungleichmäßiger Belastung führte. Heute weiß man, dass ein Wechsel gar nicht sinnvoll gewesen wäre, da die Augen oft unterschiedlich in ihrer Sehkraft nachlassen. Die Entwicklung des Zwickers, der für beide Augen ein Glas anbot, war demnach ein Fortschritt vom Mono-Okular zum Bi-Okular. Über die Nase gezwickt, versah dieses Gerät seinen Dienst und ermöglichte eine bessere Unterstützung des Sehens. Was an der Entwicklung der Brillen jetzt noch fehlte, waren die zu den Ohren führenden Stege, die den Halt des Sehgerätes optimierten.

Antike Brillen für mehr Durchblick

Nicht nur enthusiastische Brillensammler mögen sich fragen, was die teilweise uralten Gläser gesehen haben. Sie sind stumme Zeugen, die von ihren Zeiten erzählen. Material, Technik und Kunstfertigkeit lassen Rückschlüsse zu auf die Meister, die die Geräte erschaffen haben. Auch wenn man nicht wissen kann, wer die eine oder andere Brille trug, macht man sich Vorstellungen von Personen und Persönlichkeiten. Wer waren die, die alte Hornbrillen benutzten und wem stand ein Kneifer besonders gut? Nicht aus modischen Gesichtspunkten, sondern vom dazu passenden Gesicht her. Etwas Besonderes, sowohl von der Fertigung her als auch von der Nutzung ist das Lorgnon. Diese Brille mit Stiel war das bevorzugte Accessoire bei Damen der Gesellschaft, die es zum Lesen nutzten oder bei Theaterbesuchen einsetzten. Ebenso interessant ist es, sich die Mode alter Sonnenbrillen anzuschauen. Über die Wirkung von zu viel Sonnenlicht waren sich die Altvorderen vielleicht nicht bis ins Detail bewusst, ahnten aber instinktiv, dass sie sich davor schützen mussten. Die ersten Sonnengläser waren einfach nur gefärbte oder beschichtete Gläser, deren Herstellung immer weiter verfeinert wurde. Später kamen Gläser zum Schutz vor der Sonne hinzu, die in derselben Weise geschliffen waren, wie die Brillengläser in klarer Ausführung.

Diese antiken Brillen lassen das Sammlerherz höher schlagen

Nicht immer können die alten und antiken Brillen komplett erworben werden. Sind nur Einzelteile verfügbar, machen eigenartigerweise die Gestelle in den Augen der meisten Liebhaber mehr Sinn als die Gläser. Obwohl das eine doch nur als Halterung für das andere fungierte. Aber die Form des alten Brillengestells trifft die allgemeingültige Aussage über das Gerät als solches. Während der Inhalt, und hier besonders der Schliff der Gläser, die individuelle Angelegenheit des einstigen Trägers war und bleibt.

Unter der Rubrik Vintage-Brille finden sich besonders schöne Stücke, zum Beispiel aus Horn mit silbernen Verzierungen. Achten Sie darauf, dass Sie die alten Stücke immer sorgsam aufbewahren, am besten im dazugehörigen Etui. Die aus der Geschichte der Sehhilfe stammenden Lebensspuren sind wertvolle Indizien für seinen Wert und sein Alter; kommen dagegen neue Beschädigungen hinzu, ist das, zumindest in ideeller Hinsicht, ein schmerzlicher Wertverlust.

Wer auf Masse beim Sammeln von alten und antiken Brillen setzt, greift gern zurück auf Kollektionen, wie sie auch bei eBay im Angebot sind. Diese Konvolute alter Brillen sind oft wahre Fundgruben. Neben dem Alter weisen sie oft noch einen erstaunlich guten Erhaltungszustand auf und werden mit Zubehör und Etui angeboten. Immer wieder kommt es vor, dass sich zwischen den einfachen Doppelgläsern ein wahrer Schatz aus der Geschichte der Optik anfindet.

Alte und antike Brillen als Zeugnisse einer Geisteshaltung

Brillen gehören zum Selbstausdruck des Menschen. Heute sucht sich jeder aus der Vielzahl von Angeboten das Gestell und die Form heraus, die ihm gefällt. Und damit gibt er Auskunft über seine Neigungen und Einstellungen. Im Gegenzug haben aber historische Persönlichkeiten den Brillenarten, die sie bevorzugten einen dauerhaften Ausdruck verliehen. Seit John Lennon mit seiner Nickelbrille bekannt wurde, steht dieses Sehgerät für eine Geisteshaltung von Toleranz, Frieden und daher gerade auch für die notwendige Änderung der Zustände, um die angestrebten Ideale zu erreichen. Wie Lennon eine runde Nickelbrille bevorzugte, trug diese Form auch ein Mann, der für ähnliche Werte eintrat wie der einstige Kopf der Beatles. Dietrich Bonhoeffer ist vielen ebenso durch dieses auffällige Sehgerät in Erinnerung. Der Nachteil einer Festlegung auf eine bestimmte Form besteht darin, dass man von der Umwelt dann auf diese Form beschränkt wird, auch wenn man selbst den Wunsch hat, das zu ändern. Neben den runden Ausführungen sind auch ovale Nickelbrillen sehr beliebt. Sie vermitteln durch die gepresst wirkende Form der Gläser allerdings ein wenig Verkniffenheit. Die offene Haltung, die das große Rund der Schwestermodelle kennzeichnet, fehlt ihnen.

Egal, ob bei Sonnenbrille oder Klarglas, schon unsere Vorfahren wussten, wie wichtig der Durchblick ist. Alle ihre Erkenntnisse auf dem Gebiet der Optik ließen sie in die Gestaltung antiker Brillen einfließen. Man könnte sagen, dass der moderne Durchblick das Erbe des Durchblicks von damals darstellt. Alles, was Sie benötigen, um sich die schönsten Stücke zu diesem Thema zu eigen zu machen, finden Sie bei eBay.

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