Ansichtskarten aus der Vorkriegszeit: Mit Bildmotiven ehemalige deutsche Gebiete kennenlernen

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Ansichtskarten aus der Vorkriegszeit: Mit Bildmotiven ehemalige deutsche Gebiete kennenlernen

Ansichtskarten erzählen Geschichten. Nicht nur, dass den Empfänger Grüße und kurze Textbotschaften aus anderen Regionen erreichen. Im Regelfall ist die Ansichtskarte – so auch ihr Name – mit einer „Ansicht“ oder einem Foto versehen. Klassischerweise zeigt die Ansichtskarte, die aus dem Urlaub geschickt wird die Stadt, in der man sich zurzeit befindet, sie gibt bildlich Auskunft über die Region und die Menschen. Als Sammelobjekt ist die Ansichtskarte sehr beliebt. Gerade die historischen Ansichtskarten geben Einblick in eine schon längst vergangene Welt, die für manch einen aber immer noch sehr vertraut sein kann.

Erinnerung an frühere Zeiten

So ist es auch mit alten Ansichtskarten, die Regionen, Städte, Landschaften und generell Sehenswürdigkeiten aus Regionen zeigen, die in früherer Zeit innerhalb der Staatsgrenzen Deutschlands lagen. Für viele ältere Menschen, die in diesen Regionen aufwuchsen, bedeutet das Betrachten einer solchen Ansichtskarte heute Erinnerung an ein Stück des eigenen Lebens. Für viele Jüngere kann eine solche Ansichtskarte das Entdecken der eigenen Familienvergangenheit oder der jüngeren deutschen Geschichte bedeuten.

Der historische Wert von Ansichtskarten

Neben den Bildmotiven sind die Texte, die Grüße und Kurzbotschaften der Kartenrückseite von sammlerischem und historischem Wert. Sie geben Einblick in die Lebenswirklichkeit der Menschen vor vielen Jahrzehnten. Kann man beim Sammeln von Ansichtskarten Bildmotiv und Kurzbotschaft nicht voneinander trennen, möchte sich dieser Ratgeber doch auf die Bildmotive beschränken. Im Folgenden wird es einen kleinen allgemeinen Überblick über die Ansichtskarte geben.

Was ist eine Ansichtskarte, wo kommt sie her und was macht sie aus?

Eine Ansichtskarte ist eine Postkarte. In den meisten Fällen besitzt sie ein Foto oder einen Bilddruck auf der Rückseite. Einige besondere Exemplare sind auch bemalt oder besitzen ein gezeichnetes Motiv. Was man mit einer solchen Ansichtskarte macht, kann sehr unterschiedlich sein. In vielen Fällen wird sie als Korrespondenzmedium benutzt. Sie kann aber auch als Andenken (zum Beispiel an einen Urlaub) verwendet werden. Dieser Rategeber thematisiert eine dritte Verwendung der Ansichtskarte: Man kann sie als historisches Bilddokument sammeln.

Ein kurzer Ausflug in der Geschichte

Wo die Ansichtskarte historisch genau herkommt, ist nicht genau bekannt. Von einem französischen Kupferstecher namens Demaison ist allerdings bekannt, dass er 1777 Karten druckte, die vielleicht mit Bildern versehen waren. Über ihn erfährt man allerdings nur aus der Literatur, seine Karten sind nicht überliefert. In England wurde 1844, im selben Jahr in dem dort die Briefmarke eingeführt wurde, die erste Ansichtskarte verschickt. Für Deutschland sind Karten, die mit Bildmotiv und ohne Briefumschlag zur Post gingen, für das Jahr 1866 historisch gesichert. Einige Jahre später begann die neue Form der Kurzkorrespondenz langsam, populärer zu werden. Ab 1871 verkaufte die Post selbst Ansichts- und Glückwunschkarten. Ein Jahr später wurden privat hergestellte Motivkarten zugelassen. In München brachte der Lithograf Ludwig Zrenner 1872 die erste Massenproduktion von Motivpostkarten in Gang.

Die Ansichtskarte etabliert sich

Von einem „Durchbruch“ der Ansichtskarte kann zu diesem Zeitpunkt keine Rede sein. Dieser erfolgte erst am Ende des Jahrhunderts in den 1890er Jahren. Dieser Sachverhalt hatte verschiedene Gründe. Auf der einen Seite wurde es nun möglich, auch bunte Motive auf Karten zu drucken (Chromolithografie), wo vorher nur schwarz-weiße Bilder zu sehen waren. Darüber hinaus begann in dieser Zeit auch im Zuge des zunehmenden Massenverkehrs, der anwachsende Tourismus eine Rolle zu spielen. Durch die Erfindung der Schnellpresse wurde eine Massenproduktion der Karten bei gleichzeitiger Verbilligung statt.

Man verwendete die Ansichtskarte seitdem hauptsächlich für Grüße von Reisen, Ausflügen und Urlauben oder als Glückwunschkarte. Ansichtskarten wurden, da Auslandsreisen noch lange nicht die Regel waren, besonders innerhalb der Staatsgrenzen verschickt. Das änderte sich erst seit etwa der Mitte des 20. Jahrhunderts. Heute ist die Ansichtskarte besonders durch die neuen digitalen Medien wie E-Mail und soziale Netzwerke bedroht.

Ansichtskarten ehemaliger deutscher Gebiete – Motive und Drucktechnik

In Ihrer Motivwahl unterscheiden sich die Ansichtskarten ehemaliger deutscher Gebiete nicht wesentlich von anderen zeitgenössischen Ansichtskarten. Am meisten verbreitet sind sogenannte Topografiekarten. Sie zeigen als Bildmotiv meistens Städte, Ortschaft, Landschaften und Gewässer. Dabei geht es oftmals Sehenswürdigkeiten. Das sind im Regelfall berühmte Bauwerke, Plätze und allgemein charakteristische Ansichten. Die Motive sollen dem Empfänger einen Eindruck vom Ort geben.

Das verwendete Druckverfahren der Ansichtskarte kann (neben dem Text und dem Poststempel) Hinweise auf das Alter einer Ansichtskarte liefern. Waren bis etwa 1894 nur einfarbige Lithografien möglich, wurden seitdem mithilfe der Chromolithografie erstmals mehrfarbige Abbildungen möglich. Zwischen 1914 und etwa 1965 bestimmte dann die Schwarz-Weiss-Fotografie die Ansichtskarte. Erst danach wurden zunehmend farbige Echtfotokarten verwendet.

Ansichtskarten aus verschiedenen ehemals deutschen Regionen

Im Folgenden sollen einige Regionen und dazugehörige beliebte Bildmotive vorgestellt werden.

  • Deutsche Kolonien. Die Ansichtskarten aus den früheren deutschen Kolonien gehören zu den seltensten Ansichtskarten in diesem Sammelbereich. Die Kolonien lagen zum größten Teil auf dem afrikanischen Kontinent und im asiatisch-pazifischen Raum. Geliebte Bildmotive sind etwa die koloniale Infrastruktur, aber auch Land und Leute sowie militärische Darstellungen der dortigen Kolonialtruppen.
  • Danzig. Fast das gesamte 19. Jahrhundert hindurch gehörte die Stadt Danzig zu Preußen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie zur Freien Stadt erklärt, wurde für die Zeit des Krieges wiederum deutsch und ab 1945 polnisch. Aus alter Zeit sind die städtischen Sehenswürdigkeiten wie das Rechtsstädter Rathaus oder das Langgassertor beliebte Motive der Ansichtskarten.
  • Elsaß-Lothringen. Das „Reichsland“ Elsaß-Lothringen gehörte zwischen 1874 und 1918 zum Deutschen Reich, danach zu Frankreich, wurde während des Zweiten Weltkrieges wiederum besetzt und kehrte nach Kriegsende zu Frankreich zurück.  Ansichtskarten der Region zeigen unterschiedliche Motive, beispielsweise aus Städten wie Colmar oder Mühlhausen. Ein beliebtes Motiv in Straßburg gestern wie heute: das Straßburger Münster.
  • Eupen & Malmedy. Die Region, die heute zu Belgien gehört, war seit 1815 preußisches Staatsgebiet gewesen, jedoch schon immer mehrsprachig. Um 1900 sprachen im Kreis Malmedy etwa ein Viertel Personen wallonisch. Nach dem Ersten Weltkrieg viel das kleine Gebiet an Belgien.
  • Neumark bzw. Ostbrandenburg. Die Neumark ist heute eine Region im westlichen Polen, gehörte jedoch früher zu Brandenburg bzw. Preußen. Erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs viel das Gebiet an unseren östlichen Nachbarn. Ansichtskarten aus dieser Region zeigen oft bekannte Kreisstädte wie Soldin oder Küstrin. Weiterhin sind Landschaftsmotive der Seen und Wälder der Region beliebte historische Bildmotive.
  • Nordschleswig. Ganz im Norden gelegen, gehörte das Gebiet Nordschleswig früher zum Herzogtum Schleswig und war mal mit Dänemark, mal mit dem Deutschen Reich verbunden. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Gebiet nach der Abhaltung einer umstrittenen Volksabstimmung an Dänemark abgetreten. Aufgrund der Küstenlage zur Nordsee und Ostsee sind maritime Motive sehr oft auf alten Postkarten anzutreffen.
  • Ostpreußen. Die Provinz Ostpreußen gab dem Staat Preußen seinen Namen und war gehörte seit seiner Gründung 1871 zum Deutschen Reich. Nach Ende des Ersten Weltkrieges blieb die Provinz weiterhin deutsch, war aber durch den „Korridor“ mit der Freien Stadt Danzig vom übrigen Staatsgebiet getrennt. Ansichtskarten aus Ostpreußen sind sehr zahlreich. Weit verbreitet sind sowohl Landschaftsaufnahme (z.B. Masuren) als auch berühmte Sehenswürdigkeiten in Königsberg, Tilsit oder Ostenburg.
  • Pommern. Pommern, an der Ostseeküste gelegen und sich bis auf die Höhe Danzigs erstreckend ist heute ein Teil Polens. Wie viele andere ehemals deutschen Gebiete wurde Pommern nach Ende des Zweiten Weltkriegs polnisch. Bildmotive sind auch hier wieder größere Städte (z.B. Stettin oder Thorn mit seinem Schloss), aber auch die pommersche Ostseeküste und die dortigen Heil- und Kurbäder.
  • Posen. Als Provinz Preußens hatte Posen schon immer einen großen Anteil polnischer Einwohner. Nach Ende des Krieges 1918 wurden große Teile der Provinz sowie die Stadt Posen nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages an Polen übergeben. Die Ansichtskarten aus der Region sind vor allen dingen durch die vielen Sehenswürdigkeiten (viele Schlösser, Alter Markt und Kathedrale in Posen) und die pittoresk inszenierte Natur bestimmt.
  • Schlesien. Kleine Teile Schlesiens kamen schon 1919 nach Polen. Das gesamte Gebiet wurde erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs an Polen gegeben. Berühmte Städte wie Breslau, Oppeln oder Kattowitz sind oftmals auf den Ansichtskarten zu finden. Aber auch die Natur wird als Bildmotiv genutzt. Hier ist beispielsweise das Riesengebirge zu nennen.
  • Westpreußen. Auch Westpreußen gehörte lange Zeit zu Preußen bzw. dem Deutschen Reich und besitzt eine wechselvolle Geschichte. In den Bestimmungen des Versailler Vertrages war vorgesehen, dass der neu geschaffene Staat Polen einen Zugang zum Meer benötigte. Daher wurde ein gewisser Teil der Region an Polen übertreten. Bekannte Ansichtskarten aus Westpreußen zeigen etwa die berühmte Marienburg, verschiedene Provinzstädte sowie Häfen und Seestücke.

Aufbewahrung und Pflege von Ansichtkarten

Wer das Sammeln von Ansichtskarten ernst nimmt, achtet darauf, dass die Karten nicht vorschnell altern und versucht, diese in Ihrem Zustand zu erhalten. Dabei sollte man auf vier Faktoren achten: Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luft und Licht. Je höher die Temperatur ist, desto schlechter ist dies für den Zustand der Karten. Bei der Luftfeuchtigkeit ist es wichtig, dass man die Karten keinen großen Schwankungen derselben aussetzt. Eine gleichbleibende Luftfeuchte ist anzustreben.

Die Luft sollte möglichst schadstoffarm sein. Ein gewisses Maß an Frischluft sollte zwar gegeben sein, eine vorherige Filterung ist jedoch ratsam, wenn man die Möglichkeiten hierzu besitzt. Letztlich sollten Karten bei Nichtgebrauch vor Licht geschützt werden. Trifft eine hohe Lichtstärke für eine längere Zeit auf das Kartenmaterial, kann dies zu Beschädigungen desselben führen.

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