Anlauffarben bei der Edelstahlverarbeitung

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Hallo,
wer schon mit Edelstahl gearbeitet hat, weiss das es nach dem Schweissen, Trennen oder Bohren zu Anlauffarben  kommen kann. Diese Anlauffarben müssen entfernt werden, da sich sonst die Passivierungsschicht nicht bildet und es zu Rostbildung kommen kann.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten.
1. Man entfernt die Anlauffarben mechanisch mit einer Vliesscheibe auf eine Flex oder mit einer Drahtbürste mit Edelstahlborsten. Dabei zerstört man aber leider die Oberfläche des Materials und kostenaufwändiges Nacharbeiten ist die Folge.
Sie können die Kratzer entfernen, indem Sie mit feineren Materialien daran gehen. Merke: Je grober der Kratzer ist, umso mehr Nacharbeit ist erforderlich. Haben Sie ein Rohr mit z.B. K240 geschliffen und entfernen die Anlauffarben mit K40 - weil es schneller geht -, dann müssen Sie mit feiner werdender Körnung die Urkörnung wieder herstellen. Sonst gibt es Mecker vom Kunden oder des Ehepartners.
Diese Methode wird häufig nur im Industriebau und auf der Baustelle gemacht, wo keine Oberflächenansprüche gelten. Wer diese Methode beim Geländer probiert - viel Glück!
2. Man kann eine Edelstahlbeize verwenden. Es sind verschiedene Beizen auf dem Markt. Eines haben alle gemeinsam: Beizen sind sehr gesundheitsschädlich. Also beim Verwenden von Beizen: Gummihandschuhe, Schutzbrille und Atemschutz - oder Nase weg, bzw. beim Beizen die Luft anhalten. Die entstehenden Gase sind stark ätzend - besonders wenn das Material noch warm ist.
Der Vorgang an sich ist einfach. Man streicht die Anlauffarben mit einem geeigneten Pinsel ein und lässt die Beize ca. 30 Minuten wirken. Dann streicht man die Neutralisationspaste darüber. Diese entzieht der Beize die Kraft und Sie können die Beize mit einem Wasserschlauch abspülen. Meistens hat man die NT Paste nicht und man lässt diese weg. Geht auch. Die Abwasser sind aufzufangen, zu neutralisieren und zu entsorgen. Meistens wird es direkt in den Gully gekippt. Das sind dann zum Glück die Gründe, die dann den Weg frei machen für bessere, teuere Beizverfahren. Dazu später.
Nach erfolgreichem Beizen und abwaschen, werden Sie feststellen das die Beize die Oberfläche des Materials angegriffen hat. Hier muss dann wieder von Hand nachgearbeitet werden, bis die Oberfläche wieder hergestellt ist.
Die Beize muss wirklich ganz runter, nicht nur einfach abgespült, sondern abgeschruppt. Besser mit Hochdruck. Sonst kann es später im Bereich des Beizereiches zu Braunverfärbungen kommen. Das ist die Beize, die noch in der rauhen Oberfläche der Schweissnaht, bzw. des Materials festhängt.
Wenn gereinigt und die Oberfläche angepasst ist, sollte man das gesamte Werkstück mit einem Edelstahlpflegeöl eincremen. Das gibt der gesamten Sache einen dezenten Glanz und verhindert Fremdrost.
Fremdrost kann immer passieren und jedem. Bei der Verarbeitung von Edelstahl sollte man aufpassen was man anfasst und welche Materialien zusammenliegen oder zusammen montiert werden. Auch die Verwendung gemeinsamer Flex- oder Schleif- oder Polierscheiben sollte man streng trennen. Und vieles mehr. Es reicht schon die Berührung von Stahl und Edelstahl in einem Arbeitsgang und es kann passieren dass Sie Fremdrost auf dem Edelstahl haben. Kann, muss nicht!
3. Eine weitere Methode ist das elektrochemische Beizverfahren. Das ist nur etwas für Profis und ich werde meine Erfahrungen einem gesonderten Teil widmen. In letzet Zeit haben sich diese Verfahren derart positiv entwickelt, dass das normale Beizverfahren verdrängt wird. Und das ist aus vorher genannten Gründen auch gut so.
 
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