Analoge Filmkameras – Bewegtbilder ohne elektronische Hilfe erstellen

Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Analoge Filmkameras – bewegte Bilder ohne elektronische Hilfe erstellen

Erste bewegte Bilder kennt die Menschheit aus dem auslaufenden 19. Jahrhundert. Man sieht Personen, die sich etwas ruckhaft bewegen, Uniformen, Pferde und Pferdekutschen – Autos gab es noch nicht. Damals noch schwarz-weiß und ohne Ton – die Filmtechnik war erst wenige Jahre alt – wurden hauptsächlich historische Momente im Film festgehalten.
Der erste Spielfilm, der diesen Namen verdient, war „Die Reise zum Mond", im Originaltitel „Le Voyage dans la Lune". Der französische Filmpionier Georges Méliès drehte diesen Film nach Romanvorlagen von Jules Verne und H. G. Wells. Méliès schuf diesen Film als Produzent, Autor, Regisseur und Darsteller in Personalunion. Der 16-minütige Film mutet heute ein wenig an wie eine gefilmte Halloween-Party. Dennoch stellt er einen der ersten Meilensteine der Kinematografie dar. Er ist ein wichtiger Beleg der Filmgeschichte und wurde kürzlich aufwendig restauriert und von Hand koloriert.
Mit der Erfindung und der industriellen Herstellung von Rollfilmmaterial war im Jahr 1989 das letzte fehlende Element gegeben, das die Kinematografie dringend benötigte: Um dem Auge eine flüssige Bewegung vorzugaukeln, müssen mindestens 15 Bilder pro Sekunde gezeigt werden. Natürlich müssen diese Bilder vorher in der gleichen Geschwindigkeit aufgenommen werden – eine Aufgabe, die mit den bis dato üblichen Fotoplatten nicht zu lösen war. Erste Experimente mit bewegten Bildern nutzten für die Aufnahme der einzelnen Bewegungsphasen mehrere Fotoapparate, die schnell nacheinander auslösten. Die sogenannte Chronofotografie zeigte erstmals ein galoppierendes Pferd. Die Zahl der Einzelbilder (in diesem Fall 12) war allerdings durch die Zahl der verfügbaren Fotoapparate begrenzt. Damit war der erste „Film" mit 12 Einzelbildern nicht einmal eine Sekunde lang. Die Erfindung des Rollfilms durch Hannibal Goodwin löste das Problem. Zeitgleich wurden von vielen Pionieren in verschiedenen Teilen der Welt die ersten Filmkameras entwickelt und gebaut.

Der Aufbau einer analogen Filmkamera

Die wesentlichen Bestandteile der Filmkamera sind bis heute immer noch die gleichen: das Gehäuse, eine sogenannte Camera obscura mit Objektiv, Umlaufblende und Filmfenster. An ihrer Rückwand läuft der zu belichtende Film vorbei, der von einer Spule abgewickelt und auf eine zweite aufgerollt wird. Um am Ende tatsächlich einen belichteten Film mit scharfen Einzelbildern zu erhalten, ist jedoch eine Vielzahl technischer Probleme zu lösen. Objektive gab es bereits in der weitverbreiteten Laterna magica und später in Fotoapparaten. Diese Objektive konnten – nahezu unverändert – auch für Filmkameras genutzt werden. Die Herausforderung bestand allerdings darin, den Lichteinfall 15 bis 18 mal in der Sekunde zu unterbrechen, während der Film weitertransportiert wurde. Dabei musste die sogenannte Schaltzeit möglichst kurz gehalten werden, um genügend Belichtungszeit für jedes Bild zu erzielen. Während der Belichtung muss der Film allerdings stillstehen. Diese zweischneidige Aufgabe – einerseits schneller Transport des Films, andererseits exaktes Anhalten während der Belichtung – wird durch ein Greifergetriebe gelöst, das mit seinen Klauen in die Perforation des Films greift und ihn schrittweise bewegt. Während des Transports sorgt eine Umlaufblende (ein kreissektorförmiges Metallobjekt) dafür, dass die Belichtung unterbrochen wird. Ist der Film in der Position für das nächste Bild angekommen, befindet sich der Ausschnitt der Umlaufblende, der den Lichteinfall freigibt, vor dem Objektiv.
Bis zur Entwicklung geeigneter Motoren in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden Filme tatsächlich „gedreht": Der Kameramann drehte mit einer Kurbel den komplizierten Mechanismus, der Filmtransport und Umlaufblende miteinander synchronisiert. Das Prinzip ist bis heute unverändert. Hinzugekommen sind allerdings Features, die eine komfortablere Bedienung der Kamera, eine bessere Bildqualität und einen gleichmäßigen Bildstand ermöglichen. So wurde beispielsweise auf der Leipziger Messe im Jahr 1937 die erste Spiegelreflex-Filmkamera vorgestellt. Diese erlaubt ein ausschnittidentisches Sucherbild. Der Kameramann sieht also das Gleiche wie das Objektiv der Kamera und kann damit seinen Bildausschnitt exakter bestimmen. Der Kurbelantrieb wurde abgelöst von Federgetrieben, die ähnlich aufgezogen wurden wie eine Uhr und eine sehr genaue Einhaltung der Bildfrequenz ermöglichten. Heute werden Kameras meist von Elektromotoren angetrieben. Eine allgemeine Tendenz zu Kompaktheit und Bedienkomfort setzte sich von den Anfangstagen bis heute fort. Die Technik der analogen Filmkamera scheint einerseits ausgereift und ausgereizt, andererseits jedoch fast überholt zu sein. Die Tage der analogen Filmtechnik scheinen gezählt, denn nicht nur im Amateurbereich, sondern mittlerweile auch beim großen Kino erobern Digitalkameras das Feld.

Ton und Farbe

In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts erhielten die Schauspieler eine Stimme. Nach erfolglosen Versuchen, den Filmton von einem separaten Grammophon abzuspielen, war das Problem der Synchronität von Bild und Ton gelöst worden. Allerdings musste das laute Laufgeräusch der Kamera gedämpft werden, damit es nicht die Tonaufnahme störte. Zunächst wurde die Kamera dafür in eine schallgedämmte Kiste verbannt, was allerdings nur im Studio möglich war und die Bedienung erheblich erschwerte. Mit sogenannten Blimps, die sich der Form der Kamera anpassten, dabei aber sehr kompakt und absolut schalldicht waren, wurden in der Folge auch mobile Tonaufnahmen möglich. Endgültig gelöst wurde das Problem allerdings erst in den 50er Jahren. Die erste „geblimpte" 16-mm-Kamera kam im Jahr 1960 auf den Markt. Die ersten Farbfilme kennt man aus den 30er Jahren. In Deutschland setzte sich dafür ein Verfahren namens Ufacolor durch, welches im Gegensatz zu amerikanischen Verfahren mit nur einem Negativ auskam. Der sogenannte Dreischichtfarbfilm war bereits 1937 auch für Amateure zugänglich. Er benötigte im Gegensatz zu frühen Versionen nur ein Negativ, das drei Schichten für jeweils eine Grundfarbe besaß. Im Umkehrverfahren, das zunächst ein Negativ mit Komplementärfarben produzierte, konnten durch Kopieren auf Positivfilm alle Farben in erstaunlicher Qualität wiedergegeben werden. Modifikationen an der Kamera waren dafür nicht nötig, weil das bewährte 16-mm-Format weiter genutzt wurde.

Die verschiedenen Filmformate

35 mm

Das erste weithin verbreitete Filmformat war 35 mm – ein Format, das bis heute bei der Produktion von Kinofilmen gebräuchlich ist. Frühe Amateurkameras, die bereits um 1900 auf den Markt kamen, nutzten zunächst eine Hälfte dieser Breite und anschließend bei einem erneuten Durchlauf des Films die zweite Hälfte. Nach dem Entwickeln wurde der Film dann der Länge nach getrennt (der sogenannte 17,5-mm-Split).

16 mm

Dieses Verfahren setzte sich nicht durch, es wurde aber zum Vorläufer des 16-mm-Formats. Schmalfilmkameras, die das Format nutzten, wurden hauptsächlich in der aktuellen Berichterstattung eingesetzt. Die „Wochenschau", die im Kino vor dem Hauptfilm gezeigt wurde, nahm unter den Nazis den unrühmlichen Weg von einem Medium der Berichterstattung zum Sprachrohr für politische Propaganda. Wochenschau-Filme aber auch kleinere Spielfilme wurden mit 16-mm-Kameras gedreht. Bis in die 80er Jahre war dieses Format das Mittel der Wahl für Dokumentarfilme, Nachrichten und Sportberichterstattung.

8 mm

Der 8-mm-Film wurde im Jahr 1932 eingeführt und griff zunächst die Idee der zweifachen Belichtung wieder auf. Der sogenannte Doppel-8-Film war doppelt perforiert, 16 mm breit und wurde nach dem Entwickeln gesplittet. Dieses Format hat heute kaum noch praktische Bedeutung. Das 8-mm-Format erlebte jedoch im Amateurbereich eine Blütezeit, die von 1936 bis zur Einführung digitaler Camcorder zu Beginn dieses Jahrhunderts anhielt.

Super-8

Der im Jahr 1964 erstmals vorgestellte Super-8-Film ist einfach perforiert und erlaubt Tonaufnahmen, die auf einem Magnetstreifen neben den Filmbildern gespeichert werden. Das kleine Bildformat erlaubt es, 236 Bilder auf einem Meter Film unterzubringen. Dies sind – je nach Bildfrequenz – ca. 10 bis 12 Minuten. Das Format des Einzelbildes ist 5,36 mm x 4,01mm groß. In einer handelsüblichen Filmkassette befinden sich 15,24 m Film. Die Einführung eines derart kleinen Bildformates machte das Filmmaterial für jedermann erschwinglich und sorgte so für eine massenhafte Verbreitung im privaten Bereich.

Amateur–Schmalfilmkameras

In der Vorkriegszeit waren Amateur-Filmkameras wenigen gut betuchten Enthusiasten vorbehalten. Das übliche Format war 35 mm, was immense Kosten allein für das Filmmaterial mit sich brachte. Erst der Siegeszug der 8-mm-Kamera änderte dies. Ein Film konnte relativ preiswert gedreht und mit einem Projektor zu Hause vorgeführt werden. Zunächst schwarz-weiß und stumm, zeigten die Filme das private Umfeld von Tausenden und sind damit ein Zeitzeugnis vergangener Tage. Heute existieren Filmclubs, die sich vorwiegend dem privaten 8-mm-Film verschrieben haben. Die Mitglieder zeigen dort ihre selbst gedrehten Filme, die auf großes, manchmal etwas ironisch gefärbtes Interesse bei den Zuschauern stoßen. In den 70er Jahren hielt auch die Farbe Einzug in den Amateurfilm. Die charakteristischen Farben dieser Zeit werden zuweilen als Stilmittel in der Werbung genutzt oder als markante Rückblende in Spielfilmen verwendet. Einige Jahre später kamen Super-8-Tonfilmkameras auf den Markt, die eingebaute Mikrofone besaßen, aber auch den Anschluss externer Mikros erlaubten. Mit ausgezeichneter Zoom-Optik und modernen Features wie Autofokus boten diese analogen Kameras bereits alles, was man heute von einem guten Camcorder erwarten kann.

Professionelle analoge Filmkameras

16-mm- und 35-mm-Formate sind nach wie vor in Gebrauch. 16-mm-Kameras werden partiell noch für das Fernsehen eingesetzt. Spielfilme werden auch heute noch analog auf 35-mm-Film gedreht. Bei eBay finden Sie eine breite Palette an Amateurkameras sowie an semiprofessionellen und professionellen Geräten. Der Erwerb einer 35-mm-Kamera ist allerdings in der Regel kein Schnäppchen. Auch für ältere Geräte werden mehrere Tausend Euro fällig. Somit bedeutet die Entscheidung für analoge Aufnahmetechnik in der Summe keineswegs eine Sparmaßnahme, sondern sie ist nicht mehr und nicht weniger als die bewusste Wahl des Mediums als Stilmittel. Die Begrenzung der Möglichkeiten wird dabei eventuell als künstlerische Herausforderung gesehen. Der Kauf teuren Filmmaterials und der Verzicht auf eine digitale Nachbearbeitung setzen Grenzen für die Filmarbeit, die man heute von digitaler Technik nicht mehr gewohnt ist. Doch vielleicht sind es gerade diese Grenzen, die von einigen Kreativen vermisst und in heutigen Tagen erneut gesucht werden.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden