Ampeg BA115

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In Foren gibt es über das Teil die meisten Erfahrungsberichte.
Die besten wie auch die schlechtesten Kommentare lassen sich in den amerikanischen Foren finden, da die Combo in den USA am weitesten verbreitet sein dürfte. Dabei schätzen die langjährigen Profis das Teil nach meinem Eindruck noch am besten ein.

Der Ampeg sieht ein wenig Vintage aus (rechts im Bild). Hier ein Vergleich zu meiner Marlboro Combo aus den Siebziger Jahren (links im Bild):

Bespannung mit schwarzer Folie, Stahlecken, Bespannstoff für Lautsprecherabdeckung und sogar die weiße Einfassung der
Lautsprechabdeckung sind fast identisch. Sogar der Griff ist die gleiche Bauart.

Meine Combo ist noch "made in USA" (St. Louis Music, später von "Loud" übernommen). Die neueren Modelle werden wohl in China gefertigt.
Die BA115 hat folgende Daten:
AMP: 100W an 4 Ohm. (keine weitere Angabe, ist es eine Dauerleistung a la RMS?), Trafo von außen an "Gehäuse" geschraubt,
           darauf komme ich nochmal zurück. MOSFET-Endstufe und TL082/NE5532 in PreAmp, EQ, Limiter und Treiber.
         
Speaker: Eminence Alnico 15" Speaker - 4 Ohm, und ein Billighorn aus Plastik, made in Brasilien

Bauart: Bassreflexbox mit Tweeter, Gehäuse kann gekippt werden, 1 Plastikhandgriff für 28kg.
              Ampgehäuse ist hinten aufgeschraubt. Ist aber in Wahrheit kein Gehäuse, sondern nur Bleckwinkel, aber das sieht man
             nur wenn der Amp abgeschraubt wird. 4 Metallecken.  Kann bei dem Gewicht als Waffe eingesetzt werden. Bei
            Fallenlassen droht Verlust von Zehen.
            Verarbeitung ist ok. Bassreflexrohre aus Pappe. Ein bißchen Dämmung reingetackert, Tweeter über Kondensator    
           parallelgeschaltet. Frontplatte aus 20mm Sperrholz. Rest ist 15mm Sperrholz.
            Von aussen sieht also alles gut aus.
            Amp ist ordentlich aufgebaut, bis auf den Deckel, den gibts nicht. Innen nix mehr Vintage: Opamps plus MOSFET
           Endstufe. Allerdings klassisches Trafo Netzteil - ist zwar auch nicht mehr der letzte Schrei (das wäre jetzt ClassD mit
           Schaltnetzteil), aber  zumindest kein 2N3055 (die waren aber auch nicht schlecht) mehr.
           Das die Klinkenstecker in die Platine eingelötet sind, finde ich aber nicht so gut! Man kann nichts auf die Box stellen,
          weil die eh leicht umfallen kann. Und außerdem bestünde das Risiko, daß die Potis beschädigt werden.

Ausgänge:  echt symmetrischer Ausgang leider  post  volume/master/EQ  über XLR
                     Kopfhörer (schaltet Lautsprecher aus, wenn Kopfhörer eingesteckt wird)
Eingang für CD, Stereo, wird zu Mono addiert
2 Eingänge für aktiven und passiven Bass (gehen auf gleichen Eingang, nur eine Anschluß dämpft über Widerstand
   um 16dB ab. Kann man aber auch 2 Bässe anschließen für gemeinsames Jammen. Primitiv, aber ein gutes Feature mit
   den zwei Klinkenbuchsen. Sowas braucht man manchmal für Jammen zu zweit (meinYamaha BBT500H hat nur einen Klinkeneingang!).
Style Schalter, 4 passive Filter zur Umschaltung, 1x Flat (sagen wir mal, kein zusätzliches Filterglied...)
EQ für Bässe, Mitten, Höhen (aktiver Filter).
Zusammenfassung: schwer, massiv, jedoch an Ausstattung mit Griffen, Rollen,ordentlichem Amp-Geäuse und manchem sinnvollen Detail hart gespart. Die Gimmicks gibts dann in der nächsthöheren klasse zum doppelten Combo-Preis.

Hier die wichtigsten Anmerkungen, die man immer wieder zu lesen bekommt, und einige Kommentare von mir:
1. Die Combo rauscht, Hiss, Brumm etc
2. nicht genügend Leistung
3. zu leise
4. schwer wie Sau
5. falsche Anordnung von  Post-EQ-Line-Out, CD unregelbar und ähnliches
6. Sound, Ampeg Sound
7. Empfehlung

Antworten:
1.Geräusche:  Ja und Nein
Zwar sind die verwendeten OP's  Marke TL082 schon steinalt, aber so ganz liegt es nicht daran, da dies rauscharme Typen sind.
Im wesentlichen beruhen die Geräusche, die sich beim ersten Einschalten wirklich extrem bemerkbar machen auf folgenden
Tatsachen:
- da der Trafo außen am Amp sitzt und offenbar ein starkes Streufeld hat, bildet sich über den Bass eine starke Einstreuung in die Tonabnehmer, und die Anlage brummt. Klar, wer die Combo im Schlafzimmer als Übungsamp benutzt wird sich darüber aufregen.
- HIer gibt es ein Verständnisproblem mit den beiden Reglern für Volume und Master.
  Der Volume regelt die Verstärkung der Vorstufe für den Bass und dient in erster Linie der Einpegelung des Signales. Der Master
  kompensiert Lautstärkeänderungen durch   Einstellungen an EQ und Style. Leider durch ein Poti in linearer Ausführung. Das
  Aufdrehen des Master bewirkt extremes Rauschen, wenn auch die EQ Regler aufgedreht sind,  da der EQ ein starkes
  Grundrauschen hat.
  Die beste Einstellung für wenig Rauschen: Volume voll Aufdrehen und Master auf 1-2 stellen. Bassgitarre voll
  aufdrehen. EQ Regler auf etwa 8. Lautstärke grob mit Master korrigieren. Feinkorrektur mit Volume oder Bassgitarre.
  - Abklemmen des Tweeters vermindert das Rauschen erheblich, und es fällt dann nicht mehr auf.

Grundsätzlich fehlt eine Aussteuerungsanzeige und ein Clipping-Indikator.

2. zu wenig Leistung:  nicht unbedingt
Für Clubgigs und mittlere Gaststätten dürfte - ja nach Musikstil - die Leistung ausreichend sein.  Für größere Gigs reicht natürlich
ein 15" Speaker und 100W grundsätzlich nicht aus. Und wer im Circus Krone spielt oder in der Olympiahalle, der wird wohl eh an die PA anschließen. Trotzdem finde ich die Box für einen Monitor noch immer gut ausreichend. Aber Lautstärke ist eine sehr subjektive Angelegenheit.

3 . Sehr schwer:
28kg sind für einen 15 Zöller mit 100W schwer. Ampeg Boxen sind aber alle schwer. Das Gewicht macht sich aber auch
in einem satten Sound bemerkbar.

4. Anordnung von Post-Line Out, CD IN usw.

- CD-IN läßt sich nicht in Lautstärke regeln. Sinnvollerweise ist  der CD-In nach der EQ-Section angeordnet. Die Summierung
  des Stereosignals ist auch sinnvoll und man könnte auch zwei verschiedene Mono-Quellen anschließen! Das ist u.U. ein sehr
  brauchbares Feature, wenn, man z.B. zu zweit spielen möchte.
- Der Line Out ist Post-EQ und wird bei Veränderung der Lautstärke /EQ ein Nachregeln vom Techniker am Mischpult erfordern.
  Das ist richtig. Besser wäre es gewesen einen Pre-/Post-EQ Schalter einzubauen. Aber mit solchen Kleinigkeiten  wird
  Preispolitik betrieben. Möglicherweise bevorzugen manche aber die Anordnung im BA115.
- Style Schalter
 1= dunkler bassiger Klang, wuchtig, aber kein Mulm
 2=Zwischending von 1 und 3
 3= linear (subjektiv)
 4=hellerer Klang, ziemlich knurrig aggressiv
 5=etwas wie 3, Tiefen etwas gedämpft
 
Noch ein paar Kleinigkeiten:
Keine Schaltgeräusche, nur ein lauter Plopp beim Ausschalten. Ein- und Ausstecken an den Klinkenbuchsen läuft auch ohne
Knacken. Es fehlt ein Kabelhalter fürs Netzkabel, baumelt einfach so rum.  Amp  Ausgang und Lautsprechereingang nicht
separat herausgeführt.  Für den Tweeter sollte ein Schalter oder  ein Regler vorhanden sein, ist aber nicht.  Ein Mute Schalter
wäre auch nicht schlecht.  Der XLR ist  tatsächlich ein  symmetrischer Ausgang an  zwei  OP-Ausgängen. Übrigens,  wer sich
ärgert, daß er nicht das T-Modell mit dem Röhreneingang hat, der soll einfach einen  Röhrenpreamp oder  Röhrensimulator
an den Eingang anschließen,  ggf. an den -16db Eingang, das kommt aufs gleiche raus, vielleicht sogar mit weniger Brumm.

5. Sound, Ampeg Sound
Da sich das Klangbild mit den 3 Reglern heftig verändern läßt kann man eigentlich fast alles einstellen. Die Combo hat
ein sehr gutes Bassfundament und liefert auch noch die H-Saite sehr überzeugend. So eine schwere Kiste mit einem
satten 15-Zöller, da klingt ein Bass gut dran.
Mit meinem Fender Jazz Bass dran, klingt die Box wirklich cool mit einem ordentlichen Baß-Fundament.
Ich habe auch noch ne Mark Bass Studio 121Z und dazu einen Yamaha BBT500H. Das ist natürlich klanglich eine wesentlich
differenziertere Anlage.
Aber die BA115 macht sehr gut, was man von einer Bass Combo erwartet.


6. Empfehlung
Ich kann die Box vom Klang her sehr empfehlen. Ich mag keine dürren und mittigen Sounds sondern kräftige und
voluminöse Bässe. Leider ist die Box etwas schwer, die Potis können leicht beschädigt werden und für eine gute
Einstellung muß man etwas herumfummeln.

Nachtrag: Ich habe mir jetzt Transportrollen angeschraubt, statt der Gummifüße. Mit 50mm Rollen kann man die Box
auch nocht kippen - Leider etwas auf Kosten der Standfestigkeit. Aber der Transport ist wesentlich erleichtert! Außerdem habe
ich seitlich noch 2 Handgriffe angeschraubt.

Gruss
Manfred






 


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