Altes Schneiderhandwerk: Ratgeber für antiken Schneiderbedarf

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Vom nostalgischen Schnittmuster bis zum historischen Knopf – altes Schneiderhandwerk neu entdeckt

Das Schneiderhandwerk kann auf eine jahrhundertelange Tradition zurückblicken. Anfangs wurde mit den einfachsten Werkzeugen genäht, die sich im Laufe der Zeit stetig veränderten und angepasst wurden. Heute sind einige Werkzeuge und Maschinen auf möglichst neuestem Stand der Technik aus der modernen Schneiderei nicht mehr wegzudenken. Trotzdem hatte wohl jede dieser Erneuerungen antike Vorgänger, die immer weiterentwickelt wurden. Für viele Schneider, einige Hobbynäher und auch für Sammler alter Werkzeuge oder Nähutensilien sind antike Schneiderwerkzeuge und sämtliche andere Gegenstände, die mit der Schneiderei zu tun haben, von großem Interesse - spiegeln sie doch die Geschichte des Schneiderhandwerks wider. Viele dieser alten Gegenstände kann man auch heute noch erwerben, beispielsweise zur Dekoration oder als Geschenk für jemanden, der gern schneidert, sei es professionell oder als Hobby.  

Wichtige Werkzeuge und Maschinen für das Schneiderhandwerk

Nadel und Faden - wichtigste Werkzeuge in der Schneiderei

Nadel und Faden gehören zum Grundwerkzeug jedes Schneiders. Bevor textile Fasern zu einem Faden verarbeitet wurden, mit dem genäht werden konnte, erfüllten Tierdärme und Sehnen diesen Zweck. Und während Nadeln heutzutage aus Metall gefertigt sind, wurden die allerersten nadelförmigen Werkzeuge bereits seit 3000 vor Christus benutzt und bestanden aus Fischgräten. Seitdem wurden immer andere Materialien verwendet, so zum Beispiel Knochen, Horn oder Elfenbein, bis schließlich im 14. Jahrhundert die Nadel in der uns bekannten Form aus Eisen entstand. Sehr alte Nadeln aus Metall sind auch heute noch erhältlich.  

Schneiderelle - ein Attribut für das Schneiderhandwerk

Neben Nadel und Faden zählt auch die Elle zu den grundlegenden Werkzeugen eines Schneiders. Die Schneiderelle ist ein drei- oder vierkantiger Holzstab, der an einer Seite einen Griff hat. Manche dieser Stäbe sind auch rund gedrechselt. Ihren Namen bekam die Schneiderelle dadurch, dass sie in ihrer ursprünglichen Form eine Elle lang war, etwas mehr als ein halber Meter. Falls Sie eine besondere Elle suchen, kommt eventuell eine aus dem späten 19. Jahrhundert in Betracht, denn diese weisen neben dem alten Ellenmaß oft auch die Skala des 1871 eingeführten metrischen Systems auf. Für passionierte Schneider hat solch ein Stück sicherlich eine historische Bedeutung.  

Scheren - für das Schneiderhandwerk unerlässlich

Ein weiteres wichtiges Werkzeug ist die Schneiderschere. Diese spezielle Scherenart hat leicht angewinkelte Griffe, um einen Stoff auf einer ebenen Fläche bequem zuschneiden zu können, ohne ihn zu sehr anheben zu müssen. Auch die langen Scherenhebel sind charakteristisch für Schneiderscheren, denn sie ermöglichen das effektive Arbeiten, indem mit einem Schnitt ein möglichst langes Stück Stoff zerteilt werden kann. Antike Schneiderscheren gibt es auch heute noch zu kaufen, teilweise sind sie recht schlicht, teilweise aber auch edel verziert.   

Bügeleisen - im Schneiderhandwerk nicht wegzudenken

Wesentlicher Bestandteil jeder Schneiderei ist das Bügeleisen, auch Plätteisen genannt. Mit diesem bringt der Schneider das Kleidungsstück in Form beziehungsweise glättet es, nachdem er mit der Bearbeitung fertig ist oder aber vor bestimmten Arbeitsschritten, die einen faltenfreien Stoff erfordern. Die erstmalige Verwendung von Plätteisen ist aus dem 15. Jahrhundert bekannt. Damals bestanden sie aus einer Metallplatte mit Griff und wurden auf einer Ofenplatte erwärmt. Ab dem 17. bis zum 19. Jahrhundert wurden hohle Plätteisen, sogenannte Kasteneisen, benutzt. Durch eine Klappe in der Rückseite wurde eine vorher im Feuer erhitzte Platte gelegt, welche die Hitze an die Sohle abgab, was das Glätten der Kleidung ermöglichte. Im späten 19. Jahrhundert kamen schmalere Plätteisen auf, die zudem länger als Kasteneisen waren. In diese wurde ein erhitztes Stück Eisen eingeführt, das von seiner Form her an die Zunge eines Ochsen erinnert. Daher werden diese Plätteisen auch als Ochsenzunge bezeichnet. Sie sind wahre Antiquitäten und oftmals noch in gut erhaltenem Zustand zu bekommen.

Kohlebügeleisen und Wechselbügeleisen

Parallel zur Ochsenzunge kam eine weitere Variante von Plätteisen auf den Markt: das Kohlebügeleisen. Es wurde mit glühenden Kohlen und Briketts gefüllt und war aufgrund des dafür benötigten, größeren Hohlraums auch wesentlich höher als seine Vorgänger. Alte Kohlebügeleisen können Sie auch heute noch in verschiedenen Ausführungen und Erhaltungszuständen erwerben. Es gab zusätzlich sogenannte Wechselbügeleisen, bei denen der Griff einfach vom erkalteten Bügeleisen abgenommen und auf einem anderen, erhitzten Eisen eingeklinkt wurde. Während anschließend mit dem heißen Eisen weitergearbeitet werden konnte, wurde das kalte Eisen erneut zum Erwärmen auf die Ofenplatte gelegt. Auf diese Weise konnten die Eisen immer wechselseitig benutzt werden, mindestens eines von ihnen war stets einsatzbereit. Auch Wechseleisen mit den zugehörigen Griffen sind noch erhältlich. Mit der Elektrifizierung wurde das Bügeleisen schließlich elektrisch beheizt. Das Gehäuse der elektrischen Eisen bestand zunächst aus Bakelit, später aus Kunststoff. Es gibt eine große Auswahl an antiken Plätteisen aus unterschiedlichen Epochen. Solche Antiquitäten eignen sich übrigens auch sehr gut zum Verschenken. 

Nähmaschinen - vereinfachen das Schneiderhandwerk

Da das Nähen mit der Hand oftmals auch für einen geübten Schneider einige Zeit in Anspruch nahm, machte man sich in der Mitte des 18. Jahrhunderts Gedanken darüber, wie man die typischen Handbewegungen beim Nähen von einer Maschine ausführen lassen könnte. Es wurden daraufhin diverse Maschinen in verschiedenen Ländern entwickelt, die es jedoch nie bis zur industriellen Herstellung schafften. Im Jahre 1846 baute der Amerikaner Elias Howe eine Nähmaschine mit Doppelsteppstich, welche die Näharbeit von bis zu sechs Handnäherinnen leistete. Die Firma I. M. Singer & Co. stellte daraufhin die ersten Nähmaschinen nach der Idee von Howe her und vermarktete diese sehr erfolgreich. Kurze Zeit später entwickelte sie diese Maschine weiter, integrierte neue Bauteile und ermöglichte dadurch zusätzliche Funktionen. Immer mehr Typen von Nähmaschinen entstanden und wurden sowohl an die Industrie als auch als Nähmaschine für den Haushalt an Privatpersonen verlauft.

Nähmaschinen von Singer und Pfaff

Es sind auch heute noch zahlreiche Modelle alter Nähmaschinen von Singer aus unterschiedlichen Jahren erhältlich. Zu einem der ersten deutschen Produzenten gehörte Georg Michael Pfaff. Er übernahm im Jahre 1862 die Bauweise von Singer und baute auf deren Grundlage eigene Maschinen. Auch die Nähmaschinen aus dem Hause Pfaff zählen heute zu den Sammlerstücken. Neben antiken Nähmaschinen stehen natürlich auch die dazu passenden alten Nähmaschinennadeln vieler weiterer Hersteller zum Verkauf. Auch die aus Gusseisen gefertigten Maschinengestelle diverser Fabrikate sind einzeln erhältlich.  

Wichtiges Zubehör für das Schneiderhandwerk

Knöpfe

Bereits in der Antike kannte man Knöpfe, die damals allerdings nur zur Zierde dienten. Ihre Ausführung und das Material wurden stets verändert und der jeweiligen Mode angepasst. So kamen in den 1920er und 1930er Jahren Bakelit und Gallalith zum Einsatz, in den 1970er Jahren waren dagegen Naturmaterialien, wie zum Beispiel Kirschkerne, populär. Knöpfe können zudem aus Horn, Holz, Kunststoff, Metall oder Perlmutt bestehen. Wenn Sie das Besondere suchen, werden Sie bei Knöpfen sicherlich fündig. Diese gibt es in äußerst zahlreichen Varianten und aus den unterschiedlichsten Jahrzehnten.

Musterbögen und Schnittmuster

Seit dem 19. Jahrhundert wurden in Schneidereien Schnittmusterbögen verwendet. Schnittmuster sind Papiervorlagen, nach denen der Stoff für ein zu nähendes Kleidungsstück zugeschnitten wird. Meist werden die Schnitte in mehreren Größen angeboten. Durch diverse Zeitschriften wurden sie auch in Deutschland verbreitet, indem Heften Schnittmuster auf Papierbögen beigelegt wurden. Falls Sie zu den Hobbyschneidern gehören, ist es eventuell interessant für Sie, alte Schnittmuster zu erwerben und die Mode vergangener Zeiten nachnähen zu können. Oder Sie schenken einem nähbegeisterten Freund oder Bekannten einen solchen Papierbogen.

Kopierräder

Sollten die Schnittmuster auf neutrales Papier übertragen werden, kamen Kopierräder zum Einsatz. Dieser Arbeitsschritt war notwendig, weil die Schnitte auf den Musterbögen aus Platzgründen so eng wie möglich angeordnet waren und sich teilweise überlappten, was ein Ausschneiden der einzelnen Teile unmöglich machte. Kopierräder bestehen aus einem Zahnrädchen mit spitzen Zacken, das mit einem Holzgriff geführt wird. Durch das Abfahren der Konturen der Schnitte mit dem Kopierrad entstand auf dem untergelegten Papier eine Perforation in der exakten Form des Schnittmusters. Nun mussten die Einzelteile nur noch an der so geschaffenen Markierung entlang ausgeschnitten werden.

Schneiderpuppen

Viele Schneider benutzen Schneiderpuppen, um Kleidung auf Maß herstellen sowie Stoffe richtig abstecken zu können. Diese lebensgroßen, menschenähnlichen Modelle gibt es schon seit Jahrzehnten und sie wurden ursprünglich aus Holz gefertigt. Es werden teilweise sehr alte und dennoch gut erhaltene Schneiderpuppen aus verschiedenen Materialien, wie zum Beispiel Eisen, Kunststoff oder Holz, angeboten.

Magazine, Bücher und kleine Liebhaberstücke

Falls Sie sich für alte Magazine zum Thema Nähen oder antiquarische Bücher rund um das Schneidern interessieren, können Sie auch solche aus verschiedenen Jahrgängen erwerben. Kleine Liebhaberstücke, mit denen Sie das alte Schneiderhandwerk zu sich in die Werkstatt oder nach Hause holen können, stellen zum Beispiel antike Fingerhüte dar, die zum Teil aus echtem Silber gefertigt sind oder auch filigrane Verzierungen aufweisen können. Gleiches gilt für alte Maßbänder, deren Gehäuse mit Leder überzogen ist oder aus Silber besteht. Auch Nadelkissen in den verschiedensten Ausführungen und kleine Aufbewahrungsbehälter für Nähnadeln können für Schneider oder Sammler interessant sein.

Fazit

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, um das alte Schneiderhandwerk wieder aufleben zu lassen. Antike Nähmaschinen oder Bügeleisen bereichern wohl jede Schneiderei, ob professionell geführt oder als Hobbywerkstatt. Mit einer alten Schneiderelle oder einer antiken Schneiderschere können Sie sich typische Werkzeuge aus alten Zeiten in Ihre Räumlichkeiten holen. Dem Schneiderhandwerk vergangener Zeiten können Sie aber auch dadurch wieder Leben einhauchen, indem Sie mit alten Schnittmusterbögen die Mode bestimmter Jahrzehnte nachnähen. Oder Sie verwenden zum Nähen alte Nadelkissen, Fingerhüte oder Maßbänder. Viele dieser kleinen Antiquitäten sind auch heute immer noch zu verwenden und verleihen Ihrer Nähausstattung sicherlich einen gewissen Charme. Ob Sie nun ein Werkzeug beziehungsweise einen sonstigen Gegenstand zur zukünftigen Nutzung oder lediglich zu Dekorationszwecken erwerben möchten, bleibt Ihnen überlassen. Das Angebot ist vielfältig und es sollte für jeden Geschmack etwas Passendes zu finden sein.

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