Alte Massivholztüren verwenden: Praxistipps/Kostencheck

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Wir haben vor einiger Zeit ein uraltes Haus gekauft. Fast alle Türen (Kassettentüren)waren aus der Zeit von etwa 1900, eine sehr niedrige Türe ( ca. 160 cm ) mit Barockschloß war die einzige die wir nicht übernehmen konnten, weil der Holzzustand sehr schlecht war. Fast alle Türen waren zu gebrauchen, auch wenn einige Teilbereiche Wurmfrass hatten. Ein Schreiner oder ein geübter Heimwerker kann alte Stücke rausnehmen und mit neuem Holz ergänzen. Er macht auch einen passenden Türstock oder Türrahmen dazu. Weil alte Zimmer- oder Nebentüren oft niedriger sind: man kann leicht ein Stück in der Höhe ansetzen, so daß es nach dem Anstrich kaum zu bemerken ist . Für bessere Beleuchtung eines dunklen Flurs kann man das obere Kassettenfeld durch eine Verglasung ersetzen. Siehe Bild! Verlangen Sie, daß der Schreiner ganz normales Flachglas einsetzt und kein "modisches" Strukturglas. Noch besser, wenn zu kriegen: altes Glas mit Schlieren. Übrigens: früher waren Türen fast immer mit einem Farbanstrich versehen. Deswegen haben wir unsere Türen bis auf eine in hellgrau oder hellgrün gestrichen. Schaut echt gut aus. Anfangs haben wir ohne Erfahrung zwei alte Türen zum Sandstrahlen gebracht. Ist abzuraten, weil das Holz anschließend ganz stark Jahresringe zeigt und die Tür regelrecht wellig wird. Um das wieder hinzukriegen, kostet es viel Zeit und Spachtel.  In den meisten Fällen ist auch das Abbeizen nicht nötig, weil alte Anstriche oft relativ dünn sind. Hat Ihre Türe aber einen fetten Ölfarbanstrich? Dann nehmen Sie eine Atemmaske und versuchen Sie mit der Heissluftpistole und Spachtel die dicksten Schichten abzutragen, den Rest mit Schleifgeräten ( Vorsicht mit Schleifspuren ) und am Schluß mit der Hand zu bearbeiten.  Beim weiteren Herrichten ist wichtig, daß Sie den Auftrag der neuen Farbe (keine glänzenden, sondern matte Acryl- oder Naturfarben) immer wieder unterbrechen, um kleinere Fehlstellen zu spachteln und anschließend zwischenzuschleifen. Versuchen Sie nicht , diese Arbeitsgänge auszulassen. Die Oberfläche wird dann oft unansehnlich. Die größeren Flächen werden mit einer Rolle am besten und schnellsten behandelt. Die Profile, die als erste dran sind. erfordern unbedingt den feineren Pinsel. Alte Farbreste und Sandkörner etc. entfernen Sie mechanisch und möglichst gründlich. Trotzdem: man darf einer aufgearbeiteten alten Tür durchaus ansehen, daß sie keine neue ist.

Wir hatten vor kurzem das Glück, einen Händler zu finden, der alte Türen ablaugt und dann für ca. 85 € anbietet! Wir haben für ein anderes Haus gleich drei Stück gekauft. Beim Schreiner kostet eine neue Kassettentüre locker das Zehnfache !!!

Der Markt für alte Türen ist immer noch gut sortiert: d. h. man findet auch Objekte, deren Besitzer gleich ein Dutzend oder mehr Türen abgeben. Wenn man heute solche Kassettentüren anfertigen lässt, weiß man den Wert alter Vollholztüren zu schätzen. Nehmen Sie evtl. unrestaurierte Türen im Bergezustand, deren Holz noch gut ist und die nicht allzuviele Lackschichten aufweisen, wenn Sie Zeit haben. Bei Haustüren speziell den unteren Teil, der oft Nässe abkriegt, genau inspizieren! Ein Wetterschenkel, ein unten aufgesetztes Querholz, ist allerdings leicht zu erneuern. Ein Tipp für das Hantieren mit großen Türen:

Schrauben Sie je zwei große Spaxe in die Türfalz unten und oben. Dann kann man diese Schrauben als Griffe benutzen, um die Türen leichter zu drehen.

(Wollte eben ein Bild dazu einfügen: geht nicht >>> brauche Ratgeber ;-))   )  

Die Suche nach passenden Größen:

- auf die genaue Breite kommt es an, an der Höhe lässt sich vieles ändern.

- machen Sie sich klar, ob rechts oder links angeschlagen! Da sind nachträgliche Änderungen oft aufwändig.

- man kann Zimmertüren durch Aufdoppeln zu stabilen Außentüren machen z. B. für einen Nebeneingang.

- Bewohnen Sie ein Haus allein, dann lohnen sich Zylinderschlösser eigentlich nur an den Außentüren. Die sollten dann allerdings auch den gleichen Schlüssel haben.

- Sonst tut es für alle Zimmer Kastenschlösser bzw. für das WC evtl. ein Drehschloß, das außen mit einer Kerbe versehen ist, damit sich ein Kind nicht aus Versehen einschließen kann. 

WICHTIGE   ZUSATZINFO:

Wollen Sie die ganze Arbeit einem Handwerker überlassen ?

Dann aber  NUR  mit Kostenvoranschlag !!

Wir sind unverbesserliche Renovierer, aber haben vor kurzem folgendes erlebt: ein Schreiner ( ein sehr guter ! ) hat sich bei der Renovierung so excessiv mit Regiestunden "ausgetobt", daß unsere Innentüren ( bei ihm abgeliefert und bereits abgelaugt für unter 100 € das Stück ) zwar absolut perfekt wurden. Das Stück kam dadurch allerdings inklusive Türstock fast auf 3 Mille - Sie haben richtig gelesen!!! Wir hatten uns auf unseren Architektenvertrag verlassen. Leider fand keine Kostenkontrolle statt. Dieser Handwerker fand es auch nicht für nötig, uns auf die große Zahl von Stunden hinzuweisen. In einer Krisensitzung haben wir die Rechnung noch um einige Tausender runterhandeln können - trotzdem sind die Türen immer noch viel zu teuer.  Es war uns eine schmerzliche Lehre.

 VORSICHT:  WICHTIG  !! Kostenkontrolle !!

Bilder aus unserem Archiv:

       nachträglich eingesetzte Verglasung, unten ca. 20 cm angesetzt;

    "Bergezustand" mit "Fenstern" zur Untersuchung der Farbfassungen,

wurde von uns gereinigt, geschliffen und mit matter grüner Farbe lackiert, Beschläge entweder mit der gleichen Farbe überstreichen oder mattschwarz absetzen. oder komplett Farbe runter und mit Zaponlack farblos überziehen.

Eine "neue" Anregung für alte Türen sah ich vor kurzem in einer der sehr empfehlenswerten  französischen Einrichtungszeitschriften. Eine mit ca. 15 cm breiten senkrechten Dielenbrettern aufgedoppelte Türe wird durch die Verwendung von regelmäßig eingeschlagenen waagrechten Nagelreihen zu einer trutzig aussehenden Burgtür, ohne zu klobig zu wirken.  Allerdings müssen es schon handgeschmiedete Nägel sein. Ich versuche es mit alten Hufnägeln - mal sehen wie das rauskommt. Dieses Modell werde ich für "meine" neue/alte Wehrturmtür  verwenden.  

Zu den Beschlägen:  alte Kastenschlösser sind oft unverwüstlich. Man kann sie abschrauben und in Öl baden, damit sie wieder leichter funktionieren. Angeln und Kloben sollte man, wenn möglich, weiterverwenden oder dezent mit neuen Metallteilen kombinieren. Ein großer Vorteil alter Türen: auch der Laie kann sie neu justieren, wenn sie irgendwo klemmen: mit Unterlegscheiben  kommt das gute Stück wieder in die richtige Position. Oder sie schliesst wieder einwandfrei, wenn der Schließmechanismus richtig  einrastet. Selbst Schlüssel kann man wieder nachmachen/kopieren. Überlegen Sie sich allerdings, ob Sie an manchen Türen überhaupt einen Schlüssel brauchen. Evtl. reicht der Riegel oder noch rustikaler: ein Sturmhaken am WC (wenn Sie nicht gleich pfeifen wollen). Wenn Sie eine passende Schließfalle oder ein Langschild brauchen: suchen Sie sich einen Metallbauer/Schmied, der solche Teile anfertigen kann. Die gibt es noch. Neue Kastenschlösser kosten zwischen 300 und 400 €. Da lohnt es sich, nach alten Exemplaren Ausschau zu halten. Ich habe vor kurzem ein schönes Expl. für knapp 30 € bekommen.  Es war einwandfrei gereinigt und leicht geölt.

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