Alte Kameras verkaufen

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Sie haben aus einem Nachlass eine oder mehrere alte analoge Kameras aber keine Ahnung davon und wollen diese verkaufen? Wenn Sie der Meinung sind, dass diese einen hohen Wert haben (Opa hat immer erzählt...) rufen Sie am besten abgeschlossene Transaktionen bei ebay auf und vergleichen die Zustandsbeschreibungen und die Erlöse.
So haben Sie nach kurzer Zeit einen Überblick und können entscheiden, ob Sie zum Festpreis, Mindestpreis oder 1 Euro einstellen.
Das war jetzt allerdings nicht ganz ernst gemeint: Eine Leica, egal in welchem Zustand, wird immer einen angemessenen Preis bringen - wenn sie denn echt ist.
Das Wichtigste aber ist beim Angebot ein aussagekräftiges Bild, auf dem möglichst der Hersteller und die Aufschrift auf dem Objektiv zu erkennen ist. Wenn sie absolut keine Ahnung haben sollten Sie sich auch nicht über Filmformat, Seltenheit und Firmengeschichte auslassen - auch wenn Sie meinen im Weltnetz etwas passendes gefunden zu haben.
Es passt üblicherweise nicht... Alte Fotogeräte werden von Sammlern gesucht, die das viel besser wissen als Sie. Beschränken Sie sich also bitte auf ein gutes Bild und die Wiedergabe der Gravuren:
Den Objektivdeckel dafür natürlich abnehmen!

Hersteller: z.B. Praktica
Typ: z.B. TL
Lichstärke und Brennweite des Objektivs: z.B. 2,8 / 50mm (auf dem Ring um die Linse)
Hersteller des Objektivs: z.B. Schneider, Isco, Enna, Schacht, Zeiss, Beroflex, Meyer, Hanimex, Revue (Handelsname Quelle), Kilfitt, Staeble, Steinheil, Tokina, Tamron, ...
Oft ist ein  Kamera Hersteller auch Hersteller des Objektivs
Typ des Objektivs: z.B. Cassar, Xenar, Xenon, Travegon, Travegar, Westron, Isconar,Biotar ,Primotar, Trioplan, ....
Oft steht unterhalb des Objektivs auch noch der Verschlusshersteller oder der Verschlusstyp: z.B. Prontor oder Compur.
Auch die möglichen Verschlußzeiten sollte man aufführen: z.B. B-30-60-125-250-500.

Und noch was: Eine Firma "Lens" gibt es nicht. "Lens made in Germany" heißt schlicht "Linse(n) in Deutschland gefertigt".

Wo wir bei Peinlichkeiten sind: Eine Kamera aus den 60er Jahren als "antik" zu bezeichnen finde ich ein bisschen daneben, genauso wie die inflationäre Benutzung der Bezeichnung "Vintage", die unsere amerikanischen Freunde so lieben. Sagt sie doch eigentlich gar nichts aus. "Antik" würde ich bestenfalls bei Kameras gelten lassen,d ie vor 1900 hergestellt wurden."Vintage" bezeichnet eigentlich nur so was wie "gute alte Zeit" "aus der besten Zeit" usw. - man könnte es aber auch als "Weinernte" übersetzen...
Aber das muss jeder selbst wissen.

Zustandsbeschreibung ist für einen Laien etwas schwierig, aber Kratzer, Dellen, Risse im Sucherglas, Rost oder Grünspan (oft als Beulen in der Belederung) kann man sehr wohl erkennen. Auch ob der der Bezug noch fest und vollständig ist. Und das kann man dann auch schreiben! Auf dem Bild ist sowas oft schlecht zu erkennen.
Bei der Technik wirds schwieriger. Allerdings sollte das Aufziehen (Spannen des Verschlusses) und Auslösen für einen normal begabten Mitteleuropäer noch machbar sein. Bei einigen Kameras muss allerdings zum Testen ein Film eingelegt sein oder man muss bei geöffneter Rückwand das Rädchen für die Perforation mit Hand weiterdrehen.

Deshalb für Fortgeschrittene: Öffnen Sie die Rückwand (Film natürlich vorher entfernen und entwickeln lassen - vielleicht sind ja noch interessante Bilder drauf - zur Not in einem Fachgeschäft - da könen Sie sich gleich die Bedienung zeigen lassen)
Dann Kamera spannen und auslösen während Sie von hinten durch das Objektiv schauen.
Frage:
Ist der Verschluß bei verschiedenen Zeiten auch sinngemäß länger/kürzer geöffnet? Ist überhaupt ein Öffnen da?
Bei der Zeiteinstellung "B" sollte der Verschluß offen bleiben solange man den Auslöser drückt.
Tut er das? Kann man die Blende (das ist das Rädchen vorne am Objektiv mit den Zahlen 2,8;3,5 usw. bis 16 oder 22) in dieser Position bei Betätigung beobachten?
Viele alte Kameras haben keinen Zentralverschluss (Lamellen direkt hinter der Linse) sondern einen Tuch- Schlitzverschluß direkt vor dem Film. Dann ist wichtig zu wissen, ob dieses Tuch noch in Ordnung ist (Gummierung rissig? Wellenbildung?) Gehen die Vorhänge nach dem Auslösen wieder in Ausgangsstellung?

Bei dieser Gelegenheit kann man auch gleich den Zustand der Linsen beurteilen: Kratzer? Flusen im System? Pilzbefall? (Leider häufig)
Wenn Sie mit diesen Tests überfordert sind, schreiben Sie das bitte auch. "Sehr guter Zustand" MUSS sich AUCH auf die Technik beziehen. Sammler benutzen die Kameras zwar sehr selten, legen aber merkwürdigerweise viel Wert auf ein funktionsfähiges Gerät!
Noch was: Oft liest man den Zusatz "Artikel wird verkauft so wie er ist". Diese Formulierung ist von Gerichten als unzulässge Einschränkung der Käuferrechte gewertet worden. Ganz bequem ist natürlich: "Zustand siehe Bild". Toll! Wie soll man die Funktion auf einem Bild erkennen können? Auch sehr grenzwertig :"Bilder sind Hauptbestandteil der Artikelbeschreibung". Heißt u.U.: "Die Kamera hat Beulen und Kratzer- mal sehen ob Du die auf meinen Bildern auch selbst findest.".
Eine böse Falle hat ebay noch eingebaut:Wer in der Artikelbeschreibung "gebraucht" anklickt bestätigt damit die Funktionsfähigkeit des Gerätes(hinterlegten Text lesen!).Wenn in der Artikelbeschreibung dann nichts spezielles dazu steht kann der Käufer von einem vollkommen intakten Gerät ausgehen.Deshalb entweder im Text deutliche Einschränkungen machen oder als "defekt" einstellen.

Auch Formulierungen wie: "Kamera funktionierte bis zuletzt einwandfrei", "Müsste eigentlich noch funktionieren", "Opa hat da immer gute Bilder mit gemacht" sind wenig hilfreich.
Gern werden auch Infos aus dem Weltnetz verwendet. Beliebt ist da die Seite des Herrn Lausch, der seine Meinung und technische Daten über eine Vielzahl von Kameras durchaus interessant und informativ darlegt. Nur: Einen potientellen Käufer wird dies wenig interessieren - er ist mehr am aktuellen Zustand IHRER Kamera interssiert - ausserdem sollte man mal das Impressum der Seite lesen. In der Regel darf man Text und Bilder solcher Seiten nicht für eigene Zwecke - und schon gar nicht "kommerziell" verwenden.

Auch sollte man sich fragen - und das gilt insbesonders für Familienerbstücke - ob man das gute Stück überhaupt verkaufen soll. Kameras nehmen nicht viel Platz weg und vielleicht findet sich ja im Bekannten- oder Familienkreis ein Interessent? Alte Kameras - insbesonders mit Balgen (bitte nicht Balken!) - in einer Vitrine sind auch dekorativ!
Bauformen:

Agfa Click. Rollfilmkamera, Bakelitgehäuse                              Japanischer Rolleiflexnachbau
Filmformat 6 mal 6 cm, Rollfilm                                                   Filmformat 6 mal 6 cm, Rollfilm
                                                


Rollfilm Balgenkamera                                                               Kleinbild Balgenkamera
Filmformat 6 mal 9 cm                                                              24 mal 36 mm Kleinbild                       
                                                                              


Kleinstbildkameras für 16mm                                                   Einäugige Spiegelreflex
Schmalfilm Edixa 16                                                                24 mal 36 mm Kleinbild
                                                

Viel Glück beim Verkauf!



UM


Verwendung von Text und Bildern nur mit meinem ausdrücklichem Einverständnis erlaubt!





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