Alte Kameras und sonstige Raritäten – das Sammeln von Photographica

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Alte Kameras, Raritäten und sonstige Fundstücke – ein Ratgeber über das Sammeln von Photographica

Die Fotografie in ihrer historischen Entwicklung ist ein interessantes und zugleich spannendes Sammelgebiet, von alten Kameras und Raritäten bis hin zu den Fotografien selbst, die nicht nur dekorativ sind, sondern dazu als Zeitzeugen für ihre jeweilige Epoche stehen. Die Frage ist natürlich auch, aus welcher Motivation man eine Sammlung an Photographica anlegen möchte: Ist es die Freude an alten Objekten, verbunden mit dem Nostalgie-Faktor oder stecken auch Intentionen finanzieller Natur dahinter und wird die Sammlung als Geldanlage betrachtet?

Nun stellt sich für jemanden, der neu mit dem Sammeln beginnen möchte, die Frage, wo es im Zusammenhang mit Photographica eigentlich anzufangen gilt? Die vermutlich einfachste Antwort lautet: dort, wo die Fotografie als solche angefangen hat. Man arbeitet sich durch die einzelnen Entwicklungsabschnitte und sucht basierend auf diesem Prinzip nach passenden Fundstücken, die sich dann letztlich auch innerhalb des vorgesehenen Budgets bewegen. Dies ist natürlich nur einer von vielen möglichen Ansätzen, Im nachfolgenden Ratgeber finden Sie viele historische Anhaltspunkte sowie Tipps, wo Sie weitere Informationen erhalten können.

Einsatzbereite Stücke oder lieber Bastelobjekte?

Das Sammeln selbst kann bereits viel Freude bereiten, wenn man einmal mehr das gewünschte Objekt gefunden hat, zudem ist es für manche auch reizvoll, alte Raritäten mit Defekten wieder funktionstüchtig zu machen, das Basteln also als Erholungsfaktor zu nutzen, um die innere Ruhe wiederzufinden, ganz abgesehen vom Erfolgserlebnis, das sich nach gelungener Arbeit einstellt. Neben dem handwerklichen Geschick und dem technischen Verständnis ist allerdings Geduld gefragt, da man viele passende Ersatzteile unter Umständen nicht an jeder Ecke findet.

Sammeln nach fotografischen Epochen

Auf die Frage, ab wann eine Kamera als alt gilt, gibt es vermutlich keine eindeutige Antwort. Für manche mögen analoge Kameras gegenüber Digitalkameras alt oder auch veraltet sein, andere gehen noch weiter zurück Richtung Box-Kameras – aber eines nach dem anderen, denn jede Epoche bietet Sammlern sehr gute Anhaltspunkte.

Fast jedem wird der Begriff der Lochkamera geläufig sein, häufig auch als Camera Obscura (dunkle Kammer) bezeichnet. Anfangs wurden diese ohne optische Linse gebaut und dienten als Hilfsapparat für viele Künstler und Wissenschaftler, um Zeichnungen oder Skizzen von den projektierten Abbildungen anzufertigen, die durch den Lichteinfall auf einer transparenten Mattscheibe entstanden. Das Prinzip wurde übrigens erstmals von Aristoteles erwähnt, hatte mit der eigentlichen Fotografie aber noch längst nichts zu tun.

Mit der Heliografie entstand erstmals ein fotografisches Verfahren, bei dem die Realität tatsächlich abgebildet werden konnte. Als Erfinder gilt Joseph Niépce aus Frankreich, vermutlich stammt von ihm die erste echte Fotografie, die auf das Jahr 1826 datiert wird und den Blick aus seinem Arbeitszimmer abbildet.
Knapp 10 Jahre dauerte es, bis mit der Daguerreotypie das nächste fotografische Verfahren von Louis Daguerre entwickelt wurde und für die damalige Zeit als praxistauglich galt. Die Bauart der Kameras wurde zu dieser Zeit durch mehrere Faktoren mitbestimmt: Zu diesen zählen die optischen Linsen, ebenso wie das verwendete Filmmaterial. Anfänglich handelte es sich bei der Daguerreotypie um mit Silberverbindungen beschichtete Kupferplatten, die etwa mit Joddämpfen und später mit Chlor- oder Bromdämpfen lichtempfindlich gemacht wurden – im Format allerdings deutlich größer als der heutige Planfilm für Großformatkameras. Als weiteres Trägermaterial für die Emulsion kam auch Glas infrage, entsprechend überdimensioniert sind historische Plattenkameras, die nur mit großem Aufwand transportiert werden konnten und durchaus mannshoch und größer waren.

Der Rollfilm: die nächste fotografische Revolution

An dieser Stelle soll die kurze Anmerkung erfolgen, dass einige Entwicklungen zwischen den ersten Fotoplatten und dem Rollfilm ohne Erwähnung bleiben, da dies sonst den Rahmen des Ratgebers sprengen würde. Jedenfalls war es der Erfinder Hannibal Goodwin, der 1887 den Rollfilm auf Zelluloidbasis erfand und das Patent dafür noch im gleichen Jahr anmeldete. Um dieselbe Zeit arbeitete George Eastman, Mitbegründer von Kodak, am selben Format, zunächst mit Papier als Emulsionsträger, später ebenfalls mit Zelluloid, was zu einem lang andauernden Patentrechtsstreit führte, der zugunsten von Hannibal Goodwin entschieden wurde. George Eastman war es später jedoch, der eigens einen neuen Kameratypus schuf – die sogenannte Boxkamera – um das von ihm selbst hergestellte Rollfilmmaterial mit dem Format 6 x 9 cm besser vermarkten zu können, was sich als voller Erfolg herausstellen sollte; dazu später mehr.

Vom Rollfilm zum Kleinbild-Film

Der Kleinbildfilm wurde ursprünglich als Format für Kinofilme entwickelt. Der Streifen wies eine Breite von 35 mm auf und war beidseitig für den Filmtransport perforiert. Entwickelt wurde das Format bereits 1897 von William Dickson, fand jedoch erst sehr viel später Einzug in die Standbild-Fotografie – es fehlte zunächst an den geeigneten Fotoapparaten. Ein erster Prototyp entstand im Auftrag der in Wetzlar ansässigen Firma Leica – zuständig für die Entwicklung war Oskar Barnack. Die sogenannte Ur-Leica erblickte 1914 das Licht der Welt. Kameras der Firma gehören sicher zu den spannenden und gleichzeitig kostspieligen Sammelobjekten, auch dazu später mehr.

Bis zur Entwicklung der Digitalfotografie war der Kleinbildfilm in Patronen inklusive Equipment eine echte Erfolgsgeschichte ohne Vergleich – entsprechend wurde die Technik stets weiterentwickelt. Nachfolgend eine Aufzählung mit typischen Kameraarten:

Im Zuge der Entwicklung gab es noch weitere Kategorien für spezielle Aufgabengebiete wie etwa Unterwasserkameras oder Panoramakameras, die für sich selbst auch ein schönes Sammelgebiet sein können, da sie im Angebot etwas überschaubarer sind. Eine ähnliche Spielwiese könnten auch Exponate aus dem Bereich der Spionage sein, um eine weitere Idee ins Spiel zu bringen.

Sammeln nach Kameratypen

Wie bereits in den vorherigen Abschnitten beschrieben, gibt es viele unterschiedliche Kameratypen, die als Sammelobjekte infrage kommen – ob Sie sich dabei auf eine bestimmte Bauweise konzentrieren möchten oder übergreifend sammeln, ist eine Frage der persönlichen Vorlieben.

Schwierig wird es mit Sicherheit in Bezug auf original historische Plattenkameras, entsprechende Exponate zu finden. Etwas leichter gestaltet sich die Angelegenheit hingegen, wenn es um Boxkameras geht: Die ersten Modelle stammten von Kodak – die Firma blieb über mehrere Jahrzehnte hinweg unangefochtener Marktführer. Viele verschiedene Modelle finden Sie bei eBay unter dem Stichwort Kodak Box. Die erste Variante kam 1889 unter der Bezeichnung Kodak Nr. 1 auf den Markt. In Deutschland selbst sowie in angrenzenden Ländern begann die Produktion dieses Kameratyps weitaus später. Eine bedeutende Rolle bei der Verbreitung spielte Agfa mit seinen verschiedenen Modellen ab 1930. Als Letzte dieser Bauart wird zumeist die Agfa-Clack eingestuft, mit der in Bezug auf das Design ein Paradigmenwechsel eingeläutet wurde. Das endgültige Aus für Boxkameras erfolgte dann Mitte der 60er Jahre.

Ein ähnlich umfangreiches Angebot gibt es für sogenannte Klappkameras, die bereits einen recht guten Bedienkomfort vorweisen konnten und zudem optisch nach wie vor sehr interessant sind. Nach dem Aufklappen kam das an einem lichtdichten Ziehharmonika-Balgen angebrachte Objektiv zum Vorschein, sodass der Abstand zwischen Filmebene und Objektiv verändert werden konnte, um Schärfe und Entfernung einzustellen.

Ebenfalls interessant sind etwa Pocket-Kameras, deren Anspruch es war, Platz in jeder Hosentasche zu finden – wie es der Name schon besagt. Erste Modelle dieses Kameratyps kamen bereits um 1950 auf den Markt, mit einer recht einfachen Technik, um einerseits die Bedienung zu erleichtern und andererseits über den niedrigen Verkaufspreis ein größeres Publikum zu erreichen. Vielleicht kennt der eine oder andere Leser noch die Agfamatic Serie.

Eine andere interessante Kategorie bildeten die sogenannten Instamatic-Kameras wie sie etwa Kodak oder Agfa mit der Rapid-Reihe in den Anfängen der 70er Jahre in ihr Portfolio aufnahmen. Ob Instamatic- oder Pocketsystem: Für beide Kameratypen gab es Filmkassetten, um das Wechseln des Filmmaterials so einfach und sicher wie nur möglich für die Kunden zu gestalten.

Alte Kameras und Raritäten sammeln nach Herstellermarken

Reizvoll ist sicherlich das Sammeln nach Herstellern. Es gibt so einige Marken, die längst Kultcharakter erlangt haben, entsprechend jedoch nur selten auf dem Markt zu finden sind. Erwähnt wurde bereits die Firma Leica, die für viele technischen Errungenschaften verantwortlich war, wie etwa die Ur-Leica als erste Kleinbildkamera. Bis zur ersten Serie – Leica 1 –, die tatsächlich auf den Markt kam, dauerte es allerdings noch weitere 11 Jahre. Ähnliche Geschichten können viele weitere traditionelle Markenhersteller vorweisen, was das Sammeln besonders reizvoll machen kann. Weitere Traditionsfirmen wie Zeiss, Linhof oder Hasselblad im 6x6-cm-Mittelformat sind dabei, Polaroid mit seinen Sofortbild-Kameras, die ihre eigene Geschichte geschrieben haben wie auch Susse Frères aus Frankreich.

Vorsicht vor Fälschungen

Wie auf vielen anderen Sammelgebieten auch, wurden und werden bei Fotoapparaten Fälschungen oder Plagiate auf den Markt gebracht, die ihren Vorbildern recht ähnlich sehen – mehr aber auch nicht. Gerade wenn es um ältere Kameras geht, ist für Laien oder Hobby-Sammler nicht immer leicht zu erkennen, ob es sich um ein Original oder eine Kopie handelt. Im Zweifel lautet die Empfehlung, eher die Finger von einem Kauf zu lassen, was natürlich auch für Zubehör sowie Objektive und alle weiteren Photographica gilt.

Zwei Highlights zum Schluss: die teuersten Kameras der Welt

In diesem Zusammenhang fällt erneut der Name Leica: Im Jahr 1923 erschien die erste Nullserie der Leica 1 mit 25 Prototypen, die produziert wurden, um das 35-mm-Format anzutesten. Einer dieser Prototypen ging im Jahr 2012 für über 2 Millionen Euro über einen Wiener Auktionstisch. Einen ebenfalls sehr hohen Preis von 750.000 Euro erzielte eine Daguerreotypie-Kamera von Susse Frères, die um 1840 nach dem Schiebekasten-Prinzip gebaut wurde. Dies sind nur zwei Beispiele, die exemplarisch für viele weitere stehen – vielleicht sollten Sie noch mal die Dachkammer durchforsten.

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