Alte Holzbalken - Grundlagen + Tipps für den Einkauf

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Alte Holzbalken liegen im TREND!
 Blickt man in Wohn- und Lifestylemagazine so findet man Häuser mit alten Holzbalken, mit Eichenbalken oder alte Balken aus Kiefer und Fachwerk. Man findet Möbel aus alten Balken wie Tische, Bänke und Betten. Dies ist keine kurzlebige Mode. Alte Holzdielen oder Holzbalken haben einen besonderen Charme. Handbehauene Balken mit ihrer unregelmäßigen Oberfläche wirken lebendiger als glatt gehobelte Holzbalken. Die intensivere Farbe der Maserung von Kiefernbalken oder die vielschichtigen Brauntöne der Eichenbalken schaffen Wohlfühl-Wärme. Alte Balken sind weniger steril und setzen in unserem modernen Wohnumfeld einen lebendigen Kontrapunkt zu den nüchternen Möbeln und der manchmal sterilen Architektur des Neo-Bauhausstils.
Woran erkennt man, dass diese wirklich alt sind?
Wirklich alte Balken haben eine gehauene Oberfläche. (Gegensatz gesägt oder gesägt + gehobelt). Die Oberfläche ist unregelmäßig, weil das Beil das Holz abspaltet. Beim Abspalten verläuft die Trennung entlang der Holzfaser, dadurch entstehen kleine Vorsprünge und Vertiefungen, wie wenn Sie in Wasser sanft blasen. Beim Sägen werden die Fasern durchschnitten, die Oberfläche ist zwar eben, aber Sie sehen entweder das Schnittmuster des Gatters (erhabenene Linien) und Sie spüren die feinen Fasern wie einen Flaum. Mit dem Sägen wurde etwa Mitte des 19 Jahrhunderts begonnen, aber gehauene Balken wurden auf dem Land noch bis zum 2. Weltkrieg hergestellt. Also auf die gehauene oder gehackte Balken Oberfläche achten.
Woher bekommt man nun solch alte Balken?
Wer auf dem Land wohnt, kann die Augen offen halten und bei Bauern nachfragen, ob irgendwo ein Stadel oder ein altes Bauernhaus abgerissen wird.
Wer in der Stadt wohnt oder auf dem Land nicht fündig wird, kann in ebay  oder in Kleinanzeigen der Zeitung fündig werden oder bei einem Händler für historische Baumaterialien nachfragen.
Was muß man beim Kauf beachten?
  • Zweck genau überlegen
  • Oberfläche der Balken behauen ?(siehe Text oben)
  • Welches Holz – Eiche oder Kiefer oder Fichte
  • Wurm/Käferbefall
  • Fäulnis
  • Nägel im Holz
  • Balkenstärke, Maße
  • Zapfenlöcher, Kerben, Zapfen
  • Transportweg und Transportkosten
  • Habe ich das richtige Werkzeug, das Know How, den Platz und die Zeit  zum weiterverarbeiten
 
Zweck genau überlegen – wofür will ich das Holz?
  • z.B. Für ein Bett muss das Holz  am Ende der Verarbeitung so glatt sein,  dass ich mir keine Spreißel einziehe, das Holz muss statisch ausreichend sein.
  • Tragende Balken müssen ausreichend dimensioniert sein und dürfen vom Holzwurm nicht geschwächt sein, Zierbalken dagegen können schwächer sein und etwas Wurmbefall kann die Optik durchaus verbessern.
  • Balken für Dekogegenstände oder Kunstwerke werden durch Zapfen + Kerben interessant, bei einer Tischplatte ist das Geschmacksache.
Welches Holz – Eiche,  Kiefer oder Fichte
Siehe die Maserung der Beispiele:
Kiefer und Tanne haben eine typische Maserung, Tanne/Fichte ist bräunlicher ,  Kiefer rötlicher
Eiche ist schlichter und  einheitlich braun, Eiche wiegt doppelt so viel wie Fichte.
 
Auf Holzwurm und Käferbefall achten
Ein paar Wurmlöcher können interessant sein. Für einen Zier- oder Kunstbalken kann ein angefressener Balken durchausbewußt so eingesetzt werden.
Bei stärkerem Wurmbefall ist aber die Stabilität gefährdet. Dort, wo stabile Balken benötigt werden, sollen die Balken wenig oder nicht befallen sein.
Problem ist aber, daß auch ein geringer Holzwurmbefall ein Problem darstellt. Die Larven überleben relativ lange und fressen dann weiter.
Woher weiß ich, daß noch Holzwürmer im Balken sind? Wenn „Sägemehl“neben einem gelagerten Balken liegt ist es einfach. Doch Holzwurm oder Larven der Käfer überleben lange, werden irgendwann wieder aktiv oder sind im Verborgenen am fressen.Es ist falsch, daß alte Balken keinen Wurm oder Käfer mehr haben und es ist falsch, daß nur Splintholz oder Fichte befallen wird. Es gibt unterschiedliche Käferarten, die letztlich alle Holzarten befallen und auch 200 Jahre alte Holzbalken.
 
Daher Holz für Innenräume nur kaufen, wenn es gegen Schädlinge behandelt ist.
Der Spruch mancher Anbieter: unser Holz ist wurmfrei reicht nicht. NUR Hitzebehandlung garantiert Wurmfreiheit.
 
Wenn Balken erst mal eingebaut sind, ein Bett gebaut ist, dann wird es schwierig mit der Behandlung, denn letztlich kann nur Hitze helfen. Die Larven sind gegen Gase widerstandsfähig, in den Holzkern kommt man mit Flüssigkeiten nicht ninein und wer möchte schon alle 100 kleinen Löcher des Wurms suchen, und mit Arztspritze Gift hineinspritzen. Letztlich findet man doch nicht alle Löcher.
 
Auf Fäulnis achten:
Liegt Holz lange im Nassen, kann es schimmeln oder es wird stockig. Es verfärbt sich. Für manche Zwecke ist das unwichtig – Ein Dekobalken kann nach Trocknung und Bürsten dann wieder verwendet werden. Für ein Bett oder eine Tischplatte ist das schlecht, Pilzsporn im Bett sind ungesund, bei der Tischplatte kann der Schwamm wiederkommen, wenn die Platte durch abwischen immer wiederfeucht wird.
Fäulnis kann den Balken brüchig werden lassen. Mit dem Hammer drauf klopfen!
 
Nägel im Holz:
Fast alle Balken haben alte Nägel drin. Viele sind dünner und rostig. Alte Nägel brechen dann oft ab. Vorsicht aber beim Sägen, wenn Nägel drin stecken.
 
Balkenstärke, Format und Maße:
Die Balkenstärke muß bei tragender Funktion ausreichend sein. Es soll aber auch die Proportion von Balkenlänge zur Dicke stimmen. Viele neigen dazu zu dicke Balken zu suchen, andere wollen sparen und wählen zu dünne.Ein sehr kurzer Deckenbalken sollte nicht zu dick sein usw.
Alte Balken haben kein Standardformat, Formate wie heute bei Leimbindern wie 4:1 gab es damals nicht, weil man sonst einen Balken in der Mitte hätte trennen müssen. Das war ohne Sägewerk nicht möglich.
Beim Kauf der Länge genau planen. Manche Balken haben an Anfang und Ende Zapfen, diese können evtl. Für einen Tragenden Balken kann es sein, daß diese Zapfen nicht geeignet sind, dann muß ein längerer Balken her. – Also Planen!
Transportweg und Transportkosten
 
Wollen Sie Balken selbst abholen, die Sie irgendwo gekauft haben, dann werden Sie die Kosten, den Zeitaufwand selbst abschätzen können. Ist der Weg zu weit oder Sie haben wenig Zeit oder auch nicht das passende Fahrzeug man kann Balken durchaus schicken:
  • Balken unter 2 m gehen z.B. bis 40 KG mit GLS (z.B. Kieferbalken 2 m wiegt  bei 14 cm Stärke ca. 20Kg)
  • Balken bis 3 m und bis ca 80 Kg gehen als Sperrgut z.B. bei cargo international (Kosten nach Gewicht z.B. 50-80 €)
  • Darüber ist meist eine Spedition sinnvoller. Anfragen! Oder Sie kaufen bei einem Händler, der hat meist eine Spedition.
 
Habe ich das richtige Werkzeug, das Know How, den Platz und die Zeit  um alte Balken zu verarbeiten?
Bitte kritisch hinterfragen. Viele sehen ein altes Balkenbett und glauben – das geht einfach. Es fehlt aber an Erfahrung, im Handwerkskasten liegt ein Hammer, ein Schraubenzieher und eine Bohrmaschine. Und zum Verarbeiten soll das Schlafzimmer herhalten.
Es gibt mittlerweilen im Netz etliche brauchbare Anleitungen für unterschiedliche Schweregrade. Es gibt Bausätze, die mehr oder weniger einfach zu bauen sind. Für manches gibt es aber Grenzen. Da sollte man beim Kauf achten:
  • Holzwurm und Co haben wir schon angesprochen. Ist das Holz nicht behandelt, siehe eigener Blockbeitrag
  • Bürsten: bitte nicht mit der Stahlbürste schruppen, bitte kein sandgestrahltes Holz kaufen – das tut in der Seele eines Holzliebhabers weh.
Wenn Sie die gehackte Struktur und die Maserung erhalten wollen muß man mit Kunststoffbürsten arbeiten und hier mit breiten Walzen, damit man keine Bürstkerben reinfräst. Solche Maschinen sind teuer. Das rentiert sich nur, wenn Sie zusätzlich einen eigenen kompletten Dachstuhl sanieren. Also am besten kauft man alte Balken fertig gebürstet. (Im übrigen eine schmutzig staubige-laute Drecksarbeit, die kann man gerne abgeben).
  • Balken sägen. Saubere Schnitte von 20 cm Balken für ein Bett, eine Konsole ist mit Heimwerkerwerkzeug kaum machbar. Gehen Sie  zum Schreiner. Auch größere Zapfungen können Sie dort machen lassen, wenn Sie nicht geübt sind.
  • Bohren und Schrauben ist für die meisten Heimwerker kein größeres Problem. Hier haben wir aber in folgenden Blogbeiträgen noch Tips.
  • Feinschleifen von Kanten, Schnittstellen – das kann fast jeder
  • Ölen kann auch jeder selbst. Nehmen Sie aber gutes Öl – wir verwenden Lärchenöl, Öle von Livos, also Naturöle.
  • Die Räume: Balken sind oft groß und schwer. Für den Bau eines Bettes braucht man Platz, Böcke und es sollte nichts ausmachen, wenn es staubt und der Boden ein paar Kratzer abbekommt. (Keller, Garage, Werkstatt). Wenn im Schlafzimmer, dann mit Malerdecken abdecken!!!
weitere INFOS auch unter facebook bei mangostil
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