Alte Handwerkskunst neu erleben: Raritäten für Buchbinder

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Alte Handwerkskunst neu erleben: Raritäten für Buchbinder

Die Kunst, ein Buch zu binden

Der Beruf des Buchbinders ist vom Grundsatz her ein Handwerk, also im eigentlichen Sinne kein Kunsthandwerk, wie es zum Beispiel bei einem Goldschmied der Fall ist. In erster Linie ging es damals wie heute darum, einen Einband herzustellen, der ein Buch in seine endgültige Form brachte. Das Herstellen der Verbindungen, die den aus Buchseiten bestehenden Buchblock umschließen, ist die Grundlage der Buchbindung. Die äußere Gestaltung eines Bucheinbandes kann künstlerisch sein. Heutzutage ist sie meist funktional und wird im Massenverfahren maschinell erledigt. Umso interessanter und spannender ist es, wahre Meisterwerke der Buchbinderei zu betrachten. Bevor Sie sich auf die Suche nach Raritäten machen, sollten Sie einige Informationen mitnehmen, die Sie in die Lage versetzen, eine Rarität zu erkennen und ihren Sammelwert einzuschätzen.

Beruf: Buchbinder

Erst im späten Mittelalter entstand das Gewerbe der Buchbinderei. Bis dahin wurden Bücher dort gebunden, wo sie damals noch von Hand in den Schreibstuben der Mönche niedergeschrieben wurden, nämlich in Klöstern. Nur wenige, sehr gut gebildete Menschen hatten das Privileg zu lesen. Entsprechend wenige Menschen konnten schreiben und es bestand schlicht kein Bedarf an Büchern. Als sich die Privilegien verschoben und sich das geschriebene Wort immer weiter verbreitete, Menschen also in breiter Masse lesen und schreiben lernten, entwickelte sich das Berufsbild des Buchbinders. Die größten Raritäten, die Sie für einen Buchbinder finden können, sind deshalb Bücher, die aus den ganz frühen Phasen der Buchbinderei stammen. Sie sind quasi unbezahlbar und finden ihren Platz in Museen. Im 19. Jahrhundert hielt die Industrialisierung auch vor Buchbindern nicht an. Maschinen, die einen guten Teil der handwerklichen Arbeit übernahmen, wurden entwickelt. Der Verlegereinband etablierte sich und sorgte dafür, dass Bücher eines Verlages allesamt einen Wiedererkennungswert durch gleichartige Einbände erhielten. Exemplare, die bis zum 19. Jahrhundert komplett von Hand gefertigt wurden, sind entsprechend begehrt in Sammlerkreisen. Ebenfalls begehrt werden Kunstdrucke und Lehrbücher, die über die damaligen Arbeitsschritte der Buchbinderei Auskunft gaben. Aber auch heute noch können Sie in der Welt der Buchkunst fündig werden.

Buchraritäten und Kunstdrucke zur Buchbinderei

Wer sich über Buchraritäten informieren will, sollte sich also die Zeit vor Beginn der Massenproduktion genauer ansehen. Gebundene Bücher, die zwischen 1850 und 1899 gedruckt und gebunden wurden, werden häufiger angeboten, als Bücher, die in den Jahren 1800 bis 1849 ihren Ursprung haben. Ganz selten zu finden sind Bücher vor dem Jahr 1800. Der Seltenheitswert steigt also mit seinem Alter, aber der tatsächliche Wert ist nur schwer zu schätzen. Er hängt unter anderem vom Autor und vom Inhalt ab. Eine Gutenberg-Bibel gehört beispielsweise mit zu den wertvollsten Büchern, die Sie überhaupt erwerben können. Ihr Zustand spielt ebenfalls eine Rolle. Wurde sie, wie damals üblich, sicher in einem Buchschrein verwahrt, so ist sie wesentlich wertvoller als ein Exemplar, das diese Behandlung nicht erhalten hat. Da in der damaligen Zeit wenig über den Schutz von Büchern bekannt war, sind zahlreiche Exemplare zu Staub zerfallen. Außerdem beeinflusst die Gestaltung der Seiten und des Einbandes die Qualität und Wertigkeit eines Buches enorm.

Handgebundenes und die Liebe zum Detail

Unabhängig von den Sammlerwerten freut sich jeder Buchbinder über ein besonders schönes, handgebundenes Exemplar. Aufwendig gestaltete Einbände finden sich häufig bei klerikalen Werken. Da die Kirche der Ursprung aller Buchkunst ist, ist hier auch am meisten zu finden, wenn es um Raritäten geht. Theologische und religiöse Werke sind ein dankbares Gebiet auf der Suche nach aufwendigen Einbänden. Doch auch Werke aus Philosophie und Medizin wurden mit viel Liebe zum Detail eingebunden. Wenn Sie für einen Buchbinder ein schönes Geschenk suchen, das den künstlerischen Aspekt seiner Arbeit betont, dann ist der Erwerb eines schön gestalteten Buchs, das zudem in weiten Teilen in Handarbeit gefertigt wurde, mit Sicherheit eine sehr gute Wahl. Es gibt jedoch auch weniger kostenintensive Möglichkeiten. Bücher, die über den Beruf des Buchbinders informieren und dabei die damalige Handwerkskunst und die heutigen Verfahren miteinander in Bezug setzen, sind ebenfalls eine schöne Geschenkidee. Je älter ein Buch ist, desto höher dürfte der ideelle Wert für einen Buchbinder sein. Auch alte Kunstdrucke über den Berufsstand sind ein gern gesehenes Geschenk. Eng verwandt mit der Buchbinderei ist natürlich der Buchdruck. Kunstvoll gestaltete Schriftsätze, alte Bücher über Druckereien oder Setzkästen, Druckplatten und Bleisätze sind ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Rarität für Buchbinder.

Werkzeuge der Buchbinder

Sind Sie selbst Buchbinder mit Leib und Seele, dann liegt Ihr Augenmerk vermutlich zusätzlich auf alten Werkzeugen, die über viele Jahrhunderte von Buchbindern bei der Ausübung ihrer Handwerkskunst benutzt wurden. Tatsächlich war das Binden eines Buches früher ein sehr langwieriges Unterfangen. Es dauerte mehrere Tage, bis ein Exemplar fertig war. Der erste Arbeitsschritt bestand darin, die bedruckten Bögen in Form zu schlagen. Dafür wurde ein spezieller Hammer verwendet. Dieser Arbeitsschritt fällt in der heutigen Zeit komplett weg, denn die Buchseiten werden bereits in der korrekten Größe in der Buchbinderei angeliefert. Gerade deshalb ist es für Buchbinder etwas Besonderes, einen solch geschichtsträchtigen Hammer in Händen zu halten. Der Raritätenstatus ist hoch, da er komplett aus dem Berufsbild verschwunden ist. Im Anschluss an das Formschlagen sind die Seiten mit einem Falzbein scharf gefalzt worden. Falzen bedeutet, eine Seite zu knicken. Ohne Falzbein oder andere Hilfsmittel spricht man vom Falten. Inzwischen ist das Falzbein durch Pressen und Walzen ersetzt worden.

Nachdem sämtliche Seiten in der richtigen Reihenfolge sortiert waren, wurden die Seiten zusammengenäht und dann mit einem Leim versehen. Der Leim wurde mit einem Pinsel aufgetragen und dann mit der Hammerfinne oder dem sogenannten Falzbein zwischen die einzelnen Seiten gerieben. Damals wurden Leime und Kleber verwendet, die aus pflanzlichen bzw. tierischen Stoffen bestanden. Der so gefertigte Buchblock wurde in eine Presse eingespannt und über Nacht zum Trocknen stehen gelassen. Erst nach seiner vollständigen Trocknung ging es daran, den Buchblock in seine endgültige Form zu bringen. Das geschah mit einem Beschneidehobel. Dieses Werkzeug wird auch heute noch in sehr kleinen oder traditionell geführten Buchbindereien benutzt. Sollte es gelingen, einen antiken Beschneidehobel zu erwerben, wäre das eine sehenswerte Ergänzung für jeden Liebhaber der Buchbindekunst. Das Gerät schneidet das Papier auf sein endgültiges Maß und lässt so überstehende Ränder und Ecken verschwinden, die sich im Zuge des Falzens und Leimens aus dem Buchblock geschoben haben.

Im nächsten Arbeitsschritt stand das Runden des Buchrückens auf dem Plan. Das wurde damals mit einem Hammer erledigt, heute gibt es dafür spezielle Rückenrundmaschinen. Als letzter Arbeitsschritt war das Hinterkleben des Buchrückens zu erledigen. Bei leichten Büchern mit wenigen Seiten reichte ein Pergamentpapier, schwerere Bücher wurden mit Molton, Gaze oder Papier versehen. Das besondere Extra eines Buches ist das Anbringen der Kapitale. Die Kapitale ist eine Verstärkung des Buchrückens durch ein Band, dessen Ende als Lesezeichen zwischen die Buchseiten gelegt werden konnte. Verschiedenfarbige Bänder sind auch heute Gestaltungsmerkmal besonders aufwendig gebundener Bücher.

Werkzeuge zur Herstellung und Anbringung eines Buchdeckels

Die Königsdisziplin im Buchbinderhandwerk war und ist die Gestaltung des Einbandes. Vorausgesetzt, der Buchbinder wusste damals über die Inhalte des zu bindenden Buches Bescheid, konnte er den Buchdeckel entsprechend gestalten. Heute ist die Gestaltung durch redaktionelle Vorgaben meist festgelegt, mit Autoren und Verlagsleitung abgesprochen. Damals gab es solche Vorgaben nicht und deshalb konnte sich hier ein künstlerischer Anspruch entwickeln. Ledereinbände mit Goldschnitt, Vergoldung oder Blindprägung für medizinische, theologische oder klerikale Werke waren nicht selten. Sehenswert und als absolute Rarität gelten Bücher aus den Jahren vor 1700 mit einem Prachteinband aus edelsten Materialien. Geschmückt mit Elfenbein, Edelmetallen, Emaille oder Edelsteinen kommen sie einem wertvollen Schmuckstück gleich. Buchdeckel aus Holz, ganz oder teilweise verkleidet mit Goldblech, Leder oder Brokat, gehören ebenfalls zu den seltenen Exemplaren, die das Herz eines jeden Buchbinders höher schlagen lassen. Doch auch die Werkzeuge, die zu ihrer Herstellung verwendet wurden, sind für Sammler eine Rarität. Eine Goldschnittraspel oder eine gravierte Rolle für gepunzte Goldschnitte sind zwar selten zu finden, doch lohnt sich die Suche nach ihnen immer.

Schnittverzierung der Buchseiten – ein Merkmal hoher Buchbinderkunst

Buchbinder sind in erster Linie Handwerker. Doch wenn es um die Verzierung der Buchseiten geht, trifft Handwerk auf Kunst. Es lag und liegt immer eine Absicht dahinter, wenn Buchseiten an der Schnittseite verziert werden. Auch wenn der Schnitt zum Beispiel durch einen Metallschnitt farblich zum Bucheinband passend gewählt wird, so soll er doch eine ganz bestimmte Aufgabe erfüllen: Die Schnittverzierung schützt den Buchblock vor Verstaubung, Vergilbung und Verschmutzung. Früher gab es kostengünstige und kostspielige Schnittverzierungen, am gebräuchlichsten waren Farbschnitte und Metallschnitte. Kombinationen aus beiden Varianten waren ebenfalls zu finden.

Eine sehr einfache Art des Farbschnittes war der Sprengschnitt. Dabei werden das sogenannte Sprenggitter und eine Bürste benötigt. Mit der Bürste wird die Farbe über das Gitter versprengt und so auf die Buchschnittseiten aufgebracht. Die Technik ist sehr alt und erfordert Erfahrung und Geschick. Finden Sie ein antikes Sprenggitter und eine ansehnliche Bürste, ist das eine willkommene Bereicherung für jeden Buchbinder. Der Goldschnitt wurde damals ausschließlich bei Büchern verwendet, die ohnehin einen hochwertigen, teils kostbaren Einband hatten. Zum einen gibt die Verwendung von Edelmetallen Auskunft darüber, wie hoch ein Werk geschätzt wurde, zum anderen konnten die Buchbinder die hohe Kunst der Buchbinderei demonstrieren. Ein Goldschnitt war und ist die wertvollste Veredelung von Buchseiten. Er erfüllt einen praktischen Zweck, denn er schützt die Seiten besser als jeder andere Schnitt vor schädlichen Einflüssen wie Licht, Luft, Feuchtigkeit und Temperatur. Für den Buchbinder ist das die perfekte Kombination: Kunst und Zweckmäßigkeit, die verbunden miteinander ein sehr beeindruckendes Ergebnis präsentieren.

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