Alte BMW- Gespanne und Nachbauten aus dem Osten

Aufrufe 449 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war

Alte BMW-Motorräder, hier speziell Gespanne, BMW-Nachbauten, Wunsch, Realität, Betrug, Erfahrungen, Warnung!

Hallo Leute,

ich bin über ein paar E-bay-Angebote gestolpert, die mir den Morgentee hochtreiben. Von Leuten, die selbst reingefallen sind und mit süssen oder markigen Worten russische Altmetallansammlungen loswerden wollen. Oder um die Sorte, die bewusst ( ? ) mit falschen Angaben versucht, wüstengelb, wehrmachtsgrau oder olivgrün beschmierte M72, K750, Molotov, URAL, Dnepr u. s. w. mit BMW-Motorrädern wie der R71 oder der grossen R75 in einen Topf zu werfen, um mit diesen "BMW-Repliken" Kasse zu machen. Diese Gespanne haben, ausser einigen technischen Daten / Prinzipien und etwas Geschichte, NICHTS mit BMW zu tun, das ist echter Schwindel! Ich möchte nicht Leute belehren, die schon seit Jahren ihre alte BMW / ihr Gespann haben, sondern die, die da erst reinschnuppern wollen, warnen. Die ein Gespann und den breit grinsenden Fahrer sehen und denken: "Das wäre was für mich, ich will auch so fröhlich aus der Kombi gucken." Die wg. Familienzuwachs über ein Gespann nachdenken, um mit Familie Motorrad fahren zu können. Die im Winter Depris kriegen, weil sie nicht Motorrad fahren können, die Zeit aber mit einem Gespann erschliessen möchten, vielleicht sogar ( wie ich ) von einem dieser exquisit bekloppten Wintertreffen in Norwegen träumen. Die einen Onkel Alfons oder Hugo hatten, der sie ganz früher schonmal im Seitenwagen mitnahm...u. s. w. All Jenen möchte ich Lehrgeld ersparen helfen. Was ich in meiner "Russenzeit" gelernt habe, möchte ich nicht missen, aber es war teuer...Wohlgemerkt: Ich schätze und respektiere Leute, die sich mit dieser Technik auseinandersetzen und eine M72 originalgetreu am laufen zu halten ist genausoviel und mehr Arbeit als eine BMW R 71 zu fahren. Ich sitze mit denen gerne am Feuer! Ich respektiere die Anstrengungen, die aktuell seitens der Werke und Importeure zur Qualitätssicherung unternommen werden. Ich verabscheue nur Blender und Kassemacher und bin halt durch und durch BMW-Mann.

Alte BMW´s sind toll und an ihnen zu arbeiten und mit ihnen zu fahren macht ( mir schon seit über 20 J. ) Spass! Das gilt ebenso und besonders für BMW-Gespanne, denn: hat man die überschaubare Technik mal im Griff, sodass man in eine individuell ausgearbeitete Regelwartung kommt, geht der Ärger pro km gegen Null. Die Dinger sind mit vertretbarem Aufwand alltagstauglich ( heisst bei mir rund 1250 km/Monat im harten "ich.habe-gar-kein-Auto"-Allwetterbetrieb! ) zu kriegen und zu halten, d. h. da sieht man mal Land. Achtung: Den muss man aber auch treiben, wie bei jedem alten Motorrad! Bitte keinen Scheunenfund o. ä. rauszerren, anwerfen, Schiffbruch erleiden und dann auf das arme Tier schimpfen! Man bekommt Ersatzteile in Topqualität ganz normal bei BMW an der Theke und das sogar in entlegenen Winkeln der Welt, wenn man verreist. Im Boot können Passagiere sitzen und nicht ein halbes Ersatzmotorrad für die Wochenendtour.

Bei Nachbauten aus der Ex-UdSSR oder China sieht die Sache etwas anders aus. "Wir fahren, weil wir das Schrauben so lieben, wir stinken nach Öl und Benzin..." ist nicht umsonst die Hymne derer, die diesem Virus erlegen sind. Wer drauf steht, den Weg zum Ziel zu machen ( und spät oder nie anzukommen... ), wer ein Topmechaniker ist / werden will, ist hier richtig. Wer allen Mitfahrern auch das dritte Liegenbleiben am Tag noch als Abenteuer verkaufen kann und Klingeln bei fremden Leuten, um nach Strom und einem V.-kabel für den mitgeführten Lötkolben ( z. B. für die ewig kranke Lichtmaschine, die man mit etwas Übung in einer Stunde ausbaut, zerlegt, nachlötet, zusammensetzt und einbaut, während die geduldige Freundin an guten Tagen auf einer nahen Wiese ein Sonnenbad nimmt, an schlechten... ) zu fragen ( meist wird einem freundliche Unterstützung zuteil, ich habe das aber nie bei strömendem Regen nachts probieren müssen! ) als kommunikativ erachtet u. s. w., der sollte sich so etwas antun. Wer dagegen zwar gerne schraubt, aber auch gerne fährt und beides geplant betreiben möchte, der sei von einem gewarnt, der sein Lehrgeld bezahlt hat: Finger weg! Ihr werdet unglücklich! Und nicht nur die, die einfach eine nicht ganz so alte Maschine mit SW fahren möchten, auch die, die da einen Oldtimer für kleines Geld ergattern wollen und sich vom BMW-artigen Aussehen und Zauberworten, denen ich auch erlag, wie: BMW, Wehrmacht, toprestauriert, Rarität einlullen lassen. Das geht  bei der Zulassung los, die erhebliche Probleme macht, wenn das Fahrzeug auf dubiosen Wegen aus dem Osten kam. Da nützt nichtmal der oftbeschworene deutsche ( Blanko- ) Brief, was hier nicht zugelassen war, und damit Bestandsschutz geniesst, wird hier nicht zugelassen, wenn Abgas- und Geräuschwerte nicht erfüllt werden. Ohne Nachweis, dass das Gerät schonmal irgendwo zur passenden Zeit zugelassen war, seid Ihr auf den Sachverstand, die Gnade und das Verständnis des TÜV-Mannes angewiesen. Und Blindnasen, die eine 1941er R71 nicht von einer 1989er Chang Jiang mit 12 Volt-Kreis und Anlasser unterscheiden können gibt es zwar, aber man sollte sich nicht darauf verlassen.

Zur Geschichte ist grob zu sagen: Als Hitler und Stalin noch gut miteinander konnten, warfen die Deutschen den Sowjets so ein paar Brocken Technologie hin, für die sie die besseren Nachfolger schon in der Schublade hatten. So kam die R 71 nach Irbit, wo sie in den Irbiter Motorenwerken ( IMZ ) als M 72 weitergebaut wurde. Wie sie dann nach China, wo sie heute noch gebaut wird, kam, weiss ich nicht. Damit dürfte sie das am längsten nahezu unverändert gebaute Fahrzeug der Welt sein. Weitere Ableger dieses Seitenventilers sind als K 750 und Molotov bekannt, wobei nicht immer eindeutig festzustellen ist warum was wie heisst. K 750 und Molotov können angetriebene Seitenwagenräder haben, machmal sogar mit zuschaltbarer Differentialsperre, Rückwärtsganggetriebe kamen später, die vom Nachfolgemodell Ural ( 650 ccm, ohv ) passen. Alles Sachen, die sich toll anhören, tollen Spass bringen, wenn sie laufen, aber auch toll kaputtgehen können und das auch tun. Egal, wie sie heissen mögen: das Material der alten Dinger ist schlecht und müde ( Vorsicht bei sogenannten "Depotmaschinen", die Dinger kommen aus Ländern, wo ganze Clans davon leben, künstliche Fliegen in künstlichen Bernstein einzubetten, weil sich das verkauft. Für die ist ein wohlpatiniertes Gespann aus Lagerbeständen der Roten Armee kein Problem! ), das der Neueren nur wenig besser, die Ersatzteilversorgung ein Glücksspiel. Wie weit die Werke und Importeure mit ihren Bemühungen aktuell sind, weiss ich nicht, ich bin aber auch vom Russenvirus geheilt, daher interessiert es mich nicht so. Ein freundlicher Ebayer hat mir glaubhaft versichert, dass bei den aktuellen Ural-Modellen alles viel besser sei, persönliche Erfahrungen liegen nicht vor.

Der, verglichen mit einer BMW, günstig erscheinende Einstiegspreis führt dazu, dass man einiges an Ersatzteilkosten und -ärger toleriert, weil man das Ding nun mal hat und fahren will. Als ich Weihnachten ´04  Frieda ( Bild ) kaufte, schlug ich den Ordner "Gespanne, Rechnungen, Adressen, Ersatzteile" nach langer Zeit wieder auf und schaute nach den Rechnungen. Mal hier, mal da und es kamen schmerzhafte Summen zusammen, ohne dass sich dauerhafte Verbesserungen erzielen liessen. Die Rundumschläge werden mit der Zeit grösser, man kann so eine Dnepr oder Ural mit deutschen Lagern ausrüsten ( die dann wie neu zwischen den zerbröselten, weil nicht gehärteten, Getrieberädern liegen ), auf einen BMW-Motor umrüsten ( interessante Änderung am Getriebe ) und erreicht damit nur, dass die Schadensbilder exotischer werden. Schnell hat man so den Preis für ein ordentliches Gespann verbraten und endlos geschraubt. Unbefriedigend!

Vor dem Gespannkauf erstmal gründlich darüber nachdenken was das Gespann können soll und am besten auflisten, was das ergeben hat. Kann ich überhaupt mit einem Gespann fahren, und wenn ja, macht mir das auch Spass? Nicht jeder, der Motorrad fahren kann, wird auf einem Gespann froh. Es heisst, ein Gespann vereinigt die Nachteile von Auto und Motorrad. Das ist Quatsch, da kommen noch ein paar entscheidende dazu! Also versuchen, bei irgendjemandem mal mitzufahren oder sogar mal auf einem GROSSEN, abgesperrten Platz selbst ( VORSICHTIG! ) fahren zu dürfen. Gespannfahrer sind begeistert, wenn sich jemand ernsthaft und mit dem nötigen Respekt ( so ein Ding trachtet einem schon im Schrittempo nach dem Leben, wenn mans nicht kennt; wenn ich damit beim TÜV auftauche, muss ich die Bremstestfahrt selbst machen, die Ingenieure trauen sich nicht... ) für ihre Form von angewandter Fahrphysik interessiert. Es soll auch Clubs oder Fahrschulen geben, die sowas anbieten. Informiert Euch vorher.

Wenn die Familie mit "ins Boot" soll, sollten die "Opfer" das vorher wissen und ggfs. auch mal testen. Die "Seitenwagenperspektive" ( Hintern 35-55 cm über dem Asphalt, Augen in Autorücklichthöhe, freier Durchblick unter LKW, kein körperlicher Kontakt zum Fahrer ) ist was völlig anderes als die eines Beifahrers auf einer Solomaschine und nicht für jedes Nervenkostüm erträglich. Wenn jemand Rückenprobleme hat, wird das Ein- und Aussteigen u. U. zur Qual. 

Ein Gespann ist, verglichen mit einer gleich starken Solomaschine, langsam ( meine BMW R80/7"S" mit 55 PS, Originalreifengrösse, 33/11er-Endantrieb und EML-Sport-Seitenwagen schafft noch 125 km/h, die R100/7 S eines Freundes, 70 PS, 15-Zoll Räder und Walter-TR500-Nachbau-Seitenwagen ca. 145 km/h, auf ebener Strecke, Seitenwagen besetzt; beide Boote aus Gfk ). Ein eingespieltes Team aus zwei Partnern auf Solomaschinen wird sich auf die Kombination Gespann/Solomaschine sehr umstellen müssen. Wenn man in einer grösseren Gruppe ein Gespann integrieren will, wird die Wochenendtour zur Generalstabsübung, damit alle was davon haben. Dazu ist nicht jeder Freundeskreis/Club bereit. Es zeigt sich dann, mit was für Menschen man es zu tun hat. Wenn´s allerdings läuft, ist es der Wahnsinn.

Welches alte BMW-Gespann ist für mich das richtige? Das kommt auf den Einsatzzweck an. Banale Weisheit? Gespanne sind meist einmalig, speziell auf den Besitzer zugeschnitten. Allerdings: Eine geschobene Vorderradschwinge ist eine zentrale Voraussetzung für anhaltenden Gespannspass. Die originalen Telegabeln sind überfordert, egal, was da für Wunderfedern drin sind. Die Lenklager mögen das Boot ebenfalls nicht, denn die Seitenkräfte bei Beschleunigung und beim Bremsen sind enorm. Meist sind dann in so einer Schwinge auch 15-Zoll-Autoräder montiert, was Vorteile bietet: Die Reifen halten deutlich länger. Reine Motorradreifen, insbesondere Enduroreifen, schmelzen SEHR schnell dahin. Das ist ein beachtenswerter Kostenfaktor! Meine Frieda rollt auf Originalfelgen mit Metzeler Block C vorne und Block K hinten ( halten ca. 10.000 km vorne, 5.500 km hinten, kosten ca. 70 Eur + Schlauch ). Wenn das Profil frisch ist, sind das auch gut fahrbare Reifen für den Winter. Es gibt natürlich auch passende Geländereifen. A propos Gelände: wenn sowas geplant ist, beachte man die Bodenfreiheit, die ist auch bei Gespannen auf G/S- oder GS-Basis oft erstaunlich gering. Kein Vergleich mit einer echten Wehrmachts-BMW R 75 oder der grossen Zündapp KS 750.

 Für den ambitionierten Ganzjahresfahrer ( oder den, der es werden will, willkommen in meiner Welt! ), dem das Wetter egal ist, der evtl. auch mit dem Gespann zur täglichen Arbeit fahren möchte, bietet sich eine Zugmaschine ab Baureihe / 6 an. Der Rahmen der Baureihe / 5 ist zu schwach für den Gespannbetrieb ( es sei denn, ein Profigespannbauer wie  z. B. EML hat den Rahmen komplett umgebaut und an den entscheidenden Stellen verstärkt, meist steht dann auch der Gespannbauer als Hersteller im Brief, nicht mehr BMW ). Die Kotflügel sind hier schon aus Gfk, sie rosten auch im salzigen Winter / in der Draussengarage ( ein Gespann nimmt Platz weg wie ein Smart, denkt vorher an den Stellplatz ) nicht. In dem Zusammenhang nützlich: VA-Auspuffanlagen. Noch bequemer hat man es mit einem Exemplar, dessen Motor ein später / 7 ist. Die Wartung vereinfacht sich hier etwas (z. B.  Zündungseinstellung ), die Motoren sind noch zuverlässiger, als / 5 oder / 6, und so ein Gespannmotor muss arbeiten. Das Boot sollte auch aus Gfk sein. Es ist dann leichter, rostet ebenfalls nicht und man sitzt wärmer. Ein Blechboot zieht einem an jeder Berührungsstelle die Wärme aus den Knochen, Frauen und Kinder verlieren da ganz besonders schnell den Spass an der Sache. Man beziehe in die Rechnung eventuelle Kosten für Ergänzung von Bekleidung ein.

Ein grosser Tank ist von Vorteil, denn, im Vertrauen: Gespanne saufen! Ein Luftwiderstand wie der Buckingham-Palast in Verbindung mit dem zusätzlichen Gewicht des Seitenwagens, was dazu führt, dass man schon etwas mehr mit Gas und Schaltung spielen muss, macht aber auch Durst. Frieda stösst sich im Normalbetrieb so etwa 8,5 ltr. / 100km rein, wohl bekomms! Super natürlich, die 55-PS-Version der 80/7 findet das angemessen. Haben wir es eilig oder sind wir beladen, werden das auch mal 10 und mehr Liter. Wer was anderes erzählt lügt oder kann nicht rechnen.

Eine geplagte Baugruppe ist die Kraftübertragung, der Verschleiss an Getriebe und Endantrieb ist hoch. Geräusche aus dem Getriebe sorgen i. d. R. bald für Ruhe und Platz im Geldbeutel oder ein stillgelegtes Gespann. Die Überholung des Endantriebes ( meist ist die Mitnehmerverzahnung verschlissen ) sollte von vornherein mit rund 400 Euro zum Kaufpreis dazugerechnet werden, die Wahrscheinlichkeit, dass das jemand vor dem Verkauf noch hat machen lassen, ist gering. Wie lange so eine Verzahnung hält, probiere ich gerade selbst aus. Die an meiner R100T mit 67 PS solo hat bei 250.000 km überholt werden müssen, über Gespanne liegen mir keine verlässlichen Daten vor. Fragt mich in ein paar Jahren nochmal. Hier sind Einarmschwingenmodelle ( ab `85 ) im Vorteil, da das Hinterrad verschraubt wird und die Mitnehmerverzahnung entfällt. Dafür gibt es da Getriebe, die Probleme machen können, weil das schrägverzahnte Räderpaar des fünften Ganges nicht gegen Seitenkräfte abgestützt ist. Das lässt sich aber bei einer Überholung nachträglich beheben. Eine Getriebeüberholung plus Ergänzung um einen Rückwärtsgang ( ein nicht zu unterschätzender Vorteil beim Gespann und eine unglaubliche Show! ) liegt in Holland bei ca. 1.600 Euro, ohne RWG bei ca. 500 Euro.

Wenn es soweit ist und Ihr habt Euch nach schriftlicher Abarbeitung Eurer individuellen Liste ( soviel, wie möglich schon vorher telefonisch klären ) entschieden, ein BMW-Gespann haben zu wollen, seht es Euch genau an. Alle, die damit fahren oder transportiert werden sollen, sollten dabei sein. Nehmt jemanden mit, der was von BMW-Gespannen versteht, rückt am besten mit einem Gespann an, damit Ihr ernstgenommen werdet. Besteht auf einer Probefahrt, nicht nur auf der Garageneinfahrt. Es nützt auch nicht viel, wenn Ihr im Boot sitzt, und der Besitzer fährt, der kennt sein Dreirad. Ihr selbst, oder Euer Vertrauensmann muss fahren. Habt Verständnis, wenn der Besitzer das erstmal nicht so gut findet, erzählen kann jeder, dass er Gespann fahren kann ( seid Ihr mit Gespann da, und er lehnt die Probefahrt ab, Vorsicht! ). Kauft bloss nichts in Teilen oder ohne Probefahrt, das ist nur was für Leute, die was davon verstehen!

Macht Euch Gedanken, wie Ihr das neue Familienmitglied nach Hause kriegt. Eine weite Überführung "auf eigener Achse" sollte niemand als Einstieg in die Gespannwelt wählen. Ist überhaupt nur machbar, wenn Ihr ein Gespann mitten aus dem Leben kauft, das möglichst noch angemeldet ist. Durch seriöses Auftreten Eurerseits wird der Verkäufer vielleicht geneigt sein, Euch mit seinem Nummernschild loszuschicken. Wenn er das tut, ist das ein grosser Vertrauensvorschuss, treibt damit kein Schindluder! Ein Kurzzeitkennzeichen ist vergleichsweise teuer in der Versicherung, manche Versicherungen verrechnen den Betrag aber ganz oder teilweise, wenn man innerhalb eines bestimmten Zeitraumes das betreffende Fahrzeug auch anmeldet und bei ihnen versichert. Vorher Euren Versicherer fragen! Geräte, die zwar ( und meinetwegen auch gut ) laufen, aber lange gestanden haben, sollten nicht über lange Strecken bewegt werden, bevor man nicht wenigstens die Öle gewechselt und alle Einstellungen etc. mal überprüft hat. Also lieber auf den Hänger und mit aller Ruhe. Der sollte möglichst gross genug sein, damit man das Gespann nicht trennen muss. Wenn das nicht zu umgehen ist, sehr sorgfältig den Zerlegungsvorgang dokumentieren, damit nacher alles da hinkommt, wo es mal war und sich die Spur des Seitenwagens nicht verstellt. Die Motorräder an Gespannen haben meist keine Ständer, also genug Zurrmaterial mitnehmen. 

Der Import z. B. aus Holland oder Belgien ist eine problemlose Sache, verglichen mit exotischen, aussereuropäischen Ländern. Zuerst ist eine Vollabnahme beim TÜV nötig. Hier sollte man gut vorbereitet hingehen, möglichst die technischen Daten komplett dabei haben. Sowas steht nämlich nicht immer in den ausländischen Papieren. Wenn so ein Gespann einen ordentlichen Eindruck macht hat man die seltene Möglichkeit, kreativ an der Gestaltung der Grundlagen, aufgrund derer es zugelassen wird, mitzuwirken. Versucht, möglichst viel wahlweise eingetragen zu bekommen, das erweitert den Spielraum für eigene Umbauten. Das, und der grosse Bogen, den der TÜV-Mann um das Ungetüm macht, führt so ein bisschen dazu, das sich ein Gespann wie ein etwas rechtsfreier Raum anfühlt, eine, in unserer durchreglementierten Zeit, seltene und angenehme Erfahrung. So, als wäre es ausgeflaggt nach Liberia und man selbst fühlt sich königlich dabei. Zur Anmeldung benötigt man noch eine Unbedenklichkeitserklärung aus Flensburg, selbst wenn man ein angemeldetes Gespann mit sämtlichen Papieren und Kaufvertrag  mitgebracht hat.

Und dann: fahren, fahren, fahren, fahren ..............................................

Ich hoffe, ich konnte ein paar meiner Erfahrungen rüberbringen und so vielleicht ein paar Aspiranten auf den Geschmack bringen, ein paar teure Enttäuschungen vermeiden helfen und ein paar zweifelhaften Existenzen die Tour vermasseln. Ich wünsche uns Motorradfahrern allen immer die entscheidende  Handvoll griffigen Untergrund unter den Rädern und lasst Euch nicht den Seitenwagen ( so Ihr einen habt ) auf den Kopf fallen!

Wenn jemand mal ´ne sinnvolle Frage zu Gespannen oder BMW-Motorrädern, schwerpunktmässig der 70er Jahre hat, helfe ich gern.

Ich kann für das, was Ihr aus meinen persönlichen Erfahrungen zum Thema macht, keine Haftung übernehmen.

 

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden