Als die Bilder laufen lernten - Die Technik des Zelluloid Films

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Die Geschichte des Zelluloid-Films

Das Zeitalter der Spielfilme ist eng mit dem Kunststoff namens Zelluloid verknüpft. Dabei handelt es sich um eine Verbindung aus Cellulosenitrat und Campher, die bereits im 19. Jahrhundert entwickelt wurde. Nach einigen Jahren war die Weiterentwicklung dann so weit fortgeschritten, dass der Kunststoff als durchsichtiges Rollmaterial für Filme verwendet werden konnte. Die amerikanische Firma Eastman-Kodak begann um die Wende zum 20. Jahrhundert mit der Produktion der ersten Zelluloid-Streifen für die Produktion von Spielfilmen. Diese Ära dauerte allerdings nur einige Jahrzehnte, denn 1951 wurde die Herstellung der Zelluloid-Bänder wieder eingestellt.
Grund dafür war, dass der Kunststoff nämlich leicht entzündlich ist und außerdem mit zunehmendem Alter immer weiter austrocknet, wobei er langsam einen sprengstoffähnlichen Charakter annimmt. Das Material kann sich in diesem Zustand unter Umständen bereits bei einer Temperatur von nur 38 Grad Celsius spontan selbst entzünden und stellt daher ein beträchtliches Brandrisiko dar. Beim Kauf von echten Cellulosenitrat-Filmen sollten Sie daher unbedingt auf eine kühle und trockene Lagerung der Rollen in Metalldosen achten. Wegen der erheblichen Gefahr wurde bereits 1901 der sogenannte Sicherheitsfilm aus Celluloseacetat entwickelt, der nur schwer entflammbar ist. Dieser brauchte jedoch einige Jahrzehnte, um den gefährlichen Cellulosenitrat-Film abzulösen, so dass die meisten Filme aus den 1920er und 1930er Jahren noch auf diesem gefährlichen Material aufgezeichnet wurden. Anfang der 1980er Jahre kam zudem Polyester als alternativer Kunststoff für die Filmstreifen in Gebrauch. Der Name Zelluloid hat sich jedoch unabhängig vom tatsächlichen Trägermaterial als Bezeichnung für alle Arten von Spielfilmen auf Rollen eingebürgert. Daher werden Sie bei der Suche nach älteren Filmschätzen eher selten auf Angebote von echten Cellulosenitrat-Filmen treffen.

Die Technik des Zelluloid-Films

Bei allen Arten der Spielfilme auf Rollen werden die Einzelbilder auf einem langen Band aus durchsichtigem Kunststoff gespeichert. Zum Abspielen wird dieser Streifen an einer Projektionslampe vorbeigezogen, so dass das Licht durch das Material fällt und ein Abbild auf eine entfernte Leinwand projiziert wird. Die ersten Filme Anfang des 20. Jahrhunderts wurden noch in Schwarzweiß und ohne Ton aufgenommen, wobei die Geschwindigkeit nur bei ca. 15 bis 18 Bildern pro Sekunde lag. Bei den Kameras kam nämlich noch eine Handkurbel zum Einsatz, mit der kaum eine höhere Geschwindigkeit zu erreichen war. Dadurch konnte es auch zu gelegentlichem Ruckeln im Film kommen, wenn der Kameramann die Handkurbel nicht mit einer exakt gleichmäßigen Geschwindigkeit drehte. Zusätzlich wurde die Aufnahmegeschwindigkeit manchmal auch absichtlich variiert, um dadurch ruhige und hektische Szenen zu betonen.
Erst mit der Einführung des Tonfilms 1929 wurde dann die bis heute gültige Geschwindigkeit von 24 Bildern pro Sekunde als allgemeiner Standard festgelegt, damit die Tonspur auf den Filmstreifen nicht verzerrt wurde. Den Audioteil des Films speicherte man entweder als Licht- oder Magnettonspur auf dem Zelluloid-Streifen, in manchen Fällen auch auf einem separaten Band, das während des Abspielens mit den Bewegtbildern synchronisiert wurde. Zum Abwickeln des Bandes brauchen Sie außerdem meistens eine leere Spule, da der Film von der vollen Rolle auf die leere übertragen werden muss.

Die verschiedenen Filmformate der Zelluloid-Bänder

Im Laufe der Geschichte wurden von den Unternehmen immer wieder neue Formate entwickelt und auf den Markt gebracht. Sie unterscheiden sich vor allem hinsichtlich der Breite des Filmbandes, die zwischen 8 und 70 Millimeter variieren kann, dem Seitenverhältnis der Bilder (4:3, 5:3, 1,85:1, 2,35:1, 2,55:1), der Bildfrequenz, die von 16 bis 25 Frames pro Sekunde reichen kann, und der Perforation. Aufgrund dieser für das Abspielen an beiden Rändern des Bandes nötigen Perforationslöcher, ist das eigentliche Aufnahmebild meistens deutlich schmaler als der Filmstreifen. Das erste allgemein gebräuchliche Format war der 35-mm-Film, der für die Stummfilme zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingeführt wurde und bis heute bei Kinofilmen in Gebrauch ist. 1921 stellte die französische Firma Pathé ein Kleinbildformat mit 9,5 mm vor, das sich dank einer preiswerten Kamera mit Kurbelantrieb in Europa schnell verbreitete.
Als nächstes kam 1923 das 16-mm-Format als günstige Alternative zum teuren 35-mm-Material auf den Markt, das für Amateure sowie Dokumentar-, Lehr- und Werbefilme gedacht war. Wegen der deutlich niedrigeren Kosten wurde es aber sehr schnell auch für Low-Budget-Filme verwendet, die anschließend für die Kinovorführung hochskaliert und auf 35 mm kopiert wurden. 1932 führte dann Eastman-Kodak den 8-mm-Film ein, der sehr handliche und tragbare Kameras ermöglichte und Filmaufnahmen endgültig für Hobbyfilmer erschwinglich machte. Durch die relativ großen Perforationslöcher an den Rändern war das eigentliche Bild bei den 8-mm-Filmen ziemlich klein, so dass Kodak 1965 das Super-8-Format als Nachfolger auf den Markt brachte. Hier waren die Perforationslöcher deutlich kleiner, damit auf den Bändern mehr Platz für die Bilder blieb und die Qualität der Aufnahmen sichtbar verbessert werden konnte. Daneben gibt es noch Andere Formate wie das japanische Single-8-Format oder 55-mm-Filme, die jedoch nie sehr weit verbreitet waren und daher nur selten zu finden sind.

Die Charakteristik der unterschiedlichen Zelluloid-Formate im Einzelnen

Beschaffenheit, Vor- und Nachteile von 35-mm-Zelluloid-Filmen

Bei dem 35-mm-Format variieren die Abmessungen der Einzelbilder je nach Hersteller und Seitenverhältnis zwischen 22 x 16 mm und 38 x 25 mm. Um 38 mm breite Bilder auf den Bändern unterbringen zu können, wurden diese um 90 Grad gedreht, so dass sie nicht mehr wie üblich horizontal, sondern vertikal gespeichert wurden. Auf einem 35-mm-Film können alle Seitenverhältnisse von der anfänglichen 4:3-Variante bis zu dem extrabreiten CinemaScope-Format mit einem Verhältnis von 2,55:1 zum Einsatz kommen. Von den ganz alten Stummfilmen einmal abgesehen, beträgt die Bildfrequenz meistens 24 Frames pro Sekunde (eine Ausnahme ist das Maxivision-Format, für das es auch eine Variante mit 48 FpS gibt). Der größte Vorteil eines 35-mm-Films ist natürlich die sehr hohe Qualität dank der großen Bilder und die Möglichkeit, zusätzlich mehrere Tonspuren mit einem großen Frequenzgang unterzubringen. Aufgrund der Breite und Länge der Spielfilme sind die Rollen für die 35-mm-Streifen die schwersten und unhandlichsten aller Zelluloid-Filme. Außerdem besteht für Sie als Privatmann praktisch keine Möglichkeit, selbst Filme im 35-mm-Format zu drehen.

Beschaffenheit, Vor- und Nachteile von 9,5-mm-Zelluloid-Filmen

Das 9,5-mm-Format ist gut standardisiert, da es nur eine Handvoll Hersteller dafür gab. Außergewöhnlich sind hier die Abmessungen des Einzelbildes, die 8,5 x 6,5 mm erreichen und damit fast die volle Breite des Bandes nutzen. Das wurde durch eine Mittelperforation möglich, bei der sich die Löcher zum Festhalten des Films nicht vertikal am Rand, sondern horizontal zwischen zwei Bildern befinden. Das Seitenverhältnis beträgt einheitlich 4:3, während die Bildrate zwischen 16 und 24 Frames pro Sekunde variieren kann. Die Vorteile des Filmformats sind einerseits der günstige Preis und die Handlichkeit der Kamera und andererseits die Robustheit des Celluloseacetat-Materials (die 9,5-mm-Filme wurden von Beginn an nur als schwer entflammbare Sicherheitsfilme hergestellt). Durch die vergleichsweise hohe Qualität der Filme erfreut sich dieses Format selbst heute noch einiger Beliebtheit, die Produktion von Filmen und Geräten wurde aber längst eingestellt.

Beschaffenheit, Vor- und Nachteile von 16-mm-Zelluloid-Filmen

Bei dem 16-mm-Format haben die Einzelbilder eine Größe von 10,05 x 7,42 mm und das Verhältnis von Breite zu Länge liegt durchgehend bei 4:3. Die Bildfrequenz beträgt meistens 24 Frames pro Sekunde, bei sehr alten Filmen kann sie aber auch bei nur 18 FpS liegen. Hier wurde zur Verbesserung der Bildqualität 1970 noch die Super-16-Variante mit Perforationslöchern auf nur einer Seite eingeführt, bei der ein Bild die Abmessungen 12,35 x 7,42 mm hat (Seitenverhältnis 5:3). Ein Vorteil gegenüber anderen Kleinbildformaten ist, dass der 16-mm-Streifen bei einseitiger Perforation noch genügend Platz für eine Tonspur hat, so dass sich Bild und Ton sehr einfach synchron von einem Band abspielen lassen. Nachteilig wirken sich vor allem die gegenüber dem 8-mm-Format höheren Kosten für Geräte und Filme aus. Dafür ist die Bildqualität deutlich besser, so dass sich das Format auch für Fernsehproduktionen und Dokumentationsfilme eignet.

Beschaffenheit, Vor- und Nachteile von 8-mm-Zelluloid-Filmen

Das 8-mm-Format hat mit einer Größe von 4,9 x 3,6 mm die kleinsten Bilder von allen Filmen. Das Seitenverhältnis liegt fest bei 4:3, während die Bildfrequenz zwischen 16 und 24 Frames pro Sekunde variieren kann. Der größte Vorteil des Formats sind die kleinen und leichten Handkameras und die günstigen Preise für die Filme. Nachteile sind die deutlich geringere Qualität aufgrund der kleinen Bilder und die einfachen Spulen mit losen Filmbändern, die von Hand auf einer leeren Spule eingefädelt werden müssen. Beim Super-8-Format beträgt die Bildgröße 5,69 x 4,22 mm und die Bildfrequenz liegt normalerweise bei 18 Frames pro Sekunde, manchmal auch bei 24 FpS. Hier ist die Qualität der Bilder um einiges besser und die Filmbänder sind zudem in Kassetten untergebracht, die sich einfach in die Kamera oder den Projektor einlegen lassen. Die Super-8-Filme waren anfangs noch stumm, 1973 brachte Kodak aber auch eine Variante mit einer Tonspur auf den Markt. Diese ist jedoch sehr schmal, so dass der Klang nur eine eingeschränkte Qualität erreicht. Die Geräte und das Filmmaterial sind außerdem deutlich teurer als die Super-8-Filme ohne Ton.

Vor- und Nachteile von Zelluloid-Filmen im Allgemeinen

Die meisten Zelluloid-Filme werden heute nicht mehr hergestellt und sind vor allem für Liebhaber und Sammler interessant. Auch bei Kameras und Projektoren wurde in den meisten Fällen die Produktion eingestellt, so dass Sie als Käufer auf Angebote von gebrauchten Filmprojektoren und Filmkameras angewiesen sind. Bei den Ausnahmen Super-16 und 35-mm sind die Kosten für neue Geräte ziemlich hoch, dafür werden Sie aber auch mit einer hohen Filmqualität belohnt, die sich dank des Verzichts auf jede Kompression auch mit Digitalfilmen messen kann. Unter den anderen Zelluloid-Formaten können Sie bei eBay neben vielen älteren Kinofilmen auch einmalige Amateuraufnahmen finden, die das Leben der Menschen und ihr Lebensgefühl vor vielen Jahrzehnten unverfälscht dokumentieren. Zudem kann man hier rare Filmschätze von historischen Ereignissen wie dem Stapellauf eines Dampfschiffes aus der Kaiserzeit entdecken. Für Film-Enthusiasten und historisch Interessierte lohnt sich das Stöbern nach Zelluloid-Filmen daher auf jeden Fall.

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