Als das Tonband seinen Siegeszug antrat

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Als das Tonband seinen Siegeszug antrat

Wahrscheinlich würde die Mehrheit auf die Frage „Besitzen Sie noch ein Kassettendeck?“ mit „Nein“ antworten. Und das kann man gut nachvollziehen, schließlich leben wir im Zeitalter moderner digitaler Kommunikation. So scheint das Kassettendeck, auch Tape-Deck genannt, bereits Schnee von gestern zu sein. Dennoch: Audio-Kassetten sind heute immer noch in Gebrauch. Die Kassette hat sich Ihre Nische gesucht und sie gefunden.

Die Audio-Kassette ist etwas für Nostalgiker. So würden es wahrscheinlich die Meisten sehen. Aber nicht nur Technikliebhaber haben an Kassetten ihre Freude. Kassetten sind auch weiterhin beliebte Tonträger im Kinderspielzeugbereich. Kassetten mit Hörspielen oder Kinderliedern sind nach wie vor gang und gäbe. Das liegt besonders daran, dass die Kassette ein so stabil gebautes Tonband ist, das auch eine „ruppige“ Handhabung gut überstehen kann. Natürlich gibt es darüber hinaus immer noch viele Personen, die von der „alten“ Technik nicht lassen wollen. Das kann damit zusammenhängen, dass große Kassettensammlungen vorhanden sind oder man schlicht die „Ästhetik“ einer Kassette oder eines Kassettendecks schlicht nicht vermissen möchte.

Wie auch immer die Gründe für den Kauf eines Kassettendecks sind. Dieser Ratgeber möchte Ihnen einen kurzen Überblick zu Thema bieten. Danach können Sie besser einschätzen, auf was Sie beim Kauf eines Kassettendecks zu achten haben.

Ein kurzer Blick in die Geschichte der Audiokassette

Ein erstes Verständnis für technische Geräte bekommt man immer dadurch, dass man einen kurzen Blick in die Vergangenheit wirft – auch beim Kassettendeck. Die Kassette ist nichts anderes als eine bestimmte Form des Magnettonbandes.

Die Geburtstunde der Audiokassette

Die Vorläufer des Kassettendecks finden sich in den 1930er Jahren. 1935 stellte beispielsweise die Firma AEG Ihr sogenanntes Magnetophon vor. Das Magnetophon unterschied sich (hinsichtlich der grundlegenden Funktionsweise) vom Kassettenrekorder im Grunde nur dadurch, dass es mit offenen Spulen zur Tonbandaufwicklung arbeitete. Jedoch waren diese Tonbänder der ersten Stunde (wie beispielsweise das AEG-Magnetophon) noch sehr teuer und für den Privatanwender unerschwinglich. Die Geräte wurden daher in der Regel im professionellen Bereich eingesetzt: im Hörfunk und in Tonstudios. Das änderte sich erst im Zuge der 1950er Jahre. Hier kamen erste Tonbandgeräte auf den Markt, die extra für den privaten Bereich konzipiert waren. Jedoch waren auch diese Exemplare noch verhältnismäßig teuer.

Die „Compact Cassette“ tritt auf den Plan

Das änderte sich mehr oder weniger schlagartig auf der 23. Funkausstellung in Berlin im August 1963. Hier stellte der niederländische Konzern Philips ein bahnbrechendes neues Tonbandkonzept vor, das Schule machen sollte: die „Compact Cassette“. Das Tonband samt Auf- und Abwickelspule befand sich in einem kleinen und robusten Gehäuse aus Kunststoff bzw. Metall. Da die Audio-Kassette zunächst nur als Tonträger für (diktierte) Sprache gedacht war, führte man gleichzeitig auch den passenden Kassettenrekorder samt Mikrofonanschluss ein. Der Philips EL 3300 ist heutzutage der Rekorder-Klassiker schlechthin.

Ab hier war der Audiokassette ein grandioser Aufstieg beschieden. Besonders bei Jugendlichen hatte die Kassette einen durchschlagenden Erfolg. Das lag besonders daran, dass man mit den Geräten externe Tonquellen aufnehmen konnte. War der Kassettenrekorder zunächst als Diktiergerät gedacht, fingen viele damit an, Ihr Lieblingsradioprogramm und ihre Lieblingsmusik aufzunehmen. Schon bald kamen spezielle Kombigeräte auf den Markt. Zuerst Radiorekorder: eine Kombination aus Radio und Kassettenrekorder. In den 1970er Jahren dann trat das Stereo-Kassettendeck hinzu. Als Bausteinelement für den eigenen Hi-Fi-Anlagenturm wurde es sehr beliebt. Auch hier waren mit der Zeit einige technische Neuerungen zu verzeichnen. So behielt das Kassettendeck bis in die 1990er Jahre hinein seine große Verbreitung.

Die CD löst die Kassette ab

Im Zuge dieses Jahrzehnts wurde die Kassette jedoch nach und nach vom Markt verdrängt. Das lag besonders damit zusammen, das die digitale „Compact Disc“ immer erschwinglicher wurde. Als dann auch CD-Player mit Aufnahmefunktion auf den Markt kamen, war das Schicksal der auch qualitativ unterlegenen Audio-Kassette besiegelt.

Wie ein Audiokassette funktioniert

Das Funktionsprinzip der Audiokassette ist die magnetische Speicherung von Audiosignalen auf einem Magnetband. Das dünne Kunststoffband der Audiokassette ist dabei mit einer bestimmten Beschichtung versehen, die die magnetische Aufnahme und Speicherung erst möglich macht. Mit der Zeit haben sich hierbei verschiedene Typen der Beschichtung durchgesetzt. Diese Beschichtungen haben Einfluss auf die mögliche Informationsdichte und damit auch auf den Klang der Kassette.

Die verschiedenen Typen der Tonbandbeschichtung

Insgesamt gibt es vier Typen von Tonbandbeschichtungen. Bei Typ I (der ältesten Beschichtung) wird Ferrit für die magnetische Speicherung verwendet. Später wurden Beschichtungen mit Chromdioxid (Typ II), Eisenoxid und Chromdioxid (Typ III) und metallischen Partikeln (Typ IV) angeboten.

Durch Einkerbungen an der oberen Seite des Kassettengehäuses wird die Bandart für das Kassettendeck unterscheidbar. Kassettentyp IV besitzt vier Einkerbungen, Typ III zwei Einkerbungen innen, Typ II zwei Einkerbungen außen, Typ I keine Einkerbung. Der Unterschied der Bandsorten besteht im Besonderen in ihrer unterschiedlichen Magnetisierbarkeit. Ferrit-Beschichtungen beispielsweise sind relativ schnell vollständig magnetisiert. Bänder mit Metallbeschichtung hingegen können auch stärkere magnetische Feldstärken noch voneinander unterscheiden. Das bedeutet, dass es möglich ist, Aufnahmen lauter auszusteuern. Das erhöht den Dynamikbereich und den Rauschabstand.

Kassettenrekorder und Co

Wie bereits erwähnt haben sich verschiedene Typen von Kassettenrekordern herausgebildet. Zunächst gab es den herkömmlichen tragbaren Kassettenrekorder mit anschließbarem oder integriertem Mikrofon. Daraufhin folgten tragbare Radio-Kassettenrekorder-Kombinationen. Zur Berühmtheit gelangte auch der tragbare Kassettenspieler in Form des Walk-Man. Mit dem ersten Kassettendeck für die Hi-Fi-Anlagen erreichte der Kassettenrekorder seinen qualitativen Gipfel.

Grundlegende Funktionsweise des Kassettendecks

Dadurch, dass das Kassettendeck keinen integrierten Verstärker verwendet und auch nicht minimiert werden musste, kann sich das Kassettendeck ganz auf seine eigentliche Aufgabe konzentrieren. Kassettendecks gibt es als Single-Variante mit einem Kassettenlaufwerk oder als Dual-Variante mit zwei Laufwerken. Der Vorteil der Dual-Variante kann darin bestehen, dass die Aufnahme von Kassette zu Kassette nur mit einem einzigen Gerät möglich ist.

Wenn die Audiokassette in das Laufwerk eingelegt und die Wiedergabetaste gedrückt wird, lässt der Motor des Decks die Spulen des Kassettenbandes rotieren. Das Band wird von der Abwickelspule auf die Aufwickelspule gespielt. Das Magnetband der Audiokassette wird hierbei mithilfe von Andruckrollen an den Köpfen des Tape-Decks entlang geführt. Mithilfe der beiden Köpfe sind unterschiedliche Funktionen verbunden. Der Löschkopf entmagnetisiert das Tonband und löscht so die magnetisierten Toninformationen. Der Tonkopf ist für die Wiedergabe und auch für die Aufnahme (Magnetisierung) des Bandes zuständig. Die sogenannte Capstanwelle lässt dabei das Tonband in einer konstanten Geschwindigkeit an den Köpfen vorbeiziehen.

Welchen Funktions- und Ausstattungsumfang besitzen Kassettendecks?

Zuvorderst besitzen Kassettendecks Bedienungselemente für die Grundsteuerung. Tasten für Wiedergabe, Pause, Stopp, Vorlauf, Rücklauf, Auswurf usw. sind vorhanden. Darüber hinaus besitzen sie Anzeigen für die Bandaussteuerung bei Aufnahme und Wiedergabe sowie ein Auto-Stopp-System, das die Bandwiedergabe anhält, sobald das Bandende erreicht ist. Des Weiteren können Kassettendecks mit Bandwahlschaltern versehen sein, die den Typ des Tonbandes definieren können. Einige weitere besondere Bedienelemente bzw. Ausstattungen sollen folgend als Beispiele angeführt werden.

Kein manuelles Wechseln der Kassette dank Auto-Reverse

Besonders bei sehr alten Modellen ist die Auto-Reverse-Funktion nicht integriert. Da das Tonband der Audiokassette doppelseitig bespielbar ist, muss die Kassette beim Abspielende der ersten Seite umgedreht werden, damit die zweite Seite wiedergegeben werden kann. Die Auto-Reverse-Funktion übernimmt dies automatisch.

Kein Rauschen mehr dank integrierter Rauschreduzierungsverfahren

Die Aufnahmen auf Tonbänder sind immer mit einem gewissen Hintergrundrauschen verbunden. Um dieses zu minimieren, wurden spezielle Rauschunterdrückungsverfahren erfunden. Das bekannteste Verfahren kommt von Dolby. In den meisten Kassettendecks kommen Rauschreduzierungsverfahren dieser Firma zum Einsatz.

Perfekte Einstellung auf das Kassettenband durch Einmessung

Bei besonders hochwertigen Kassettendecks existiert eine Funktion zur automatischen Einmessung des Tonbands. Durch eine automatisierte Testaufnahme kann sich das Kassettendeck auf die exakte Stärke der Vormagnetisierung und Aufnahmeverzerrung des Bandes einstellen.

Kassettendecks können eine Vielzahl unterschiedlicher Anschlüsse aufweisen

Wenn Sie sich die Angebote für Kassettendecks ansehen, dann fällt gleich auf, dass es Geräte mit unterschiedlichsten Audio-Schnittstellen gibt. Der häufigste Audio-Ausgang ist natürlich der RCA bzw. Cinch-Ausgang für den rechten und linken Stereo-Kanal.

Darüber hinaus gibt es auch Modelle, die Bananen-, oder Rohkabel-Lautsprecherbuchsen, digitale Koaxial-Ausgänge, TOSLINK-, XLR-, oder DIN-Ausgänge unterstützen. Des Weiteren sind Audio-Ausgänge für den Kopfhöreranschluss nicht selten.

Da Kassettendecks heutzutage kaum mehr hergestellt werden, werden Sie unter Umständen zu einem gebrauchten Gerät greifen. Da die Preise mittlerweile sehr niedrig sind, können Sie auch getrost ein Modell mit höherer Qualität kaufen. Am ehesten bieten sich hier Decks an, die im professionellen Studiobereich eingesetzt wurden. Diese sind in der Regel in ihrer Konstruktionsweise auf Langlebigkeit hin ausgelegt und besitzen einen sehr guten Klang.

Fazit

Dieser Ratgeber hat Ihnen hoffentlich einen kleinen Überblick über das Thema „Kassettendecks“ geben und Sie so in Ihrer Kaufentscheidung unterstützen. Zwar ist die Audiokassette mittlerweile nicht mehr der Standard im Audio-Heimbereich. Sie hat sich jedoch Ihre Nische erhalten.

 

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