Als alle Welt den Shimmy tanzte: Das waren die Modetrends der 20er-Jahre

Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war

Als alle Welt den Shimmy tanzte: Das waren die Modetrends der 20er-Jahre

Die 20er-Jahre – ein Jahrzehnt, das für radikalen Umbruch steht. Befreit vom Muff der Kaiserzeit und dem Leid des Ersten Weltkriegs, wollen die Menschen jetzt vor allem eines: feiern und vergessen. Auch wenn die „Goldenen Zwanziger“ eigentlich nur für die Jahre zwischen 1924 und 1929 stehen, gelten sie stellvertretend für das ganze Jahrzehnt. Modisch gesehen ist alles anders als zuvor. Röcke und Haare werden kürzer, die Taillen länger, Schmuckstücke opulenter. Die Silhouette der Damen ist knabenhaft schlank; ganz emanzipierte Frauen schlüpfen gleich in weit geschnittene Männer-Anzüge. Nicht zuletzt Hollywoodfilme wie „Der große Gatsby“ sorgen dafür, dass der 20er-Jahre-Stil auch heute immer wieder modische Trends setzt.

 

Weg mit dem Korsett und Freiheit für die neue Frau

Die Mode der 20er-Jahre spiegelt den Zeitgeist wider und bricht radikal mit Traditionen. Sind Frauen um die Jahrhundertwende noch in Korsetts eingeschnürt und kaum berufstätig, so fordern die Kriegsjahre von ihnen plötzlich Männerarbeit und damit bequeme Arbeitskleidung. Sogar Hosen sind gestattet. Gleichzeitig schreitet die Emanzipation voran, und die Mode der Nachkriegszeit zeigt die neue Frau: Befreit vom Korsett – auch im übertragenen Sinn. Gerade geschnittene Hängekleider, die knapp unter dem Knie enden, verhüllen jegliche weibliche Formen. Dafür zeigen Damen erstmals Bein in durchsichtigen Strümpfen aus Kunstseide. Der Busen kommt aus der Mode. Frauen präsentieren sich männlicher und flachbrüstig dank luftiger Dessous, tragen Anzüge und rauchen erstmals in der Öffentlichkeit. Bezeichnendes Accessoire: die Zigarettenspitze.

 

Skandal: Revolution in der Haarmode und Frauen greifen zum Make-up

Alte Zöpfe werden abgeschnitten, der Bubikopf ist en vogue: Ein Pariser Friseur soll ihn erfunden haben. Man trägt die neue Frisur natürlich fallend, streng mit Pomade nach hinten gekämmt oder mit leichten Wellen. Und – Skandal: Frauen schminken sich erstmals. Das sah man bislang nur im Theater und bei Prostituierten. Jetzt greift auch die Frau von nebenan ganz selbstverständlich zu hellem Gesichtspuder und Rouge, umrandet die Augen tiefschwarz, schminkt die Lippen kräftig rot und betont die extrem dünnen Augenbrauen. Sogar die Knie werden gepudert, damit sie hübsch aussehen, wenn sie beim temperamentvollen Shimmy oder Charleston unter dem Kleid sichtbar werden.

 

Die Flappermode: jung, frech und ein bisschen verrucht

Vor allem selbstbewusste Singlefrauen prägen diesen neuen Look: die Flappermode, die durch die jungen Hollywoodstars in Stummfilmen populär wird. Flapper verkörpern all das, was man gemeinhin mit den wilden 20er-Jahren assoziiert. Sie hören Jazz, tanzen ausgelassen, trinken Alkohol in der Öffentlichkeit und rauchen ungeniert. Sie schlüpfen in die typischen Charleston-Kleider, zwischen deren Fransen keck die Beine durchblitzen, und lieben extravaganten Schmuck wie breite Goldarmbänder und extrem lange Perlenketten. Auch in der Straßenkleidung sind Flapper tonangebend, mit kniekurzen Faltenröcken oder Kleidern und dem beliebten topfförmigen Cloche-Hut.

 

Die Abendgarderobe: Hauptsache auffallend, üppig und extravagant

Neu ist in dieser Mode-Ära auch die deutliche Unterscheidung von Alltags- und Abendkleidung. Die tiefsitzende Taille wird häufig durch Gürtel oder Schärpe betont. Fransen, flatternde Überteile, zipfelige Röcke und Boas sind typisch für die festliche Mode. Besonders beliebt: extravaganter Kopfschmuck vom Stirnband bis zum edlen Turban.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden