Alexander - Revisited, Director's (Final Cut), auf DVD

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Hinweis: meine alte Rezension vom 15.06.2006 umgeschrieben, - und sie betrifft nun ausschließlich die verlängerte Revisited - Director's (Final Cut) Fassung dieses Filmes, - "Alexander" von Oliver Stone.

betrifft: Alexander - Revisited, Director's (Final Cut), DVD, deutsche Auflage

 

Am 15.06.06 äußerte ich mich  - relativ kurz - zur "Alexander" Einzel - DVD.

Zugegeben, der Film war (nicht nur mir, sondern eben vielen), so, - in der Form, wie er allein damals zu bekommen war, halt gekürzt, nicht mehr Kommentar wert.

Muß das nun auch revidieren, denn, inzwischen halte ich diesen Film für ein zu Unrecht gescholtenes, kleines "Meisterwerk".

Nicht nur, das die Director's Cut - Version im Unterschied zur alten Kinofassung viel länger ist [Laufzeit, gesamt, des Films, nun: 204, 50 Min. - davor waren es gerade mal 168,11 Min. (dh. 160, 42 - ohne den Abspann) ... durch die ganzen, neuen Umschnitte und das einfügen neuer Szenen ergibt dieser Film hier nämlich, nun endlich ein richtig gutes Gesamtwerk.

Ich wünschte, ich könnte anderen bzw. mir selbst überhaupt richtig erklären, was nun genau mich damals schon an der alten Kinofassung so gefesselt hat, das ich ihn mir zwar nie kaufte, trotzdem nicht mehr ganz aus dem Kopf bekam.

Nach durchsehen des sehr hilfreichen Schnittberichtes dann, entschloss ich mich einfach kurzerhand, ihn mir später in dieser vorliegenden Form doch zu kaufen.

So sah damals meine alte Rezension dazu aus:
nicht jeder Regisseur hat "goldene Hände"... Fakt ist: Wo Ridley Scott (der ja sonst auch öfter's ganz andere Themen verfilmt) mit "Gladiator" weit weniger Schwierigkeiten hatte, - ist bei Olive Stone hier unzweifelhaft festzustellen, das er sich wohl doch besser weiterhin mit "Anti" - Kriegfilmen ("Platoon") oder seinen Politdramen ("JFK - Tatort Dallas", "Nixon") hätte beschäftigen sollen, - da dort wahrscheinlich doch viel eher sein wahres Talent zu finden ist !?

"Alexander" ist zwar rein handwerklich durchaus nicht schlecht gemacht, auch an den Leistungen der hochkarätigen Schauspieler Collin Farrell, Angelina Jolie, Val Kilmer usw., ist nichts ernsthaftes auszusetzen (mit Sicherheit um Längen besser als frühere Verfilmungen dieses heiklen Thema's), - eine wirklich mitreissende "Stimmung" kommt im Vergleich zu anderen History Streifen dabei aber trotzdem irgendwie nicht so richtig auf.

Sehr unglücklich gewählt war hier auch der Versuch, mit sogenannten "unterstreichenden" Effekten a la "Three Kings" oder absichtlich das Bild verfremdenten Farbfiltern, wie es z.B. bei "der Soldat James Ryan" gemacht wurde (Gelb - bzw. - Rotstich Farbschleiern für besondere epische Schlachtszenen u.a.) eine gewisse dramaturgische Wirkung zu erzielen.

Zur Verteidigung des Films muss aber auch gesagt werden, das sich, was oft bei anderen nicht immer der Fall ist, so gut es möglich war, ziemlich exakt an die historisch bekannten Fakten gehalten ("Königreich der Himmel" ist ebenfalls eines der besseren Beispiele dafür) wurde.

Durch die eigentlich überflüssigen Diskussionen im Vorfeld um Alexanders moralische Neigungen o.ä. hatte dieser Film (wie auch z.B. "die Passion Christi") sowieso einen schweren Start gehabt und es fiel somit schwer, übertriebene Erwartungen zu erfüllen.

Fazit: Nicht nur für Geschichtsfans zu empfehlen, - wer grosszügig über einige "Patzer" hinwegsehen kann, wird auch hier noch bestimmt gut unterhalten werden.

Nachtrag:
Auch wenn ich dem Film, mehr als zumindest die meißten hier, damals schon sehr versönlich gegenüber geblieben bin, muß ich nun trotzdem zugeben ...

Ich habe dem Regisseur selbst und besonders seinem Film ein wenig unrecht getan.

Denn "Alexander" ist einfach dermaßen, von vorne herein durch die Kritik zerissen worden (und als quasi "Todesstoß" für ihn kommen jetzt erst recht noch die Schnitte von früher hier dazu), daß er kaum eine Chance hatte, jemanden auf Anhieb richtig zu überzeugen.

Sogar die deutsche Synchronisation ist stimmig, lesen sie es selbst nach (Wikipedia). Im englischen Original hat Collin Farrell einen irischen, - Angelina Jolie dafür einen russischen Akzent. Das ist zwar auch weniger ein Punkt zur Kritik, denn, in der Originalfassung versuchte Oliver Stone damit nämlich auch, die unterschiedlichen Kulturen durch unterschiedliche Dialekte darzustellen. Trotzdem bin ich der Meinung, - hat man als Zuschauer im Kopf, das alle Griechen bzw. Makedonier darstellen sollen, verwirrt einen sowas reichlich. Also ist es sogar besser, wenn rein deutsch übersetzt wird.

Auch, ist es mir im Grunde ehrlich gesagt ziemlich egal (gewesen), - dh. nicht nur jetzt, im nachhinein, sondern eigentlich schon damals, als dieser Film das erste mal erschien, ob Alexander der Große nun homosexuell oder zumindest, das, was wir heute als bisexuell bezeichnen würden (denn er hatte ja einige Geliebte, also Frauen und er zeugte hier auch mit höchster Wahrscheinlichkeit seinen Sohn selbst) war.

Man darf nicht vergessen, das sowas damals im alten Griechenland durchaus üblich, ja, sogar erwünscht war. Es ist eben ein großer Denkfehler (soll heißen, ich selbst schließe mich hier garnicht mal aus !), der Leute, alles mit den heutigen Wertvorstellungen bzw. solchen "Augen" kritisch zu betrachten.

Und zur Faktentreue bzw. historischen (Un)Genauigkeit, - zitiere ich nun einfach mal einen Auszug aus dem Netz, kopiere hier einige Beispiele für Fehler bzw. Änderungen, die so natürlich - bewießenermaßen falsch - im Film später vorkommen:

1. Aristoteles zeigt anhand eines Fußbodenmosaiks seinen Schülern die damals bekannte Welt. Dieses Mosaik jedoch enthält die lateinische, nicht die griechische Schrift. Auch Ptolemaios I. zeigt eine Landkarte, die lateinische Begriffe enthält. In beiden Fällen wäre aufgrund der ansonsten bereits recht wirklichkeitsgetreuen Darstellung der Landkarten beziehungsweise aufgrund der Dialoge der Mittelmeerraum und der Nahe Osten auch trotz einer schriftlichen Sprachbarriere erkennbar gewesen. Zu Zeiten Alexanders war die lateinische Sprache und Schrift in den östlichen Mittelmeergebieten nicht verbreitet und konnte sich dann selbst in der römischen Kaiserzeit nur als Amtssprache, nicht aber als Intellektuellensprache durchsetzen. Ebenso sind jegliche Inschriften und lesbare Briefe, trotz keilschriftartiger Buchstaben, im Film auf Englisch gehalten, obwohl deren Verständnis nicht wichtig für die Handlung ist.

2. Aus Gründen der filmischen Dramaturgie wurden Ereignisse an einen anderen Ort verlegt beziehungsweise an einen anderen Zeitpunkt. So wurde Alexander der Große nicht in der Schlacht am Hydaspes durch einen Pfeil schwer verwundet, sondern bei der Belagerung von Multan, als er sich angeblich alleine dem gesamten feindlichen Heer stellte, bis ihm seine Truppen zu Hilfe eilten. Im Anschluss dieser Verletzung fasst Alexander im Film selbst den Beschluss zur Umkehr, nach der antiken Überlieferung kam es hingegen nach der Schlacht am Hydaspes zu einer Meuterei, weshalb er zur Umkehr gezwungen war. Anders als sein historisches Vorbild ist Stones Alexander daher weitgehend frei von Hybris und Größenwahn.

3. Besonders für Kindheit und Privatleben Alexanders stützt sich das Drehbuch offensichtlich nicht auf den allgemein recht zuverlässigen Geschichtsschreiber Arrian, sondern auf die von Legenden und Anekdoten durchsetzte Alexanderbiographie des Philosophen Plutarch. So findet sich im Film vieles, was zwar in einer antiken Quelle so oder ähnlich berichtet wird, was aber von den meisten Wissenschaftlern längst als Fiktion enttarnt worden ist. Alles in allem entspricht der Film eher dem Forschungsstand der 1960er Jahre als dem seiner Entstehungszeit.

Fazit (nun zum 2. und diemal anschließenden male), ich kann den Film jedem, in der nun verlängerten Form, so nur wärmstens empfehlen, - es ist ein Film (!), kein Geschichtsbuch. Wer sich über das echte Leben Alexander's richtig informieren möchte, muß sich halt auch die Mühe machen, darüber zu lesen.

Und für solche (jüngere Jahrgänge) Menschen, die immer noch glauben, "der Soldat James Ryan" z.B. zeigt - verglichen jetzt mal hierzu - dagegen auch nur halbwegs glaubwürdige Geschichte, sei noch angemerkt: durch die Umschnitte, kommt die historische Schlacht Alexander's gegen Dareios III., also gegen das persische Großreich, stattgefunden am 1. Oktober im Jahre 331 vor Christus, bei Gaugamela nun auch viel früher hier im Film vor.

Nicht so schön ist, das es kaum weitere, erwähnenswerte Extra's auf dieser Revisited Fassung - DVD gibt, und, das ganze auch nicht besonders aufgemacht wurde. Sie erhalten beim Kauf lediglich ein einfaches Amary Case. Hier hätte schon etwas der Neuauflage angemessenes "drin" sein dürfen.
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