Afrikanischer Farbstein mit indigoblauer Seele – Wissenswertes über den Tansanit

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Afrikanischer Farbstein mit indigoblauer Seele – Wissenswertes über den Tansanit

Äußerst selten und beinahe unnatürlich blau – so präsentiert sich der Tansanit, einer der jüngsten Mitglieder der Edelsteinfamilie. Er gilt auch als Schmuckstein des 20. Jahrhunderts und hat sich die Herzen von Liebhabern und Sammlern im Sturm erobert. Da er erst Mitte des letzten Jahrhunderts entdeckt wurde, ist der Tansanit noch ein recht unbekannter Schmuckstein. Das ist sehr schade, denn seine faszinierende Farbe ist sowohl als Schmuckstück als auch bei Deko-Steinen ein echter Blickfang. Lesen hier, was es mit dem tiefblauen Stein aus Ostafrika auf sich hat, wie er entdeckt und verarbeitet wird und welche besonderen Geheimnisse er birgt.

Tansanit – der verborgene Schatz im Schatten des Kilimandscharo

Tansanit kommt weltweit nur in den Miralani Hills vor, Kegelbergen in der Nähe der Stadt Arusha / Tansania. Dieser Fundort in Ostafrika ist bisher weltweit der einzige, der derart farbintensive Steine liefert. Abbaugebiete in Pakistan und Indien bringen dagegen nur Steine mit äußerst schwachem Blauschimmer hervor. Diese Seltenheit macht Tansanit seltener als Diamanten und entsprechend wertvoll. Seine Entdeckung geschah aus purem Zufall, als der Gemmologe Manuel d'Souza 1967 in Tansania auf der Suche nach neuen Abbaugebieten für Saphire war. Es wird erzählt, dass er die ersten Steine von den Massei erhalten hat. Dort gilt er aufgrund seiner blauen Farbe als heiliger Stein. Mütter erhalten nach der Geburt ihres Kindes Schmuckstücke aus diesen blauen Kristallen als Zeichen der Anerkennung und als Talisman für den Säugling. Denn Tansanite verheißen bei den Massei Glück und ein langes Leben. Die Massei schürfen jedoch nicht nach den begehrten Edelsteinen, sondern finden sie manchmal nach Buschbränden auf der Erde. Manuel d'Souza hält die ihm gezeigten Farbsteine zuerst für Saphire und sichert sich vorsorglich einen Claim in den Miralani Hills. Erst später findet er durch weitere Untersuchungen heraus, dass der Tansanit eine einmalige Varietät des Minerals Zoisit ist. Diese Variante entstand nur in der Nähe von Arusha, da hier die benötigten geologischen Gegebenheiten vorhanden waren.

Zoisit – der bekanntere Verwandte von Tansanit

Das Mineral Zoisit hat seinen Namen nach seinem österreichischen Entdecker Karl Sigmund Zois, Freiherr von Edelstein. Dieser Unternehmer und Gelehrte erhielt den Stein von einem Mineralienhändler der ihn seinerseits im Gebirge bei Kärnten entdeckt hatte. Nach diesem Fundort nahe der Saualpe erhielt der Edelstein zuerst den abgeleiteten Namen „Saualpit“. 1805 gelangten die Wissenschaftler zu der Überzeugung, dass der gefundene Stein ein völlig neues Mineral aus der Gattung der Silikate und Germanate darstellte und benannten ihn nach Karl Sigmund Zois. Bis heute ist der farblose Edelstein unter dem Namen Zoisit bekannt. Er entsteht, wie auch sein blauer Verwandter Tansanit, durch hydrothermale Lösungen, die sich in Zerklüftungen und Gängen von Gneisen anlagern. Je nach Fundort kommt es zu zum Teil erheblichen farblichen Besonderheiten. So kann der ursprünglich klare Zoisit durch Beimengungen von Mangan rot erscheinen. Diese Varietät wird als Thulit bezeichnet. Auch grüne Steine kommen vor. Diese heißen Anyolith oder Zoitfels. Er ist, wie der Tansanit, ein Fundstück der Massai in Tansania. Allerdings wurde er nahe der Stadt Anyolith entdeckt.

Tansanit erhält seine Blaufärbung ebenfalls durch Beimengungen anderer Stoffe und ihr besonderes Mischverhältnis. Vor allem die Elemente Vanadium und Strontium sollen für das leuchtende Blau verantwortlich sein, aber auch Chrom und Eisen spielen dabei eine wesentliche Rolle. Interessant ist vor allem, dass dieses spezielle Mischverhältnis nur in den Kegelbergen am Kilimandscharo vorzukommen scheint. Das macht den Tansanit zu einem einzigartigen Edelstein.

Der Abbau von Tansanit

Arusha ist, wie schon gesagt, das einzige lohnenswerte Abbaugebiet von Tansanit auf der ganzen Welt. Diese Tatsache allein macht den Farbstein schon zu einer Rarität. Dazu kommt jedoch noch, dass die Vorkommen dort allmählich erschöpft sind. Herausragende Funde in erstklassiger Qualität kommen inzwischen kaum noch vor und erzielen heute auf dem Weltmarkt bereits Höchstpreise. Auch große Steine gibt es kaum noch. Hin und wieder werden allerdings wahre Sensationsfunde gemeldet. 2011 wurde in Tansania ein rund 2,5 Kg schwerer Tansanit gefunden. Er besitzt beachtliche 12.100 Karat und gilt als der drittgrößte Tansanit der Welt. Diese Rekordfunde bilden jedoch die Ausnahme, grundsätzlich sind die Tansanit-Funde generell rückläufig.

Das metrische Karat – Massebestimmung von Tansanit und anderen Edelsteinen

Die Masse von Edelsteinen wird seit alters her in Karat angegeben. Zuerst wurde das Gewicht eines Samens des Johannisbrotbaumes als Grundlage herangenommen. Die gebogene, hornartige Form dieser Samen ist wahrscheinlich auch der Ursprung des Wortes Karat, das den altgriechischen und arabischen Bezeichnungen für „Horn“ gleicht. Im Mittelalter wurde das Karat mit einer bestimmten Anzahl (meist 3-4) einheimischen Weizenkörnern definiert. Erst im Rahmen der sogenannten Meterkonvention 1875 wurde festgelegt, dass ein metrisches Karat genau 200mg oder 0,2 g beträgt. Nach dieser genormten Gewichtsangabe werden heute Edelsteine in Europa und Nordamerika gemessen.

Der Tansanit und die Schmuckherstellung

Wenige Jahre nach seiner Entdeckung interessierte sich der US-amerikanische Schmuckhersteller Louis Comfort Tiffany für den blauen Ziosit. Um ihn erfolgreich vermarkten zu können, erfolgt allerdings zuerst eine Umbenennung. Denn das Wort „Ziosit“ erinnerte den Juwelier zu sehr an das englische Wort „suicide“ (= Selbstmord). Dies schien Tiffany wenig verkaufsfördernd und so wurde der blaue Ziosit nach seinem Fubdort in Tansania Tansanit getauft. Dabei ist es bis heute geblieben. Schon kurz nachdem der geschliffene Edelstein der Öffentlichkeit präsentiert wurde, entfachte er wahre Begeisterungsstürme. Seine Seltenheit, kombiniert mit den kräftigen blauen Kolorationen machte ihn von Anfang an zu einem gesuchten Accessoire und Sammlerstück.

Begehrte Eigenschaften des Tansanits

Der Tansanit überzeugt mit seiner großen Klarheit. Er ist in der Regel frei von Einschlüssen und äußerst transparent. Dadurch kommt das Wechselspiel seiner Farben besonders gut zur Geltung. Aufgrund dieser Eigenschaft besitzen Schmucksteine aus Tansanit einen exquisiten Flair und begeistern durch ihre strahlende Optik und den einmaligen Glanz.

Gleichzeitig besitzt der Tansanit einen beeindruckenden Pleochroismus. Mit Pleochroismus bezeichnen Experten die Mehrfarbigkeit eines Minerals bei unterschiedlichen Betrachtungswinkeln. Der Tansanit erscheint neben tiefem Lavendelblau je nach Lichtbrechung auch purpurrot oder grün-braun. Um den Blauton zu verstärken, werden Tansanite in der Regel erhitzt. Die Wärmeeinwirkung von 500-550°C verstärkt die blauen Nuancen, während die Bronzeanteile abgeschwächt werden. Dieser Eigenart ist es auch zu verdanken, dass die Massai blaue Kristalle gefunden haben und keine braunen oder roten. In der Hitze der Buschfeuer verwandelten sich die Tansanite und erstrahlten auffällig blau.

Tansanit-Katzenaugen – Farbsteine mit speziellem Lichteffekt

Eine weitere attraktive Besonderheit sind Tansanit-Katzenaugen. Diese Edelsteine besitzen in der Mitte eine Lichtreflexion in Form eines Silberstreifs. Damit erinnern sie ihrem Aussehen nach an das Auge einer Katze. Um diesen Effekt perfekt herauszuarbeiten werden diese Schmucksteine in die sogenannte Cabochon-Form geschliffen. Diese Schleiftechnik gibt dem Edelstein eine halbrunde, glatte Oberfläche ohne Facetten. Durch den Cabochon-Schliff bricht sich das Licht optimal in der Mitte des Steins, wodurch der Katzenaugen-Effekt ausgezeichnet hervor tritt.

Die Reflexion entsteht durch winzige röhrenförmige oder nadelartige Einschlüsse in der Mitte des Steins. Beim Tansanit sind diese Sonderformen sehr selten. Ist schon der Tansanit an sich äußerst rar, sind die Vorkommen von Katzenaugen noch weitaus geringer. Dadurch ist das Tansanit-Katzenauge eine sehr geschätzte Kostbarkeit und ein einmaliges Unikat.

Der Tansanit als Heilstein

Obwohl der Tansanit erst relativ kurze Zeit bekannt ist, hat er in der Steinheilkunde einen hohen Stellenwert. Er soll ordnend und klärend wirken und einen klaren Blick auf die Gefühle ermöglichen. Laut der Lehre von den Heilsteinen unterstützt der Tansanit außerdem die Spontanität und macht insgesamt unternehmungslustiger und aktiver.

Reinigung und Pflege des Tansanits

Egal ob Heilstein oder Schmuckstück, ein Tansanit besitzt aufgrund seiner Seltenheit sehr großen materiellen und ideellen Wert für seinen Besitzer. Daher sollten Sie ihre Edelsteine nur mit lauwarmem, klaren Wasser reinigen. Am besten eignet sich dafür Wasser aus dem Wasserfilter oder destilliertes Wasser, da dieses keine Kalkrückstände auf den Steinen zurücklässt. Für die Reinigung mit einem Ultraschallgerät eignen sich Tansanite auf keinen Fall. Durch ihre geringe Mohshärte von 6,5-7 könnte der Schmuck durch die Schallwellen dauerhaften Schaden nehmen. Diese Härteangabe nach Mohs beruht übrigens auf dem einfachen und genialen Ordnungsprinzip, dass der Geologe Friedrich Mohs festgelegt hat. Es beruht auf der simplen Tatsache, dass harte Stoffe weiche ritzen können. Aufgrund dieser Eigenschaft ordnete Mohs die einzelnen Mineralien an und unterteilte sie in die Art der Ritzbarkeit von Härtegrad 1 (mit dem Fingernagel ritzbar) bis Härtegrad 10, bei dem der Diamant als härtestes natürlich vorkommendes Mineral eingeordnet ist.

Neben Schallwellen sind auch starke Temperaturgefälle schädlich für den seltenen Tansanit. Es kann sich negativ auf seine Färbung auswirken. Ein Temperaturschock kann ihn sogar stark beschädigen. Daher sollten Sie Tansanit-Schmuck mit Bedacht tragen und gut auf ihn aufpassen, damit er seine faszinierende Blauwirkung behält.

Achtung Fälschung – Vorsicht beim Kauf von Tansanit

Leider ist der Tansanit durch seine Seltenheit auch bei Fälschern sehr begehrt. Inzwischen kursieren viele Imitationen, die aus Glas oder synthetisch hergestellten Kristallen bestehen. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn das Angebot zu einem ungewöhnlich günstigen Preis zu haben ist. Wie gesagt, Tansanit ist extrem selten. Es gibt zwar Schmuckstücke aus kleinen Steinchen oder Splittern, die zu einem erschwinglichen Preis zu haben sind, aber größere Edelsteine von exzellenter ultramarinblauer Farbe g90ehören sicherlich nicht dazu. Kaufen Sie daher nur Schmuck- und Dekosteine aus seriösen Quellen und hüten Sie sich vor angeblichen Schnäppchen-Preisen.

Fazit:

Der Tansanit, früher blauer Ziosit genannt, gehört zu den seltensten Edelsteinen der Welt, da er nur an einem einzigen Fundort in Tansania abgebaut werden kann. Er besticht mit seiner intensiven blauen Farbe und ist erst seit 1967 bekannt. Er wurde von dem US-amerikanischen Juwelier Louis Comfort Tiffany zum Edelstein des 20. Jahrhunderts gekürt.

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