Achtung !!! Bei Spielzeug das MADE IN CHINA ist !!!

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Giftige Farbe und Mini-Magnete, die Kinder leicht verschlucken: Der alarmierende Rückruf von 18 Millionen Mattel-Spielzeugen beunruhigt Eltern. Dabei kommen aus China regelmäßig Unmengen gefährlicher Produkte in den Westen - die Behörden sind hilflos.

Nach dem Aufruf dürften viele Eltern in das Kinderzimmer gestürzt sein, um die Spielkisten zu durchwühlen. Die eigens eingerichtete Mattel-Telefonhotline läuft schon seit gestern heiß. Über 18 Millionen Mini-Autos, Barbie-Sets, Polly-Pocket- und Doggie-Day-Care-Produkte muss der weltgrößte Spielwaren-Hersteller jetzt wegen Sicherheitsbedenken wieder einsammeln, allesamt in China gefertigt. Die Autos sind mit bleihaltiger Farbe lackiert, die Puppen mit Kleinmagneten bestückt - mehrere Kinder mussten schon operiert werden, weil sie die kleinen Fremdkörper verschluckt hatten. Das Schlimmste ist aber: Die Produkte - etwa Polly Pocket - werden schon seit mehr als fünf Jahren produziert. "Die Sachen liegen teilweise schon sehr lange im Kinderzimmer", gesteht Regina Meyer, Sprecherin von Mattel Deutschland, ein. Die giftigen Autos aber seien erst seit Mai auf dem Markt und machen nur einen kleinen Teil des Rückrufs aus, betont sie noch – insgesamt handle es sich um rund 450.000 Stück.

Mattel bleibt jetzt nur noch, Schadensbegrenzung zu betreiben: Eine Telefonhotline (0800 7898797) wurde eingerichtet und eine Internetseite, auf der die beanstandeten Produkte beschrieben sind. "Die ohnehin hohen Mattel-Standards sind noch einmal angehoben worden", versichert Unternehmenssprecherin Meyer jetzt. Mehrere Zeitungen druckten heute Großanzeigen ab, in denen Mattel um Vertrauen wirbt. CEO Bob Eckert gibt dort sein schriftliches Versprechen, das Problem anzupacken. Doch die Erklärung über dem Riesenfoto mit fröhlich tollenden Kindern wirkt ziemlich hilflos.

Dabei teilt Eckert seine Sorgen mit zahlreichen anderen Unternehmern, die in China fertigen lassen. Die Produktion aus dem Reich der Mitte abzuziehen, ist vor allem für viele Spielzeughersteller längst unmöglich. 80 Prozent der weltweit hergestellten Spielwaren werden in China gefertigt. Doch die Volksrepublik, die sich anschickt, schon nächstes Jahr Exportweltmeister zu werden, überschwemmt die westlichen Märkte mit immer mehr gefährlichen oder giftigen Waren. Mal ist Hundefutter vergiftet, mal Kinderzahnpasta voller Chemie, dann wieder fängt ein Plastik-Leuchtschwert an zu schmelzen und zu rauchen, sobald die Batterie eingesteckt wird. Allein 2006 hat die EU mehr als 900 verschiedene Spielzeuge, Kosmetikartikel und Elektronikwaren aus dem Verkehr gezogen. Ein Drittel mehr als 2005, Tendenz weiter steigend. Auf einer Internetseite der Kommission werden allwöchentlich die neuesten Horrorfunde von Sicherheitsprüfern in der Gemeinschaft veröffentlicht: In der jüngsten Liste stammen über die Hälfte der 43 Artikel aus der Volksrepublik.

"Der Skandal um Mattel ist nur die Spitze des Eisbergs", sagt Patrick Braunmühl, stellvertretender Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Die Importmassen effektiv zu kontrollieren, scheint angesichts der Abermillionen chinesischer Waren, die nach Europa kommen, fast unmöglich. Mehr als Stichproben sind nicht drin. Zumal das Kontrollsystem in der EU Braunmühl zufolge "komplett versagt". In der Gemeinschaft sind die Mitgliedstaaten für Kontrollen zuständig - "das führt teils zu der absurden Situation, dass die Häfen miteinander um die geringsten Kontrollen buhlen, weil sie dann öfter angefahren werden als die Konkurrenz", sagt von Braunmühl.

In Deutschland seien effektive Kontrollen noch dadurch erschwert, dass die Verantwortung bei den Bundesländern liegt. "Mal sind die Zuständigkeiten nicht klar, dann wieder kommt es zu Kompetenzgerangel", bemängelt Braunmühl. Noch dazu seien die Behörden chronisch unterbesetzt. So ließ etwa das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit 2006 rund 1500 importierte Bedarfsgegenstände auf riskante Stoffe untersuchen. Gerade einmal 25 kamen aus China.

Das europäische CE-Zertifikat, das etwa alle importierten Spielwaren schmücken muss, täuscht viele Verbraucher über die Hilflosigkeit angesichts der Sicherheitsprobleme weg. Was die wenigsten wissen: Der Hersteller klebt das Zeichen selbst auf sein Produkt - wenn er glaubt oder glauben machen will, dass alle Vorschriften eingehalten wurden. Etwas mehr Sicherheit bietet das freiwillige GS-Zertifikat, bei dem eine unabhängige Prüfanstalt wie etwa der TÜV das Produkt unter die Lupe nimmt. Doch zum einen will die EU das nationale Siegel abschaffen lassen, um europaweite Einheitlichkeit zu garantieren. Zum anderen könne auch ein noch so sorgfältig durchgeführter Test keine absolute Sicherheit garantieren, sagt Holger Kunz, der Chef der TÜV-Rheinland-Niederlassungen in China. "Bei der Verschiffung etwa muss der Importeur sicherstellen, dass in den Containern tatsächlich auch die Waren sind, die wir geprüft haben."

"Sanktionen, falls es notwendig wird"

Statt alle undichten Stellen an der Grenze zu stopfen, will EU-Verbraucherkommissarin Meglena Kuneva deshalb die chinesische Regierung in die Pflicht nehmen. Peking soll endlich für höhere Produktionsstandards sorgen, findet Kuneva. Das Thema steht ganz oben auf ihrer To-Do-Liste: "China ist das größte Thema, das wir bearbeiten, und das nicht erst seit gestern", erklärte ihre Sprecherin jüngst. Kuneva selbst drohte unverhohlen: "Ich benutze nicht gern das Wort Sanktionen, aber Europa wird nicht zögern, sie zu verhängen, falls es notwendig wird."

Solche Ansagen hinterlassen in China durchaus Wirkung, glaubt TÜV-Chef Kunz, der schon seit Jahren in China wohnt. "Es werden ständig neue Standards eingeführt, die sich ganz klar an denen westlicher Industriestaaten orientieren. Schließlich ist die Regierung hier sehr daran interessiert, das Exportwachstum aufrecht zu erhalten."

Tatsächlich wird Peking immer häufiger aktiv - manchmal auf ziemlich beängstigende Weise. Bis zum Herbst 2007 versprach die Regierung etwa, einen detaillierten Bericht zu dem Thema vorzulegen. Als Anfang August Mattel schon einmal 1,5 Millionen Spielzeuge zurückrufen musste, wurde sogar über zwei Hersteller ein Exportverbot verhängt. Der Chef einer der Firmen brachte sich daraufhin um – vielleicht fürchtete er noch härtere Maßnahmen Pekings. Was keinesfalls aus der Luft gegriffen ist: Der Chef der chinesischen Arznei- und Lebensmittelaufsicht, der Medikamente geschmuggelt haben soll, wurde vor einiger Zeit wegen Korruption hingerichtet.

Doch selbst solch drakonische Strafen werden wenig an den Problemen ändern können, glauben Experten. Was die Zentralregierung will, muss noch lange nicht im Sinne der zahlreichen Provinzregierungen und lokalen Netzwerke liegen. Verbraucherschützer Braunmühl weiß daher auch keinen anderen Ratschlag als den, von Billigwaren aus dem 99-Cent-Shop die Finger zu lassen. "Markenhersteller haben schon aus Furcht vor Imageproblemen normalerweise höhere Sicherheitsstandards als Nischenhersteller", sagt er. Verlassen könne man sich darauf aber auch nicht, wie der Mattel-Skandal ja eindrucksvoll belege.

Ein Bericht von Anne Seith
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