Aachen-Lütticher Barock Stilmöbel Spilker Steinheim

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Aachen Lütticher Barock
Anfang des 18. Jahrhunderts entstand im Aachen Lütticher Raum durch die aufstrebende Industrie ein bürgerlicher Wohlstand. Die Kunstschreinerei erlebte eine Blütezeit und ihr Meister Johann Jacob Couven schuf kunstvolle Möbelschöpfungen, die weit über dir Grenzen bekannt wurden. Im 15. und 16 Jahrhundert wurden die Möbel in den Häusern eingebaut. Erst im 17. Jahrhundert wurden die Möbel beweglicher. Der Enkel des Firmengründers Anton Spilker 1903 - 1973 griff die von seinem Großvater und Vater entwickelten Grundformen des Aachner Lütticher Barock auf und paßte sie den heutigen Anforderungen an. Deshalb können sie auch nicht genau den alten Möbeln nachgebildet sein. Die alten Stilemente wurden aber übernommen und mit heutigen Möglichkeiten entwickelt. So stammen alle Schnitzereien aus der Hand des Holzbildhauers und werden aus dem vollen Holz herausgearbeitet.  Das gilt auch für die Profile und Schweifungen. In der Blütezeit der Firma Spilker, in den  sechziger Jahren, fertigten 114 Betriebsangehörige und 40 freiberufliche Holzbildhauer die Spilker-Möbel. Sie wurden zum Begriff für Spitzenqualität im Möbelbau und festigten den Ruf der Stadt Steinheim im Möbelbau. Im Möbelmuseum in Steinheim sind viele Exponate der Spilker-Möbel ausgestellt.  Unverständlicherweise sind Spilker-Möbel heute nicht gefragt. Sie werden für wenig Geld angeboten, ja sogar als "Sperrmüll" bezeichnet. Die Firma Spilker fertigt seit Ende der 80-iger Jahre keine Möbel mehr. Unter den heutigen Produktionskosten ist es kaum noch möglich solch kunsthandwerklich anspruchsvolle Möbel herzustellen. Unternehmerische Initiative, Kunstverstand, Stilempfinden und Liebe zur Sache machen diese Möbel so kostbar. Hergestellt wurden sie in Nußbaum, Eiche oder Schleiflack. Die Ornamentik zeigt an jedem Modell andere Details. Dies macht den besonderen Reiz der Spilker-Möbel aus. Trotzdem harmonieren alle Möbel miteinander durch die gemeinsame Stilauffassung.  Sie fügen sich auch als Einzelstück in eine moderne Wohnungseinrichtung ein.
Ich besitze seit 35 Jahren Spilker Möbel. Sie präsentieren sich auch heute noch in bester Qualität und unvergleichlicher Schönheit. Als Bild habe ich den Sekretär "Luxemburg" mit geschlossenem Aufsatz in Eiche eingestellt. Gekauft habe ich ihn 1986 zu einem Preis von 11089,00 DM
Es ist schade, das viele Menschen so wenig über die Qualität dieser Möbel wissen und ich empfinde es als ärgerlich, dass so abschätzig über diese Möbel geredet wird. Wer solche Möbel besitzt, sollte sie hüten, wie einen kostbaren Schatz. Ich bin überzeugt, die Einstellung zu diesen Möbeln, was ihren Wert angeht, wird sich ändern.
Zum Schluss eine Geschichte. Vor ein paar Jahren habe ich über das Internet einen Spilker-Schreibtisch gekauft, der durch den Transport leider beschädigt wurde. Ich brachte ihn zu einem Tischlermeister. Nachdem er den Schaden angesehen hatte, beorderte er alle seine Lehrlinge in den Werkstattraum und sagte zu ihnen: "Ich werde diesen Schreibtisch wieder herstellen und Sie alle werden dabei zusehen, damit Sie lernen, wie man einen anständigen Schreibtisch baut."
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