ATI Radeon HD 2000 Serie

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Die am 14. Mai von AMD angekündigten Einsteiger- und Mittelklasse-Grafikkarten HD 2400 und HD 2600 der HD 2000 Serie sind seit dem 28. Juni im Handel erhältlich.
Die Radeon HD 2900 XT ist das Topmodell der HD 2000 Serie und seit dem 14. Mai in Deutschland auf dem Markt.
Als erste Einzelkarte der Welt ist die HD 2900 XT auch mit bis zu 1GB GDDR4 VRAM ausgestattet.

Die Radeon HD 2900 XT kostet 390€, bietet aber die Leistung der um 100€ teuren GeForce 8800 GTX.
Das Preis-Leistungsverhältnis der HD 2400 und HD 2600 ist durch die Unterstützung der Prozessorentlastenden HDV-Ausgabe über HDMI und HDCP sehr attraktiv.

 

Bisher war der DirectX-10-Sektor einzig in der Hand von NVIDIA. Der GeForce-8800-Serie und den nachgefolgten Mid-Range-Modellen aus dem GeForce-8600- und 8500-Segment konnte ATI nur die Altvorderen aus der Radeon-X1900- und X1950-Baureihe entgegen setzen. Mit der nun erfolgten Vorstellung der neuen Generation der Radeon-HD-Karten versucht ATI/AMD nun dem Throninhaber wieder Marktanteile streitig zu machen.

Mit der neuen Generation kommt auch ein neuer Name einher. Der beliebte Marketingbegriff "HD" prangt derzeit auf unzähligen Produkten und so auch auf der Radeon HD2900 XT, dem neuen Topmodel des Herstellers. Die Erwartungen an ATIs Sprössling waren und sind immernoch sehr hoch, doch wie schon bereits aus diversen Vorabgerüchten erkennbar war, kann der R600-Chip in der derzeiten Ausführung auf der Radeon HD2900 XT nicht ganz mit NVIDIAs GeForce 8800 GTX mithalten. Die 2900 XT wird dahingegen eher gegen die GeForce 8800 GTS platziert und kostet im Handel wohl um 399 Euro.

Kurz vor Redaktionsschluss erreichte uns noch ein neuer, überarbeitetet Treiber von AMD, mit dem alle Benchmarks durchgeführt wurden. Der neue Treiber mit der Versionsnummer 8.37.4.2.47323 hatte ambivalente Wirkung: Während in einigen Benchmarks die Frameraten stiegen, sanken sie wiederum bei anderen. Hier gibt es also noch einigen Nachholbedarf. Die Programmierer sind sicherlich noch in der Lage, einige Frames aus dem Treibern heraus zu holen. Das letzte Wörtchen scheint also noch nicht gesprochen zu sein.


Technische Daten der ATI Radeon HD2900 XT und dem Konkurrenz-Umfeld sowie den kleineren Karten der HD-Serie:


                                ATI Radeon HD2400 Pro/XT   ATI Radeon HD2600 Pro/XT   ATI Radeon HD2900 XT     NVIDIA GeForce 8800 GTS   NVIDIA  GeForce 8800 GTX
GPU                         RV615                                 RV630                                 R600                               G80                                     G80
GPU-Takt                  525-700 MHz                       600-800 MHz                        742 MHz                         500 MHz                               575 MHz
Fertigungsprozess      65 nm                                 65 nm                                  80 nm                              90 nm                                  90 nm
Speichertakt              400-800 MHz                       400-1100MHz                       828 MHz                          800 MHz                              900 MHz
Speicherinterface        64 Bit                                 128 Bit                                 512 Bit                             320 Bit                                384 Bit
Speicherart                GDDR2 / GDDR                   GDDR2 / GDDR3                  GDDR3                            GDDR3                                GDDR3
Speicherausbau         128 MB                               256 MB                                512 MB                            512 MB                                768 MB
RAMDAC                  400 MHz                              400 MHz                              400 MHz                          400 MHz                              400 MHz
Speicherbandbreite     6,4 - 12, GB/s                      12,8 - 35,2 GB/s                   106 GB/s                         64 GB/s                               86,4 GB/s
Transistoren              390 Millionen                         390 Millionen                        700 Millionen                   681 Millionen                        681 Millionen 
Pixel/Vertex Shader   40 Stream Prozessoren         120 Stream Prozessoren       320 Stream Prozessoren   96 Stream Prozessoren        128 Stream Prozessoren
Texture Units             mit 525-700MHz                    mit 600-800 MHz                  mit 742 MHz                    mit 1200 MHz                      mit 1350 MHz
ROPs                       16                                        16                                        16                                   20                                       24
Verkaufspreis            <100€                                  125-175€                               <400 €                            ca. 350 €                             ca. 500 € 

Der direkte Vergleich zwischen HD2900 XT und GeForce 8800-Serie zeigt, dass die GPU der ATI-Karte zwar höher getaktet ist, dafür aber die Streamprozessoren nur mit einem geringeren Takt rechnen. Durch die andere Architektur sind auch die Angaben der Anzahl der Prozessoren mit Vorsicht zu genießen. ATI kann maximal fünf Instruktionen pro Takt mit 64 Recheneinheiten ausführen und zählt deshalb gerne 320 Stream-Prozessoren. Bei gleicher Rechenweise könnte NVIDIA mit 1+1 Instruktionen pro Takt 256 Streamprozessoren angeben. Überlegen ist ATI beim Speicherinterface, welches mit einem geringeren Takt als bei der GeForce 8800 GTX durch die 512-Bit-Anbindung hervorragende 106 MB/s überträgt.

 

HD-Videobeschleunigung: GF 8400 gegen HD 2400

AMD und NVIDIA versuchen ihre Low-End-Modelle GeForce 8400 GS und HD2400 Pro verstärkt über die HD-Video-Funktionen zu vermarkten. Diese Eigenschaften hat sich die chinesische Seite HKEPC.com genauer angesehen.
Während die 3D-Leistung bei beiden auf durchgehend sehr niedrigem Niveau liegt und die Modelle mit Fps-Raten von unter 15 Bildern pro Sekunde anscheinend für Direct X 10 überhaupt nicht zu gebrauchen sind, offenbaren sich in Sachen Videobeschleunigung interessante Unterschiede.

Durchschnittliche Auslastung mit MPEG2-HD-kodiertem Ausgangsmaterial (Bitrate ~15 MBps):
- Celeron D360   91,92%
- X1300 Pro        71,15%
- GF7300 GS      68,14%
- HD2400 Pro      42,15%
- GF8400 GS      39,96%

Durchschnittliche Auslastung mit H.264-kodiertem Ausgangsmaterial (Bitrate ~28 MBps):
- Celeron D360   94,14%
- X1300 Pro        92,17%
- GF7300 GS      91,12%
- HD2400 Pro     46,17%
- GF8400 GS      43,82%

Durchschnittliche Auslastung mit VC-1-kodiertem Ausgangsmaterial (Bitrate ~20 MBps):
- Celeron D360   87,52%
- GF7300 GS      73,40%
- X1300 Pro        71,78%
- GF8400 GS      57,19%
- HD2400 Pro      26,17%

Während die GeForce bei MPEG2-HD- und H.264-Material minimal vorn liegt, kann die Radeon bei VC-1-Filmen auftrumpfen. Hier rächt sich, dass NVIDIA das Entropy-Decoding und Bitstream-Processing - beides Elemente der VC-1-Dekodierung - nicht in die Hardware der GeForce-Karten integriert hat.

 

3DMark06: HD2900 XT Crossfire schlägt 8800 GTX SLI

In einem Komplettsystem (Falcon Northwest Mach V) von Falcon Northwest finden sich zwei Radeon HD2900 XT mit GDDR4-Speicher im Crossfire-Verbund. Dieses System schlägt laut Benchmarks von PC-Mag locker einen 8800-GTX-SLI-Verband aus einem ähnlichen Komplettsystem, welches auch bei Falcon Northwest angeboten wird.
Im Standarddurchlauf von 3D Mark 2006 beträgt der Unterschied über 3.000 Punkte. In Company of Heroes hat das Radeon-Gespann 100 Frames pro Sekunde in 1280 x 1024 erreicht.
So viel Performanceunterschied liegt teilweise vielleicht auch an den Presse-Treibern, die ATI für die Testmuster angeboten hat.

Benchmarks

Der synthetische Benchmark "D3D Rightmark" bietet die Möglichkeit, einzelne Flaschenhälse von Grafikkarten zu testen:
Als obligatorischer Benchmark für die Spielergemeinde dürfte sich, trotz der geringen Praxisrelevanz, der 3DMark06 eingebürgert haben.

3DMark06
                                                    Radeon X1900 XT   Radeon HD 2900 XT   GeForce 8800 GTX
Gesamtscore (3DMarks)                 6192                     11024                       11147
Game Test 1 (fps)                              18                          36                            42
Game Test 2 (fps)                              20                          41                            43
Game Test 3 (fps)                              26                          47                            46
Game Test 4 (fps)                              27                          58                            54
Single Texturing (MPixel/sec)          4571                       7857                        6913
Multi Texturing (MPixel/sec             9891                     11813                       17823
Vertex Shader (MVert/sec)               175                         310                          229
Vertex Shader compl. (MVert/sec)      59                         191                          107

Im 3DMark 2006 liegen die bei beiden Direct3D10-Boliden doch ziemlich ähnlich. Im Vertexshader-Test gibt es jedoch eine erste Aussage: Der R600-Chip schneidet hier wesentlich besser ab, während die Radeon X1900 XT hierbei bereits deutlich zurückfällt. Interessant zudem, wie die Radeon HD 2900 XT im SingleTexturing-Test problemlos mit der GeForce 8800 GTX mithalten kann, im MultiTexturing-Test jedoch deutlich zurückfällt.
Traditionell liegen die Radeon-Karten in Hidden Surface Removal Benchmarks aufgrund ihres hierarischen Z-Puffers immer vorn - so auch hier.
Die Radeon HD 2900 XT scheint im Pixelshader-Test des D3D Rightmark kaum schneller als ihr Vorgänger zu sein. Hier scheint angesichts der (auf dem Papier) doch deutlich leistungsfähigeren R600-Architektur noch einiger Spielraum für Verbesserungen des Schedulers im Treiber vorhanden zu sein.

 

Fazit

Der wohl entscheidenste Punkt gegen eine direkte Bewertung der GeForce 8800 GTX gegen die Radeon HD 2900 XT ist allerdings der Preis: Während die NVIDIA-Karte derzeit für knapp unter 500 Euro zu haben ist, geht die neue ATI-Karte mit einem Listenpreis von 399 Dollar in den Handel und soll sich innerhalb kürzester Zeit nach dem Auftauchen der ersten Angebote auf 350 Euro einpegeln. ATI hat hier also bewußt keine Karte aufgelegt, welches es mit der GeForce 8800 GTX aufnehmen können soll - dies schafft sie von der Leistung her erwiesenermaßen nicht und hat daher eben auch einen völlig anderen Preispunkt.

Allerdings fallen die Preise für GeForce 8800 GTS 640MB Karten derzeitig rasant, verschiedene Exemplare werden (nicht lieferbar) schon für unter 300 Euro angeboten, lieferbare Karten sind immerhin schon für 310 Euro zu haben. Insofern wird die GeForce 8800 GTS 640MB trotz zu prognostizierender geringerer Performance gegenüber der Radeon HD 2900 XT immer ein harter Gegner für diese sein, da einfach der Preispunkt jetzt schon besser ist als bei der neuen ATI-Karte. Zwar gibt es Stimmen, die davon berichten, daß auch die Radeon HD 2900 XT schnell auf Preise von 320 bis 330 Euro herabsinken wird - ganz ehrlich wollen wir eine solche Entwicklung aber erst einmal abwarten, ehe sich Spekulationen darüber erlauben.

In der Summe hat ATI mit der Radeon HD 2900 XT auf Basis des R600-Chips also eine Grafikkarte vorgestellt, welche für das untere HighEnd-Segment vorgesehen ist, zweifelsfrei nicht als wirklichen Angriff auf die Modelle des oberen HighEnd-Segments in Form von GeForce 8800 GTX und Ultra. Diesen vor allem durch den Preis zum Ausdruck gebrachten Anspruch kann die neue ATI-Karte sicherlich erfüllen und bietet im Rahmen dessen auch ein absolut vernünftiges Preis/Leistungsverhältnis. Zu einem wirklich herausragenden Preis/Leistungsverhältnis reicht es jedoch nicht, weil man diesbezüglich letztlich nicht besser als NVIDIA mit der GeForce 8800 GTS liegt.

Allerdings muß auch klar gesagt werden, daß das große Bild nicht wirklich berauschend ist: Zum einen trat der R600-Chip einstmals doch an, um NVIDIA (erneut) das Fürchten zu lehren. Davon ist derzeit nicht viel zu sehen, selbst wenn ATI diesbezüglich in jüngerer Vergangenheit schon wieder zurückgerudert hatte. Aber von einem so lange immer wieder verschobenen Projekt hätte man einfach mehr erwarten können. Daß es jetzt sogar nur noch zu einer Präsentation mit offensichtlich nicht ausgereiften Treibern gereicht hat, ist das andere Ärgerniss: Die Rohleistung des Grafikchips wird offensichtlich noch nicht vollständig auf die Schiene gebracht, zudem doktorte man noch am Transparenz Anti-Aliasing herum. Gerade bei den vielen Launchverschiebungen der Vergangenheit hätte doch eigentlich Zeit sein müssen, um diese Problematik gleich vom Start weg im Griff zu haben.

Insofern liegt trotz der langen Verzögerung noch einiges an intensiver Treiberarbeit von ATI, um die Radeon HD 2900 XT dort hin zu bekommen, wo sie hin soll. Sicherlich kann man diesbezüglich die Vermutung anstellen, daß ATI hier in den nächsten Wochen noch 10 bis 20 Prozent Performance herauskitzeln wird können - wobei ATI uns dieses natürlich beweisen muß, für die Vermutung kann sich keiner etwas kaufen. Zudem wären eigene R600-Boardlayouts der Grafikkartenhersteller zu begrüßen, welche mit anderer Kühler/Lüfterkonstruktion die doch zu hohe Lautstärke der Karte im 3D-Betrieb lindern helfen könnten.

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