50 Cent: Bulletproof für Playstation 2 Top oder Flop ??

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50 Cent: Bulletproof

Playstation 2

Ob man mit HipHop was anfangen kann oder nicht: An Curtis „50 Cent” Jackson kommt momentan keiner vorbei. Der Ex-Drogendealer aus Queens wütet wie ein Orkan durch alle Medien, hat gerade seinen Film „Get rich or die trying“ in die Kinos gebracht und arbeitet an seiner ersten Sextoy-Kollektion. Doch vor den Dildos kommt noch die Videospiel-Pflichtübung. Wie, nicht mitbekommen? Obwohl von Vivendi auf der letzten Games Convention lautstark beworben, ist das Game wegen seiner brutalen Thematik hierzulande nicht erschienen.

Echte Fans von 50 und seiner Haus- & Hof-Crew G-Unit juckt das herzlichst wenig. Doch obwohl von 50 Cent über Lloyd Banks bis hin zu Tony Yayo alle bekannten Akteure am Start sind, hat Entwickler Genuine („Fight Club“) den Todesfeldzug ordentlich versemmelt. Übrigens: Sexy Olivia hat es nicht ins Spiel geschafft.

GGGGGGGGGGUnit
Unser Hauptdarsteller tobt: Als ihn ein Kumpel panisch zur Hilfe ruft, kassiert er neun Kugeln in den Rücken. Den Freund hat es bereits zuvor tödlich erwischt. Doch wie in der Realität lebt Mr. Cent mit einer Ladung Blei im Rücken erst richtig auf: Das Blutbad will gerächt, die Hintermänner ausgenommen werden. Für diese typische Ghetto-Story hat man Emmy-Gewinner Terry Winter verpflichtet, der die in den USA sehr erfolgreiche Mafia-Serie „The Sopranos“ produziert.

Für „Bulletproof“ kriegt Winter allerdings keinen Preis: Die klischeebeladene Geschichte des waffenstarrenden Knochenbrechers bleibt auf dem Niveau zweitklassiger Gangster-Filme. Gut, Tiefgang haben wir auch nicht wirklich erwartet: Es geht ums Ballern, bis man auf dem Gewehrlauf Spiegeleier braten kann. Problematisch ist hier das beschwipste Zielsystem: Um gut zu treffen, muss man den Cursor etwas länger auf einem Feind halten – mit jeder Sekunde wird der Schuss dann tödlicher. Allerdings ist man fast immer angehalten, wild und schnell in die Menge zu ballern, was die ganze Idee zunichte macht. Im Zuge dessen macht auch das Combo-System wenig Sinn, denn ob man jetzt ein Fenster zerballert oder gleich einen Kollateralschaden erzielt – auch dafür gibt es Punkte –, kann man mit einem eingeklemmten Abzugsfinger nicht wirklich kontrollieren. Zuletzt macht die miserable Gegner-KI jeden Schlagabtausch zur reinen Schießbudenveranstaltung. Ganz gleich, ob man gegen Sondereinsatzkommandos oder Motorradgangs kämpft, der Anspruch bleibt niedrig. Vergeblich versuchen die Entwickler, durch pure Masse – oft hilft nur davonlaufen – an Gegnern den Schwierigkeitsgrad anzuheben. Ähnlich wie in „The Punisher“ kann man sich entwaffnete Feinde greifen und diese dann „befragen“ oder mit einem Spezialkill exekutieren – „Bulletproof“ ist, wie so ziemlich alles von 50 Cent, starker Tobak. Stellenweise wird der Kollos in der kugelsicheren Weste von seinen Bandkollegen begleitet, die dem Spieler tatkräftig zur Hand gehen.

Ihre Schützenskills sind hierbei zufrieden stellend, nicht aber die Wegfindung: Oft bleiben Banks & Co. an Ecken hängen, als hätten sie aus 50 Cents alter Crackschüssel genascht. Cooler Gastauftritt am Rande: Sowohl Eminem als auch Raprentner Dr. Dre tauchen in aberwitzigen Nebenrollen auf – für Fans der Interscope-Records-Familie ein Highlight.

Get rich or die trying
Erwartungsgemäß ist „Bulletproof” ein Feuerwerk des Cross-Marketings: Die Charaktere tragen Klamotten aus der G-Unit-Kollektion, der Soundtrack kommt natürlich aus dem selben Stall. Freunde der Combo werden allerdings aus zwei Gründen enttäuscht sein: Nicht nur, dass die exklusiv für das Spiel aufgenommenen Tracks größtenteils kein Album-Niveau erreichen, auch werden diese durch ein verkorkstes Einspielsystem getrübt: Je nach Actiongehalt wird die Musik dynamisch eingestreut – wird gerade wild ausgeteilt, spielt „Bulletproof” einen lauten, aggressiven Song. Doch bevor man diesen richtig auskosten kann, ist die Action meistens vorüber. Und damit auch die Reime. Neben den dreizehn exklusiven Tracks dürfen allerlei Bonusmaterialien mit dem im Spiel eingesammelten Geld gekauft werden: Tonnenweise Bilder, Musikvideos und Remixe erfreuen das Sammlerherz.

Tatort Schrottplatz
Technisch ist das Spiel ein ständiges Auf und Ab. Das Gute vorab: Die Charaktertexturen der Helden sind super, der Wiedererkennungswert nicht zuletzt dank der authentischen Vertonung hoch. Dass die Dialoge wenig Gehalt haben, wird hier keinen stören.

Sehr wohl aber die mauen Texturen der Gegnerschar und so ziemlich aller Locations: Schrottplatz, Fleischerei, Hinterhof – Genuine hat alles verwurstelt, wo der typische Gangster von Welt abends seine Runden dreht. Leider ist es dort meistens dunkel, unscharf und detailarm – jetzt wissen wir wirklich, wieso das Ghetto zum Teufel gewünscht wird. Die Animationen, besonders die Auswahl an theatralischen Spezialkills, gehen in Ordnung.
An die Qualität der tollen Rendersequenzen kommen sie jedoch nicht heran – grafisch wird in „Bulletproof“ unterm Strich zu wenig rausgeholt. So werden am Ende nur echte Fans zufrieden sein.

Wer mit der Musik und der durch und durch übertriebenen Gangster-Thematik wenig anfangen kann, braucht sich in „Bulletproof“ keinen lohnenswerten Third-Person-Shooter zu erhoffen.

Fazit:

Zugegeben, ich bin ein großer Fan von 50 Cent und G-Unit. Entsprechend heiß war ich auf den „Bulletproof”-Test. Das ich in Sachen Story und Tiefgang nicht viel zu erwarten hatte, war von vornherein klar. Vielmehr habe ich mich auf einen gradlinigen, brutalen Shooter mit cooler Musik gefreut. Letzteres sehe ich noch als erfüllt an, der Gewaltgrad ist auch im Erwachsenenbereich, doch was den Shooter-Part angeht, bin ich enttäuscht.

Das Zielsystem nervt, die Feinde agieren auf Amöben-Niveau – umso blöder ist die Idee, sie einfach nach jedem Kill irgendwo um die Ecke wiederzubeleben und auf pure Masse zu setzen. Für mich hat sich Vivendi klar beim Entwickler vergriffen: Schon „Fight Club“ von Genuine war nicht wirklich der Hit. Einziges Kaufargument ist das viele Bonusmaterial.

So ist dieses Spiel wahrlich nur was für Hardcore-Fans, nichts für jemanden, der gelegentlich zu „In da Club” auf- und abwippt. Entsprechend können die HipHoper unter euch getrost 10% zur Endwertung dazuaddieren. Ansonsten hatte ich für dasselbe Geld erst vor kurzem deutlich mehr Spaß beim 50-Cent-Konzert in Oberhausen.
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